Größer, immer größer. Die österreichische XXXLutz-Gruppe neigt nicht zur Bescheidenheit. Nicht im Namen. Nicht bei ihrem Markenzeichen: einem 30 Meter hoher roter Stuhl, der es ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte und vor vielen ihrer Möbelhäuser steht. Dabei fing alles beschaulich an, mit einer einfachen Möbelwerkstatt in Oberösterreich, mit bemalten Bauernmöbeln und Kunden wie dem Weissen Rössl, dem berühmten Hotel am Wolfgangsee.

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Wirtschaft in Berlin

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Inzwischen ist es anders. „Seit 1973 betreibt das Unternehmen eine ununterbrochene Expansionspolitik“, schreibt der Möbelgigant auf seiner Homepage selbst. Er kauft und kauft, als könne es gar nicht groß genug werden, nun auch noch die deutsche Porta Gruppe, wenn das Kartellamt ihn lässt. Der Möbelmarkt ist hart umkämpft. Aber Sofas, Stühle, Küchen – wer verkauft und kauft da eigentlich? Ein kurzer Rundgang durch die Ladenwelt.

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    Station 1 – Die Kunden in den Gängen

    Das Sofa, der Tisch, der Stuhl – die Kunden lassen sie derzeit eher in den Ausstellungsräumen und Regalen stehen. Der Umsatz der deutschen Möbelhersteller fiel von Januar bis Oktober 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent. Vor allem sparten sich die Deutschen in dieser Zeit neue Wohn-, Ess- und Schlafzimmereinrichtungen. Bei ihnen macht der Verband der deutschen Möbelindustrie, VDM, sogar ein Umsatzminus von zwölf Prozent aus, bei Polstermöbeln von 8,5 Prozent. Bei Küchen sind es etwas weniger: minus sieben Prozent.

    Während der Corona-Pandemie hatten es sich noch alle zuhause heimelig gemacht – My Home is my Castle. 2022 gaben jeder und jede Deutsche im Schnitt 567 Euro für die Wohnraumausstattung aus, davon 449 Euro nur für Möbel. Das hat das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI berechnet. Warum sich die Deutschen, die als Europameister im Möbelkauf gelten, derzeit mit dem Konsum zurückhalten?

    Die gestiegenen Preise, die größere Unsicherheit bei vielen – da schauen sich weniger nach Neuem um. Aber das ist es nicht allein, die Baukrise kommt hinzu. VDM-Sprecherin Christine Scharrenbroch: „In Deutschland werden immer weniger neue Wohnungen gebaut. Damit fällt auch Bedarf an neuer Einrichtung weg.“ Folgeumzüge würden auch seltener, nach denen zumindest mal der kleine Teppich, mal der praktische Hocker gesucht werden.

    Für manche sind diese Faktoren zu viel. Der Online-Möbel-Händler Wayfair gab unlängst bekannt, sich nach 15 Jahren aus Deutschland und Österreich zurückzuziehen.

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    Station 2 – Die Lieferanten im Hinterhof

    Die deutschen Hersteller – das Zentrum der Industrie liegt in Ostwestfalen-Lippe – beliefern die Möbelhäuser und sonstigen Händler nicht allein, rund 50 Prozent der Waren werden aus dem Ausland heran gekarrt. Das ist schon lange so. Aber die Zeiten sind schwieriger geworden. Viele der rund 400 mittelständischen Möbelproduzenten, also jener mit mehr als 50 Beschäftigten, hätten ihre Belegschaften in Kurzarbeit geschickt, sagt Scharrenbroch.

    Für Hülsta kam gar das Aus. Die bekannte Marke aus dem Münsterland gab es seit 1940. Anfang Juni vergangenen Jahres musste die traditionsreiche Firma dann ihren Betrieb einstellen, sie ist pleite. Und die für diesen Januar geplante Möbelmesse imm cologne ist schon im Oktober 2024 abgesagt worden. Der Branche war nicht nach großem Treffen zumute, nach Feiern schon gar nicht.

    Der Druck ist enorm. Und er wächst, wenn die Zahl der Händler sinkt, einzelne Möbelketten andere übernehmen und immer größer werden. Scharrenbroch erklärt: „Die Hersteller sehen sich seit Jahren einer wachsenden Marktmacht des Handels gegenüber und sind zu immer größeren Zugeständnissen gezwungen.“ Sie könnten kaum noch sagen, sie belieferten halt die Konkurrenz, wenn der eine Händler zu wenig Geld für ihre Produkte biete. Wird es für Verbraucher denn auch billiger? „Davon gehen wir nicht aus“, sagt Scharrenbroch. Heißt: Die größer werdenden Möbelketten können die Waren in großen Mengen günstiger als zuvor einkaufen, senken aber nicht die Preise. Ihre Gewinnspanne steigt, außer sie locken die Kunden mit großen Rabatten. Anders gesagt: zerren an ihm.

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    Station 3 – Die Möbelhändler an der Kasse

    Eigentlich will man nur schnell ein paar Teelichter oder Servietten kaufen, doch dann hievt man doch noch das Wandregal auf das Band an der Kasse. An Platz 1 der Kassierer: Ikea, wie das EHI 2023 ermittelt hat. Der schwedische Möbelkonzern setzte in dem Jahr demnach hierzulande rund 6,4 Milliarden Euro um. Danach folgte XXXLutz mit knapp vier Milliarden Euro Umsatz. Platz 3 der großen Einrichtungsunternehmen nimmt Otto ein, 2,1 Milliarden Euro. Der traditionelle Hamburger Versandhändler ist führend beim Möbelverkauf im Netz. Selbst Holzbetten werden heutzutage mit nur ein paar Klicks auch im Netz bestellt. Es folgen die Höffner-Unternehmensgruppe mit 1,7 Milliarden Euro und Jysk, vormals Dänisches Bettenlager, mit 1,2 Milliarden Euro.

    People shopping at the IKEA store
    6,4 Milliarden Euro hat IKEA 2023 laut Handelsforschungsinstitut EHI in Deutschland umgesetzt. © iStock | Sundry Photography

    XXXLutz will Nummer 1 in Deutschland werden. Das hat die österreichische Kette schon vor langer Zeit angekündigt. Längst hat sie sich auch den Möbeldiscounter Poco geschnappt, ebenso den Onlinehändler Home24. Kauf für Kauf verringert sie den Abstand zum Rivalen aus Schweden. Jetzt also Porta, das 2023 nach eigenen Angaben 1,1 Milliarden Euro umsetzte.

    Auch wenn bis zur Entscheidung des Kartellamtes noch offen ist, ob und wie genau XXXLutz wirklich Porta übernimmt, rät Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW, allen Verbraucherinnen und Verbrauchern, „die noch Porta-Gutscheine haben, jetzt nicht zu lange zu zögern, sondern diese einzulösen“.