Die Biobauern in Deutschland schlagen Alarm. Nach Angaben ihrer größten Interessenvertretung werden sie die steigende Nachfrage nach bio-zertifizierten Milch- und Fleischprodukten in Zukunft kaum noch erfüllen. „Wir werden für 2025 mit einer zunehmenden Verknappung von Bio-Rohstoffen leben müssen“, sagte der Präsident des größten deutschen Bio-Landwirtschaftsverbands Bioland, Jan Plagge, der „Augsburger Allgemeinen“ am Montag.

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Wirtschaft in Berlin

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Vor allem bei Molkereiprodukten und Fleisch gehe Plagge davon aus, dass die Nachfrage deutlich über dem möglichen Angebot liegen werde. Der Verbandschef begründete diese Diskrepanz bei Bio-Erzeugnissen damit, dass in den vergangenen Jahren zu wenige Betriebe auf ökologische Erzeugung umgestiegen seien, um das stark wachsende Kaufinteresse zu bedienen.

Bioland-Chef erklärt: Was es für den Wandel in Deutschland braucht

Der Grund dafür liege in einer verfehlten Politik. „Unsicherheit ist Gift für langfristige Investitionsentscheidungen“, sagte der Bioland-Chef der Zeitung. Den Landwirten fehlten klare Signale und eine eindeutige Strategie für den Umbau der Landwirtschaft. 

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Dass sich dieses Dilemma in Zukunft auflöse, glaubt Plagge nicht. Denn: „In keinem der Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl findet sich eine Gesamtstrategie für die sozial-ökologische Transformation der Lebensmittelwirtschaft“, sagte der Verbandschef weiter und fügte an: „Das trifft die gesamte Landwirtschaft, nicht nur die Biobetriebe.“

Vor Grüner Woche: Auch Bauernpräsident Rukwied unzufrieden

Damit trifft der Bioland-Präsident kurz vor dem Start der Grünen Woche in Berlin einen Nerv bei seinen Kollegen. Noch vor einem Jahr rollten aufgebrachte Bauern mit Traktoren durch die gesamte Republik. Und auch diesmal bringen sich die Landwirte zur Agrarmesse wieder politisch in Stellung. Denn es läuft der Bundestagswahlkampf. „Wir brauchen einen echten Neustart in der Landwirtschaftspolitik“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Zum großen Jahresauftakt der Ernährungswirtschaft ab Freitag sieht die Branche eine anhaltend schwierige Geschäftslage – und appelliert auch an die Supermarktkunden.

Bauernpräsident Rukwied bei einer Pressekonferenz.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutscher Bauernverband, wünscht sich mehr Rückendeckung von der Politik.© DPA Images | Michael Kappeler

„Der Motor stottert weiter, das ist leider so“, sagte Rukwied. „Bei Getreide ist das Stottern sogar stärker geworden, denn die Perspektiven auf den Märkten sind eher düster.“ Bei der Schweinehaltung, die zuletzt als einziger Bereich ein ordentliches Ergebnis erzielt habe, zeigten sich rückläufige Preise. „Daher müssen wir dort auch mit rückläufigen Ergebnissen rechnen.“ Arbeitsintensive Kulturen wie Spargel, Erdbeeren oder Wein belaste zusätzlich die Erhöhung des Mindestlohns. „Der einzige Lichtblick ist im Moment der Milchsektor.“ 

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Nach zuvor guten Gewinnen hatte sich die Stimmung unter Landwirten schon eingetrübt. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2023/24 sackten die Ergebnisse der Betriebe im Schnitt auf 77.500 Euro ab. Dies lag um 29 Prozent unter dem Rekordniveau des Wirtschaftsjahres zuvor. Vom Gewinn sind unter anderem auch noch Investitionen zu finanzieren. Vielen Höfen machen weiter hohe Kosten für Energie, Pflanzenschutz und Dünger zu schaffen. 

Zur Lage auf den Feldern sagte Rukwied, Weizen, Gerste oder Raps stünden „im Moment ordentlich da“. Niederschläge im Herbst und auch jetzt im Winter hätten die Wasservorräte im Boden aufgefüllt. „Insofern haben wir ordentliche Startbedingungen. Aber bis zur Ernte im Juli kann noch vieles geschehen.“

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afp/dpa/jcst