Deutschland arbeitet zu wenig und feiert zu viel. So ähnlich könnte man die Forderung eines Wirtschaftsverbands aus Bayern wohl übersetzen, der nun ins Spiel bringt, doch einen der christlichen Feiertage abzuschaffen: Ostermontag oder den 2. Weihnachtsfeiertag zum Beispiel. Den Deutschen da mal einen Tag wegzunehmen – das wäre jedoch ein denkbar schlechter Start für eine neue Bundesregierung, die bei den Bürgerinnen und Bürger ja erst noch um Vertrauen werben muss.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Forderung an sich ist nicht neu: Mehr arbeiten, um sich die Aufrüstung leisten zu können, mehr arbeiten, um den Schuldenberg nicht noch schneller aufwachsen zu lassen oder einfach so mehr arbeiten, weil die Deutschen ja generell zu wenig Zeit in ihren Betrieben verbringen würden. Das jedoch hat vor allem strukturelle Gründe, die man zum Beispiel daran erkennt, dass zwei Drittel aller Mütter in Teilzeit tätig sind – viele davon unfreiwillig, weil Kinderbetreuungsplätze fehlen.

Feiertag abschaffen: Ein steigendes Arbeitsvolumen hilft gerade nicht

Das zu ändern, sollte auch Aufgabe einer Bundesregierung sein. Um der Wirtschaft wirklich zu helfen, bräuchte es darüber hinaus weitere Impulse, einen Bürokratieabbau zum Beispiel, geringere Unternehmenssteuern oder Entlastungen bei den Sozialabgaben. Flapsig ausgedrückt: Will man sich vor echten Reformen drücken und es sich einfach machen, streicht man einen Feiertag!

Dominik Bath Kommentarfoto
Dominik Bath ist Redakteur für Politik und Wirtschaft in der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Tatsächlich aber bleiben Zweifel, wie hoch der Effekt in der derzeitigen Lage wäre. Denn die deutsche Wirtschaft steckt noch immer in der Krise. Ein steigendes Arbeitsvolumen würde daher auch nicht automatisch zu mehr Wertschöpfung führen. Zumal ja auch in einigen Bereichen – wie etwa im Öffentlichen Dienst – nicht produziert wird.

Feiertag abschaffen: Ein genauer Blick nach Bayern lohnt tatsächlich

Bundesweit sind die Feiertage zudem unterschiedlich verteilt. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es mit 13 beziehungsweise zwölf Feiertagen die meisten. Zwei Länder, die übrigens trotz der hohen Anzahl an Feiertagen ganz oben sind im Wirtschaftskraft-Ranking unter den deutschen Bundesländern.