Bis zu 30 Milliarden Euro wollte der US-Chiphersteller Intel in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) in ein neues Werk investieren – und als größter Befürworter galt der bisherige Chef von Intel, Pat Gelsinger. Doch am Montag verkündete Gelsinger seinen Rücktritt vom Posten des Vorstandsvorsitzenden.

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Insider deuten den Rausschmiss von Gelsinger dabei Informationen dieser Redaktion zufolge auch als Zeichen für das endgültige Aus der Pläne für das Werk in Magdeburg. Der bisherige Intel-Chef sah in dem neuen Werk einen wichtigen Baustein in dem Strategieschwenk, den Intel vor einiger Zeit eingeschlagen hatte. Intel wollte nicht länger nur eigene Prozessoren entwickeln, sondern auch als großer weltweiter Auftragsfertiger fungieren. Die Fabrik in Magdeburg sollte dabei zentral sein.

Intel: Bund wollte Bau der Chipfabrik mit fast zehn Milliarden Euro fördern

Dass die Ansiedlung überhaupt noch kommt, war bereits im Spätsommer bezweifelt worden. Intel befindet sich in der wohl größten Krise der Firmengeschichte. Mitte September hatte Gelsinger daher verkündet, den Bau der Magdeburger Chipfabrik um voraussichtlich zwei Jahre verschieben zu wollen. Bund und Europäische Union wollten den Bau mit insgesamt fast zehn Milliarden Euro fördern.

Da war der Fahrplan von Intel noch klarer: Pat Gelsinger und Reiner Haseloff bei einem Treffen in Magdeburg im Dezember 2022.
Da war der Fahrplan von Intel noch klarer: Pat Gelsinger und Reiner Haseloff bei einem Treffen in Magdeburg im Dezember 2022.© dpa | Peter Gercke

Gelsinger selbst hatte das Projekt zuvor immer wieder auch persönlich vorangetrieben. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) waren in den vergangenen Monaten immer wieder persönlich durch Gelsinger über den Status der geplanten Investition in Kenntnis gesetzt worden. Bevor Intel im September die Planänderung für Magdeburg verkündete, rief er zunächst Scholz und dann Haseloff an. Erst danach verschickte man eine entsprechende Mitteiliung.

Intel: Enge Drähte zwischen Sachsen-Anhalt und Unternehmen

Besonders der Draht zwischen Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt und Intel-Unternehmenszentrale im kalifornischen Santa Clara galt stets als eng. In Magdeburg schuf man nach dem Bekanntgabe der Investition sogar einen Staatssekretärsposten, der sich gezielt um das Großprojekt kümmern sollte.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) äußerte sich auf Anfrage dieser Redaktion noch zurückhaltend zu möglichen Folgen des Gelsinger-Aus‘. „Welche Auswirkungen der Rückzug von Pat Gelsinger auf die Strategie von Intel für Europa und somit auch für Magdeburg hat lässt sich erst dann bewerten, wenn ein Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin für ihn benannt ist“, erklärte Schulze.

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Der im März 2022 von Intel verkündete Bau der Fabrik in Magdeburg wäre die größte jemals getätigte Einzelinvestition eines Unternehmens in Deutschland gewesen. Der Bundesregierung ging es bei dem Projekt auch darum, in Deutschland und Europa eine starke Halbleiterbranche zu etablieren – und so von Lieferketten aus anderen Kontinenten weniger abhängig zu sein. Auch die Intel-Wettbewerber Infineon und TSMC errichten in Deutschland Chipwerke. Halbleiter gelten als Lebenselixier jeder Technik. Sie stecken in Autos oder in Smartphones, ihre Bedeutung wird weiter zunehmen.

Intel-Grundstück anderweitig nutzen? Ministerpräsident Haseloff mit klarer Aussage

In Magdeburg war das Land Sachsen-Anhalt bereits in Vorleistung gegangen und hatte ein neues Landesunternehmen gegründet. Der Betrieb sollte das Areal entwickeln, Zulieferer für die Chipfabrik ansiedeln und Flächen von umliegenden Landwirten ankaufen. Das Finanzministerium in Magdeburg hatte dafür rund 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Allerdings hat sich das Land auch schon für den Fall aufgestellt, dass es sich Intel doch noch anders überlegt. „Alles, was wir bisher auf dem Gelände gemacht haben, wäre ohnehin auch für andere Branchen gut nutzbar“, hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff noch im August im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt und dabei auch auf den Mangel an guten Industrie- und Gewerbeflächen in Deutschland insgesamt verwiesen. Das Stück Land, das Intel bereits gehört, bezeichnete er aber in dem Zusammenhang als „ausgewiesenes Filetstück“.