Als Christian Klein im Herbst 2019 an die Spitze von SAP rückte, kriselte der Software-Konzern. Unzufriedene Kunden, unklare Perspektive, aufstrebende Konkurrenz. Klein, nach kurzer Zeit als Doppelspitze mit Jennifer Morgan, seit April 2020 alleiniger Chef des wertvollsten deutschen Konzerns, baute die Software-Schmiede um, trimmte sie auf stärkere Fokussierung des Cloud-Geschäfts und war damit erfolgreich. Seit ihrem Tiefpunkt im Herbst 2022 hat sich die SAP-Aktie mehr als verdreifacht.

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Der Erfolg zahlte sich für Klein auch finanziell aus. Auf knapp 19 Millionen Euro beziffert eine Analyse des Handelsblatt Research Institut (HRI) die Vergütung des SAP-CEOs im vergangenen Jahr. Klein ist damit Topverdiener in der obersten Börsenliga. Zum Vergleich: Laut der Vorstandsvergütungsstudie 2021 der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wurden Kleins Dienste im Jahr 2020 noch mit 8,4 Millionen Euro honoriert. Seine Bezüge haben sich binnen fünf Jahren also mehr als verdoppelt.

Spitzengehälter: Bericht legt große Diskrepanz offen

Damit bildet auch Klein eine Ausnahme. Trotzdem konnten sich viele Vorstandsvorsitzende in den vergangenen Jahren über üppige Steigerungen ihrer Vergütungen freuen, wie die Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des Tags der Arbeit in einer neuen Untersuchung festgestellt hat. Demnach sind die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden zwischen 2019 und 2024 in Deutschland rund 30 Mal so stark gestiegen wie die Löhne von Beschäftigen.

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Verglichen wurden dabei die 56 umsatzstärksten Unternehmen. 4,4 Millionen Euro verdienten die CEOs im Mittel (Median) – ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Im selben Zeitraum seien die Reallöhne der Beschäftigten dagegen nur um 0,7 Prozent gestiegen, heißt es von Oxfam. Als „völlig losgekoppelt von der Lohnentwicklung normaler Beschäftigter“, bezeichnete daher Oxfam-Referentin Leonie Petersen die Steigerung der Spitzengehälter.

Sozialverband mit scharfer Kritik

Im internationalen Vergleich geht die Schere noch viel weiter auseinander. Demnach sind die Spitzengehälter der Vorstandsvorsitzenden zwischen 2019 und 2024 um 50 Prozent gestiegen, die Durchschnittslöhne dagegen nur um 0,9 Prozent, wie Oxfam mit Verweis auf Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mitteilt.

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Auf deutliche Kritik stößt die Entwicklung beim Sozialverband Deutschland (SoVD). „Ich bin über diese Zahlen entsetzt“, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier dieser Redaktion. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen hätten bei Millionen finanzielle Spuren hinterlassen. „Dass viele sich abgehängt fühlen, wenn sie von solchen Entwicklungen hören, ist nur verständlich. Welche Folgen, sich abgehängt zu fühlen haben kann, erleben wir bei jeder Wahl aufs Neue“, sagte Engelmeier.

„Die Menschen sehen Millionengehälter und zweistellige Gehaltssteigerungen auf der einen Seite und auf der anderen eine zu geringe Rentenerhöhung, eine unwürdige Debatte um die nötige Anhebung des Mindestlohns, ungebremst steigende Sozialabgaben und einen aktuellen Armutsbericht, der klar belegt: Arme werden ärmer, Reiche immer reicher“, kritisierte Engelmeier. Sie appellierte an die künftige Bundesregierung, gegenzusteuern. Ansonsten werde die Spaltung der Gesellschaft „dramatische Formen“ annehmen, so Engelmeier.