Extreme Wetterereignisse wie Spätfröste, Starkregen und lange Hitzeperioden setzen dem Weinbau in Deutschland massiv zu. 2024 lag die Weinmostproduktion mit 7,75 Millionen Hektolitern zehn Prozent unter dem Vorjahreswert und sogar zwölf Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2023, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Winzerinnen und Winzer müssen also umdenken.
Klimakrise trifft nicht alle Regionen gleichermaßen
Während die Anbauriesen Rheinhessen und Pfalz weitgehend stabile Erntemengen verzeichnen konnten, sah es in anderen Regionen düster aus: In Baden sank die Weinproduktion um 25 Prozent, in Württemberg um 18 Prozent, in Franken um 26 Prozent.
Kleinere Anbaugebiete litten besonders: Sachsen musste einen Einbruch von fast 69 Prozent hinnehmen, Saale-Unstrut von 64 Prozent und die Ahr von 55 Prozent. Diese Regionen haben jeweils weniger als 1000 Hektar Rebfläche, die für den Weinanbau genutzt wird.
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Veränderte Vegetationszyklen, neue Herausforderungen
Der Klimawandel zeigt sich schon länger nicht nur in extremen Wetterereignissen, sondern auch in grundlegenden Verschiebungen der Vegetationsperiode. Höhere Temperaturen führen dazu, dass die Reben früher austreiben und blühen. In den 60er- und 70er-Jahren reiften viele Trauben erst Mitte bis Ende Oktober, während die Lesereife heute oft schon Mitte bis Ende September erreicht ist. Durch die frühere Rebblüte wächst jedoch auch die Gefahr von Schäden durch Spätfröste.
Im Sommer hingegen belasten anhaltende Hitze und Trockenheit die Pflanzen. Zwar helfen die tiefreichenden Wurzeln der Reben kurzfristig, doch bei länger andauernder Trockenheit bleibt nur Bewässerung als Lösung, was für die Winzerinnen und Winzer mit erheblichen Kosten verbunden ist. Außerdem muss es Zugang zu Wasser geben, doch eine Entnahme von Grundwasser führt langfristig wiederum zu Versalzung der Standorte und Böden, insbesondere während des Sommers.
Anpassung und Innovationen – aber zu welchem Preis?
Um sich gegen die neuen Klimabedingungen zu wappnen, setzen viele Winzer auf technische Lösungen. Frostschutzberegnung, Heizkerzen und Windmaschinen gegen Spätfrost sind mittlerweile gängige Maßnahmen.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Gegen Schädlinge helfen neue, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte PiWis, die weniger anfällig und empfindlich sind als herkömmliche Sorten. Dazu zählen zum Beispiel die neuen Sorten „Donauriesling“ und „Pinot Nova“. Doch die Züchtung einer neuen Rebsorte ist sehr langwierig und dauert von der eigentlichen Kreuzung bis zur Zulassung etwa 20 Jahre, wie das Deutsche Weininstitut berichtet.
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Werden diese Schadpilze dank robuster Sorten ausgebremst, kann der Spritzmitteleinsatz deutlich verringert werden – laut Deutschem Weininstitut um bis zu 80 Prozent. Auch „die Neuen“ besitzen zwar keine vollständigen Resistenzen, sie sorgen aber dafür, dass sich der Befall in engen Grenzen hält und weder den Ertrag noch die Traubenqualität gefährdet.
Dabei bedienen sich die Reben eines cleveren Mechanismus: Wo es Mehltausporen gelungen ist, auf den Blättern auszukeimen, lassen die Pflanzen die befallenen Zellen gezielt absterben. Dabei gehen auch die auskeimenden Pilzsporen zugrunde.
Gegen Grauschimmel sind die Weinneulinge aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ebenfalls gut gewappnet: Die meisten Piwis bilden locker aufgebaute Trauben mit kleineren Einzelfrüchten, die nach Niederschlägen rasch abtrocknen. Das erschwert es den feuchtigkeitsliebenden Pilzsporen, sich anzusiedeln. Zudem besitzen viele Piwis eine besonders feste Beerenhaut – eine wirkungsvolle mechanische Barriere.
Sekt aus Großbritannien
Auch Sortenwahl und Anbaugebiete wandeln sich. Während Riesling langsam in nördlichere Lagen verdrängt wird, gewinnen wärmeliebende Rotweinsorten wie Merlot oder Pinot an Bedeutung. In England gedeiht mittlerweile sogar hochwertiger Sekt, was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar war. Die Regale in Deutschland werden also in Zukunft ganz neue Weine zu bieten haben.





