Nur zwei Tage nach dem Tarifabschluss für das deutsche Brief- und Paketgeschäft hat die Post angekündigt, hier 8000 Stellen streichen zu wollen. Das löste heftige Reaktionen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, das Lohnplus von insgesamt fünf Prozent in zwei Jahren sei der Kostentreiber, auf den der Dax-Konzern reagieren müsse. Stattdessen gibt sie dem Bund die Schuld am Verlust Tausender Arbeitsplätze: Die Netzagentur hätte der Post eine stärkere Portoerhöhung erlauben sollen.

Donnerstag
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Die 8000 Stellen will die Post bereits bis zur Jahreswende in Deutschland streichen. Der Abbau macht rund vier Prozent der aktuell 187.000 Beschäftigten aus. Der Plan ist der Kern des „Fit for Growth“ genannten Sparprogramms, das der Konzern nun aufgelegt hat. Es soll die Kosten jährlich um eine Milliarde Euro drücken. Der Abbau solle sozialverträglich erfolgen, erklärte der Mutterkonzern DHL am Donnerstag.
Deutsche Post nennt Stellenabbau-Programm „Fit for Growth“
Nikola Hagleitner, die Personalchefin der Sparte Post & Paket Deutschland, hatte diesen Schritt unmittelbar nach dem Tarifabschluss mit Verdi angekündigt, allerdings etwas verklausuliert: „Mit Blick auf das Umfeld und diesen Tarifabschluss werden wir daher unsere Kostensenkungsmaßnahmen konsequent erweitern und beschleunigen müssen“, erklärte sie am Dienstag.
Der Abschluss sieht im Einzelnen vor:
- Die Entgelte der Tarifbeschäftigten werden zum 1. April 2025 um 2,0 Prozent erhöht, ebenso erhöht werden die Vergütungen für Auszubildende und dual Studierende zum selben Zeitpunkt.
- Zum 1. April 2026 erfolgt eine weitere Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 3,0 Prozent.
- Ab dem 1. Januar 2026 erhalten alle Beschäftigten einen zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr. Beschäftigte, die mindestens 16 Jahre im Unternehmen sind, erhalten einen weiteren zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr.
Die jährlichen Mehrkosten bezifferte Thomas Ogilvie, Arbeitsdirektor des DHL-Konzerns, auf „strukturell 360 Millionen Euro“. Das Sanierungsprogramm soll nun die dreifache Summe sparen. Deshalb kritisiert Verdi die Ankündigung scharf.
Verdi: Durch Politik geförderter unfairer Wettbewerb führt zu Stellenverlust
Die stellvertretende Chefin der Gewerkschaft, Andrea Kocsis, betont: „Die Aussage des Postvorstandes, der Tarifabschluss sei ein Treiber für den Stellenabbau, weisen wir entschieden zurück.“ Der Tarifabschluss stelle sicher, dass die Einkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt hielten. Die zusätzlichen Urlaubstage seien wichtig, um den überproportional hohen Krankenstand zu senken.
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Verdi macht stattdessen „eine verfehlte Regulierungspolitik“ des Briefgeschäfts für den Stellenabbau verantwortlich, konkret: Die Bundesnetzagentur habe der Post eine zu geringe Portoerhöhung genehmigt, was sich nun negativ „auf die Arbeitsbedingungen“ der Zusteller und des Personals in den Verteilzentren auswirke. „Der beabsichtigte Stellenabbau ist Ergebnis eines durch die Politik geförderten unfairen Wettbewerbs in einem immer schneller schrumpfenden Briefmarkt“, erklärte Kocsis. Das führe „nur dazu, dass sozialversicherungspflichtige und tarifvertraglich geregelte Arbeitsplätze verloren gehen und prekäre Arbeitsbedingungen gefördert werden“.
Die Verdi-Vizechefin fordert von der Politik eine konsequente Umsetzung des Postgesetzes, wozu auch gehöre, „dass dem Preisunterbietungswettbewerb durch steuerliche Vorteilsgewährung für die Wettbewerber der Deutschen Post AG, die allesamt keinen Universaldienst erbringen, ein Riegel vorgeschoben wird“.
Deutsche Post durfte Porto „nur“ um 10,5 Prozent erhöhen
Die Netzagentur hatte der Post zum Jahreswechsel eine Anhebung des Briefportos um 10,5 Prozent genehmigt. Bei Paketen durfte die Post im Durchschnitt 7,2 Prozent draufschlagen. Dem Bonner Konzern war das deutlich zu wenig, er hatte eine stärkere Anhebung gefordert.
Im Rahmen der im September 2024 vorgestellten Unternehmensstrategie 2030 „Nachhaltiges Wachstum beschleunigen“ hat die DHL Group ihre bestehenden Zieldimensionen „Arbeitgeber erster Wahl“, „Anbieter erster Wahl“ und „Investment erster Wahl“ mit „Grüne Logistik erster Wahl“ um eine vierte Dimension ergänzt. D
Vorstand und Aufsichtsrat planen den Aktionären auf der Hauptversammlung am 2. Mai 2025 eine stabile Dividende von 1,85 Euro je Aktie (2023: 1,85 Euro je Aktie) vorzuschlagen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Anteilseigner würde der Konzern damit eine Gesamtsumme von 2,1 Milliarden Euro ausschütten.




