Zum 1. Juli erhöhen die privaten Krankenversicherungen für alle Versicherten im sogenannten Standardtarif die Beiträge – und zwar deutlich: Wie zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, gehen die Beiträge um rund 25 Prozent nach oben. Konkret bedeutet das, dass die Prämien von monatlich 400 Euro auf 500 Euro steigen.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Laut dem Verband der Privaten Krankenkassen (PKV) waren zum Jahresende 2024 rund 53.900 Personen im Standardtarif versichert, was etwa 0,6 Prozent der Versicherten in der PKV-Krankheitskostenvollversicherung entspricht.

206191_1325_206191_cover.jpg
#16 Michael Kretschmer über Hausbesuche von Corona-Leugnern und sein Gespräch mit Putin
Meine schwerste Entscheidung
 

Private Krankenversicherung: Standardtarif steht nicht jedem offen

Den Standardtarif gibt es seit 1994. Er gehört zu den vom Gesetzgeber eingeführten Sozialtarifen der PKV, die Kundinnen und Kunden vor finanzieller Überforderung schützen sollen. Versicherte wechseln in diesen Tarif zum Beispiel dann, wenn sie ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können oder wollen. Dafür gibt es dann eine Behandlung, die dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen entspricht. Zuletzt wurden die Beiträge in diesem Tarif vor einem Jahr erhöht – damals um 9,3 Prozent. Laut PKV würden Privatversicherte im Standardtarif auch nach der neuerlich bevorstehenden Beitragsanpassung noch deutlich weniger als zum Beispiel ein Durchschnittsverdiener in der Gesetzlichen Krankenversicherung (2025: 736 EUR).

KW19 Karriere Einstellungsuntersuchung
Im Standardtarif der privaten Krankenversicherung gehen die Beiträge zum 1. Juli deutlich nach oben – vor allem, weil die Kosten im Gesundheitswesen insgesamt steigen.© Christin Klose/dpa-tmn/dpa | Christin Klose

Allerdings: Nicht jedem steht der Wechsel in den Standardtarif offen. Versicherten müssen entweder 65 Jahre alt sein oder 55 Jahre, wenn ihr Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt. Das sind in diesem Jahr 66.150 Euro im Jahr. Eine weitere Voraussetzung ist, dass sie mindestens seit zehn Jahren privat versichert sind und sie ihre Vollversicherung vor dem 1. Januar 2009 abgeschlossen haben. Wer erst nach diesem Stichtag in die PKV gegangen ist, kann nur in den ebenfalls brancheneinheitlichen Basistarif wechseln, wenn ihm die Beiträge zu hoch werden. Er ist aber deutlich teurer, auch dort steigen zum 1. Juli die Beiträge.

Auch interessant

Private Krankenversicherung: Experte sagt, wie es zur Beitragssteigerung kommt

Die Erhöhung erklärt der PKV-Verband mit den gestiegenen Leistungsausgaben im Jahr 2023. Ein Trend, der sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) betrifft, so der Verband auf seiner Internetseite. „Diese Entwicklung verdeutlicht die anhaltende Belastung des Gesundheitssystems, das zunehmend mit steigenden Kosten für medizinische Behandlungen konfrontiert ist“, heißt es weiter.

Auch bei den mit milliardenschweren Verlusten kämpfenden gesetzlichen Krankenkassen waren die Zusatzbeiträge zuletzt gestiegen. Die Gründe dafür liegen Experten zufolge auf der Hand. Die Ausgabensteigerungen – sowohl bei den gesetzlichen als auch bei den privaten Krankenkassen – seien relativ hoch und würden weit über den Einnahmensteigerungen liegen, sagte Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld dieser Redaktion. „Steigerungen der Arzneimittelausgaben von über zehn Prozent im letzten Jahr, bei den Krankenhäusern knapp darunter, bleiben nicht ohne Folge. Wenn man daran etwas ändern will, müsste man im Ausgabenbereich ansetzen“, so Greiner weiter. Versicherer hätten darauf nicht viel Einfluss.

Auch interessant

Private Krankenversicherung: Strenge Vorgaben was Erhöhungen angeht

In der privaten Krankenversicherung gibt es strenge Vorgaben für die Anpassung der Beiträge. Eine Erhöhung ist nur möglich, wenn die Leistungsausgaben oder die Lebenserwartung um mindestens fünf Prozent von den kalkulierten Werten abweichen. „Unternehmen müssen genau nachweisen, dass die Erhöhungen unabweisbar sind aufgrund der Kostenentwicklung. Aktuare“, erklärte Greiner. Anfang dieses Jahres hatten private Krankenversicherungsunternehmen die Beiträge laut PKV-Verband bereits in rund zwei Dritteln aller PKV-Tarife erhöht.