Deutschland und die gesetzliche Altersvorsorge – kaum ein Thema wird so emotional diskutiert. Jetzt hat der Sozialverband Deutschland (SoVD) auf einen Vorschlag der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm reagiert. Die Ökonomin hatte wegen der abzusehenden finanziellen Schieflage der Rentenversicherung unter anderem gefordert, künftige Rentenerhöhungen nur noch an die Inflation anzupassen und nicht mehr – so wie es heute ist – an die allgemeine Lohentwicklung.
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Viele Rentner wüssten schon heute nicht, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier gegenüber dieser Redaktion. „Die Forderung, Renten künftig nur noch an die Inflation, statt an die Lohnentwicklung zu koppeln, ist deshalb besonders zynisch. Damit würden Millionen Menschen im Ruhestand dauerhaft vom gesellschaftlichen Wohlstand abgekoppelt“, so Engelmeier weiter.

Die Umsetzung der Forderung käme einer „systematischen Rentenkürzung“ gleich. „Das ist keine Reform, das ist ein sozialpolitischer Rückschritt“, sagte sie weiter.
Rente: Ökonomin Grimm für radikale Reformen
Engelmeier reagierte damit auf einen Vorstoß der Ökonomin Veronika Grimm. Die Wirtschaftsweise hatte erklärt, dass die Bestandsrenten künftig nur noch mit dem Preisniveau steigen sollten, nicht aber mit den Löhnen. „Das sind unbequeme Maßnahmen, aber letztlich stellen die eben sicher, dass wir da tragfähig aufgestellt sind“, sagte Grimm. Außerdem forderte die Wirtschaftswissenschaftlerin, das Renteneintrittsalter an die längere Lebenserwartung anzupassen.

Der SoVD lehnt auch diesen Punkt ab. „Wer das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln möchte, verkennt, dass viele Beschäftigte in körperlich oder psychisch belastenden Berufen schon heute kaum gesund bis zur Rente durchhalten“, sagte Michaela Engelmeier. Auch die Forderung Grimms, die Rente mit 63 abzuschaffen, lasse wenig Sensibilität für unterschiedliche Erwerbsbiografien erkennen, so die SoVD-Vorstandschefin.
Rente: Sozialverband plädiert für Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung
Die neue Bundesregierung hat nach Auffassung vieler Beobachter darauf verzichtet, sich Vorgaben für eine große Rentenreform in den Koalitionsvertrag zu schreiben. Weil man aber vereinbart hat, das Rentenniveau zunächst stabil zu halten will, wird man um eine Erhöhung der Beitragssätze nicht herum kommen.
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Auch Engelmeier forderte eine stabile Finanzlage für die Rentenversicherung. „Wir brauchen eine Stärkung der gesetzlichen Rente, denn sie hat am meisten Potenzial, um zukunftsfest für Gerechtigkeit, Solidarität und Stabilität in der Alterssicherung zu sorgen“, sagte sie. Sie plädierte auch dafür, dass auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete einzahlen. „Wer mehr Gerechtigkeit im Rentensystem will, muss alle Erwerbstätigen einbeziehen“, so Engelmeier. Mit dem Vorschlag, auch Beamte in die Rentenkassen einzahlen zu lassen, hatte zuvor die neue Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) eine Debatte ausgelöst.




