„Ich werde vermutlich nicht mehr genau so viel Zeit für das Sonntagskreuzworträtsel im ‚Svenska Dagbladet‘ haben“, sagte Jesper Brodin schon bei seiner Ernennung im Mai. In der Tat. Ab diesem Freitag ist der 48-jährige Göteborger ganz offiziell Chef der Ikea-Group.

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Er ist seit der Gründung des Möbelhauses vor 74 Jahren erst der sechste „VD“, wie die Schweden ihre Firmenchefs nennen. Doch in den letzten zehn Jahren wurde dieser Posten schon vier Mal neu besetzt.

Ikea steckt in großer Umbruchphase

Vorgänger Peter Agnefjäll verlässt den Konzern nach fünf Jahren an der Spitze freiwillig, wie es heißt. Er freue sich darauf, „mehr Zeit für die Familie“ zu haben. „Es ist so eine intensive Rolle, ich habe 364 Tage im Jahr 15 bis 16 Stunden am Tag gearbeitet. Es fühlt sich gut an, dass Jesper nun übernimmt“, sagte er.

Ob es beim Wechsel auch Zerwürfnisse gab, ist unbekannt. Der Konzern steckt derzeit in seiner größten Umbauphase seit 30 Jahren, um den Anschluss ins Internetzeitalter nicht zu verpassen.

Schon vor einem Jahr wurde die Konzernchefstelle stark beschnitten. Einkauf, Logistik sowie Produktentwicklung und damit rund 39.000 von insgesamt 155.000 Mitarbeitern wanderten zur rechtlich separaten Inter-Ikea-Group ab.

Onlinehandel bringt Ikea nur 4 Prozent des Umsatzes

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Brodin wird ausschließlich für Endkunden, Kaufhäuser und den Internethandel verantwortlich sein. Die Söhne und Erben des noch immer rüstigen, aber inzwischen im Ruhestand befindlichen (91), Peter und Mathias, wollen, dass Brodin dem hinterherhinkenden Onlinehandel als zentralem Zukunftsgeschäft ordentlich Beine macht. Der liegt nur bei 4 Prozent des Umsatzes.

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Auch soll Brodin neben der Expansion klassischer Filialen zahlreiche neue Kaufhauskonzepte erproben. Ganz neue Ikea-Sparten, wie etwa im Bau- und Hotelgewerbe, sollen dagegen andernorts im Konzern erschlossen werden. 2012 setzten die Kamprad-Söhne das ambitionierte Ziel, den Umsatz so bis zum Ende des Jahrzehnts

Jesper Brodin ist ein Kind des Konzerns

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gilt als sehr geschlossenes Unternehmen, einen Börsengang wird es laut Gründerverfügung nie geben und hohe Positionen werden traditionell fast ausschließlich konzernintern vergeben. Die Firma soll weiter aus sich selbst heraus wachsen. Brodins Ernennung passt da gut hinein.

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Genauso wie sein Vorgänger war Brodin einige Jahre Assistent von Firmengründer Kamprad. 1994, damals Mitte zwanzig, kam der frischgebackene Ingenieur aus Göteborg in den Konzern. 1995 wurde er Einkaufschef für Pakistan und dann Südostasien. 2013 war er Chef der Sortimententwicklung.

Privat ist wenig über Brodin bekannt. Er liebe Musik und das Meer, heißt es bei Ikea. Für seinen neuen Job muss er vom südschwedischen Hauptsitz von Ikea in Älmhult in die Niederlande ziehen. Ob Ehefrau Lena und die drei Kinder sich darauf eingestellt haben? „Das ist die wichtigste Frage. Man kann in der Arbeit nur funktionieren, wenn es auch zu Hause funktioniert. Meine Frau und ich sind ein Team und sind schon oft umgezogen. Das ist für uns Routine“, sagt Brodin dem „Svenska Dagbladet“.

Vergleichsweise knapper Lohn

Laut den in Schweden öffentlichen Einkommensangaben der Steuerbehörde verdiente Brodin als Chef in Schweden im Jahr 2015 rund 6,9 Millionen Kronen (720.000 Euro). Im internationalen Vergleich ist das recht wenig für Spitzenmanager. Aber bei Ikea ist das so üblich.

Die Sparsamkeitskultur ist das auch von Gründer Kamprad vorgelebte A und O. Zwar wird Brodin mit dem neuen Job wohl weniger Zeit für sonntägliche Kreuzworträtsel haben, aber vermutlich darf er sich über eine Gehaltserhöhung freuen.