Kein Bus, keine Straßenbahn oder Eisenbahn in der Nähe: Jeder vierte Bürger (26 Prozent) hat an seinem Wohnort in Deutschland einen sehr schlechten Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Am stärksten sind Einwohner und Einwohnerinnen in dünnbesiedelten ländlichen Gebieten betroffen: Hier haben sogar nur 11 Prozent gute Verbindungen mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln (ÖPNV), für 89 Prozent sind sie schlecht oder nicht vorhanden.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Am besten sind Menschen in den Stadtstaaten und in größeren Städten angeschlossen – wie in Berlin, Hamburg, Hannover, München, Stuttgart, Frankfurt, Mainz, Köln, Düsseldorf, Essen, Dresden oder Leipzig. Hier verfügt die große Mehrheit von mehr als 95 Prozent über gute ÖPNV-Verbindungen.

Dies sind die Kernergebnisse einer Studie von Greenpeace zum öffentlichen Nahverkehr in Deutschland. Die Datenanalysten Plan4Better haben dafür Fahrpläne von rund 11.000 Gemeinden, Landkreisen und Bundesländern ausgewertet und nach sechs Güteklassen eingestuft.

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Es gibt deutschlandweit ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Sehr gut sind Menschen in kreisfreien Großstädten angeschlossen. Hier haben 78 Prozent einen guten bis sehr guten ÖPNV. Allerdings klaffen auch hier Unterschiede: Während in Nordrhein-Westfalen der ÖPNV nur bei rund 18 Prozent der Bevölkerung sehr schlecht ist, liegt der Anteil der Abgehängten in Niedersachsen mit 42 Prozent gut doppelt so hoch, heißt es in der Studie.

Bus und Bahn: Greenpeace kritisiert schlechte Verbindungen

„Es ist ein verkehrspolitisches Alarmsignal, dass im Jahr 2025 noch immer bei einem Viertel der Menschen kaum ein Bus, geschweige denn eine Bahn fährt“, sagt Lena Donat, Greenpeace-Mobilitätsexpertin. „Guter Nahverkehr garantiert, dass alle zum Einkaufen, Arzt oder Schwimmbad fahren können, und sorgt für bezahlbaren Klimaschutz.“

Die Ursachen für die Differenzen liegen auch in der finanziellen Ausstattung durch die Politik. „Deutschland braucht einen einheitlichen Mindeststandard für akzeptablen ÖPNV”, fordert Donat. „Nur mit verlässlichen Verbindungen – alle 10 Minuten in der Stadt, alle 30 Minuten auf dem Land, von früh bis spät – werden Menschen nicht länger von einem eigenen Auto abhängig sein.“

Ein schlechter ÖPNV zwinge Menschen dazu, Auto zu fahren. Wer sich ein solches wiederum nicht leisten könne, sei auf andere angewiesen oder komme schlicht nicht weg vom Fleck.

Zumindest in Großstädten kann sich vielerorts die Situation sehen lassen: In Essen sind laut Studie nur 1 Prozent der Bürger vom Nahverkehr abgehängt, die große Mehrheit verfügt dagegen über gute bis sehr gute öffentliche Verbindungen. In Berlin haben sogar nur 0,5 Prozent der Bewohner schlechte Verbindungsmöglichkeiten. In Hamburg sind lediglich 1,5 Prozent von sehr guten Verkehren abgehängt, so die Untersuchung.

Nahverkehr am Morgen
Deutlich bessere ÖPNV-Verbindungen gibt es in Städten: In Leipzig fahren die Straßenbahnen auch am späten Abend.© picture alliance/dpa | Jan Woitas

Nahverkehr: Wer besonders schlechten Service bietet

Einen recht guten Nahverkehr gibt es in Braunschweig. Dort sei die große Mehrheit gut versorgt und nur 2,6 Prozent der Bürger abgehängt. In Erfurt sind lediglich 3,3 Prozent der Bevölkerung schlechter versorgt. Für Mannheim liegt aufgrund der unvollständigen Datenlage kein Ergebnis vor.

Besonders schlecht schneidet der ÖPNV in Niedersachsen nahe der Nordseeküste ab. So verfügen im Kreis Leer 87 Prozent der Bewohner praktisch über keinen ÖPNV. Ähnlich schlecht sieht es im Kreis Cuxhaven aus, wo 74 Prozent der Bevölkerung abgehängt sind. Aber auch in Nordfriesland, in Mecklenburg-Vorpommern oder im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg und Heidekreis lassen die Verbindungen zu wünschen übrig.

Dasselbe gilt für manche Regionen in Bayern, wie in den Kreisen Landshut oder Passau. Nur München und Augsburg sind in Bayern mit ÖPNV bestens versorgt.

Unter den Bundesländern sind neben den Stadtstaaten die Flächenländer Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg am besten mit Bus und Bahnen ausgestattet. Am schlechtesten schneiden Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern ab.

Ranking: Das sind die Bundesländer mit dem besten Nahverkehr

PlatzBundeslandAnteil - schlechter ÖPNV
1Berlin0,5 Prozent
2Hamburg1,8 Prozent
3Bremen3,8 Prozent
4Nordrhein-Westfalen18,3 Prozent
5Hessen19,4 Prozent
6Baden-Württemberg21,0 Prozent
7Rheinland-Pfalz23,8 Prozent
8Sachsen25,0 Prozent
9Saarland30,0 Prozent
10Schleswig-Holstein33,0 Prozent
11Thüringen35,7 Prozent
12Brandenburg36,5 Prozent
13Sachsen-Anhalt37,6 Prozent
14Mecklenburg-Vorpommern38,4 Prozent
15Bayern38,5 Prozent
16Niedersachsen42,2 Prozent
Quelle: Greenpeace