Zum Schluss gibt es noch einmal die ganz große Show: Wasserfontänen der Flughafenfeuerwehren für Air-Berlin-Flieger in Hamburg, Düsseldorf, Berlin. Es ist die letzte Show zur Geschichte der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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An diesem Sonnabend , beschäftigt nur noch Insolvenzverwalter und vermutlich die Gerichte. Der Flugbetrieb ist eingestellt, mehrere tausend Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Das Ende eines Unternehmens, das der Lufthansa Konkurrenz machen wollte, jedoch nur Verluste einflog. Es hinterließ aber bei vielen wegen des Personals, der Zuverlässigkeit und der Schokoherzen nachhaltigen Eindruck.
Am letzten Tag des Flugbetriebs herrschte vor allem Wehmut, zumindest in den sozialen Netzwerken. Fotos von Schokoladenherzen waren zu sehen, ein Nutzer schrieb dazu: „#airberlin ...trag ich seit Jahren mit mir rum – als Glücksbringer, Notration und nur so. Traurig“. Natürlich fielen auch am letzten Tag Flüge aus, vor allem in Berlin. Auf den anderen Flügen zogen Piloten und Kabinenpersonal durch – mit Tränen in den Augen, wie mancher Fluggast berichtete.
Flugbegleiterin Carola Fietz, seit 1994 bei Air Berlin, sagte: „Wehmut trifft es ganz gut und die Frage: Das soll es jetzt mit Air Berlin gewesen sein? Die Jahre sind wie im Fluge an mir vorbeigerauscht, wie auf der Überholspur. Ich bin ehrlich: Ich hatte den besten Job der Welt.“ Und sie schwärmte vom Team: „Dass ich all die Jahre mit so vielen tollen, neugierigen, hochmotivierten und leidenschaftlichen Fliegerkollegen arbeiten durfte, ist besonders schön. Wir sind mehr als nur Kollegen, wir sind Freunde.“
25 Millionen Euro Verlust jeden Tag
2017 lief nichts mehr rund. Vor allem mit der Zuverlässigkeit haperte es. Kofferchaos in Berlin, fehlerhafter Personaleinsatz, Flugstreichungen, vor allem April und Mai waren ein Desaster für die Fluggesellschaft. Hinzu kam mit Thomas Winkelmann ein Chef, der sich sein Gehalt von 4,5 Millionen Euro auch für den Insolvenzfall absichern ließ.
Er setzte noch den letzen radikalen Umbau fort, hatte aber schon den Verkauf großer Teile an seinen alten Arbeitgeber Lufthansa im Kopf. Das Ende deutete sich da schon an. Dass es so schnell kommen würde, überraschte dann aber.
1978 hatte Kim Lundgren die Fluggesellschaft mit einer US-Lizenz gestartet. Der ehemalige Pilot der US-Fluggesellschaft PanAm flog von Berlin aus Mallorca an. Sitz des Unternehmens war Miami. 1991 stieg Joachim Hunold ein. Der ehemalige LTU-Manager startete den Mallorca-Shuttle und kaufte in den kommenden Jahren zu, wollte Lufthansa Konkurrenz machen und hatte doch keine wirklich klare Strategie.
Seit dem Börsengang 2006 gab es bis auf zwei Ausnahmen Verluste, 2016 sogar 782 Millionen Euro – bei rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Im Schnitt waren es 25 Millionen Euro pro Tag. Hunold führte das Unternehmen noch hemdsärmelig auf Zuruf. Die Nachfolger – ob exaltiert oder schweigsam zurückhaltend – scheiterten alle daran, das zusammengekaufte Sammelsurium vernünftig zu organisieren.
Air Berlin überlebte nur mithilfe von Etihad
In der Luft blieb Air Berlin nur dank Etihad, der staatlichen Fluggesellschaft aus dem Emirat Abu Dhabi, die mehrfach Geld nachschoss. Im Sommer hatten die Scheichs genug und stellten die Unterstützung ein. Air Berlin meldete am 15. August Insolvenz an.
Und jetzt? Lufthansa hat sich die beiden Töchter Niki und LGW nebst Maschinen, Start- und Landerechten sowie 1700 Mitarbeitern gesichert. Und kauft bei Leasinggesellschaften 40 Maschinen, die für Air Berlin flogen. Allerdings müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Zudem fehlen Piloten und Kabinenpersonal, 1300 Stellen sind ausgeschrieben. Die gebotenen Gehälter sind allerdings zum Teil deutlich niedriger als bei Air Berlin.
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Im bundesweiten Flugplan fallen nun 250 Flüge weg. , zumindest einen Teil auszugleichen. Zwischen Berlin und Frankfurt/Main fliegen im November zeitweise zum Beispiel Boeing 747, üblicherweise auf Langstrecken im Einsatz.
Besonders die Billigflieger werden versuchen, Lücken zu füllen
Ein Teil der Start- und Landerechte Air Berlins wird auf der Konferenz der Internationalen Luftfahrtorganisation Iata im November neu vergeben. Vor allem die Billigflieger werden versuchen, die Lücken zu füllen. Easyjet plant angeblich sogar innerdeutsche Flüge unter anderem aus Hamburg.
Die Insolvenzverwalter Air Berlins versuchen zudem, noch Maschinen an den britischen Billigflieger Easyjet und die Touristikfluggesellschaft Condor zu verkaufen. Die startete gerade ein Unternehmen für Mallorca-Flüge. Viele Fluggäste werden ihr Geld für Flugtickets nicht zurückbekommen, zumindest wenn sie diese vor dem 15. August gekauft haben. Und der Insolvenzverwalter wird versuchen, wo möglich, noch Geld zu beschaffen. So durchleuchtet er die Tätigkeit der ehemaligen Manager auf Fehlverhalten.
Auch Hunold wollte den letzten Air-Berlin-Flug nehmen. Er hatte eine kleine Rede vorbereitet: „Obwohl ich heute sehr traurig bin, bin ich dankbar für das, was wir aufgebaut haben.“ Auf den letzten Tickets stand: „TAKE CARE TSCHUESS AND BYE BYE“.





