Die Todesfälle auf deutschen Baustellen bleiben weiter auf einem hohen Niveau. Bis einschließlich September sind 69 Bauarbeiter auf Baustellen tödlich verunglückt. Sechs weitere starben auf dem Weg zur oder von der Baustelle. Das geht aus einer Statistik der Berufsgenossenschaft Bau (BG BAU) hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

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Wirtschaft in Berlin

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Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle auf Baustellen damit deutlich gestiegen. Im Vorjahreszeitraum waren bis September 74 Bauarbeiter ums Leben gekommen, am Ende stand ein Rekordhoch mit 97 Toten. Hinzu kamen 19 tödliche Wegeunfälle. 2019, also im Jahr vor der Pandemie, hatte es 70 tödliche Unfälle während der Arbeit und 21 tödliche Wegeunfälle gegeben.

Corona-Pandemie: Mehr tödliche Unfälle auf Baustellen

Häufigste Todesursachen waren der Statistik zufolge auch in diesem Jahr Abstürze aus großer Höhe sowie Verletzungen durch herabfallende Teile.

IG-BAU-Bundesvorstand Carsten Burckhardt forderte mehr staatliche Kontrollen.
IG-BAU-Bundesvorstand Carsten Burckhardt forderte mehr staatliche Kontrollen.© Alexander Paul Englert/IG Bau | Alexander Paul Englert/IG Bau

Bestürzt über die Zahlen zeigte sich die Baugewerkschaft IG BAU. „In diesem Jahr ist rein statistisch alle vier Tage ein Bauarbeiter tödlich verunglückt. Auch die Zahl von insgesamt 77.115 meldepflichtigen Arbeitsunfällen von Januar bis September ist auf einem erschreckend hohen Niveau“, sagte Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der IG BAU und zuständig für den Arbeitsschutz, unserer Redaktion. Die derzeitige Entwicklung sei besorgniserregend. „Die Zahl der tödlichen Unfälle ist alarmierend. Sie droht das traurige Rekordhoch des Vorjahres zu erreichen.“

Gewerkschaft IG BAU fordert mehr Kontrollen

Vor allem in kleineren Betrieben würden die meisten Unfälle passieren. „Hier müssen wir dringend ein anderes Bewusstsein schaffen“, mahnte Burckhardt. Zugleich brauche es mehr staatliche Arbeitsschutzkontrollen. „Notwendig ist ein höherer Kontrolldruck für die Betriebe, die es mit der Arbeitssicherheit nicht wirklich ernst nehmen. Nur auf Eigenverantwortung zu setzen, ist zu wenig“, sagte der IG-BAU-Arbeitsschutzexperte.

Wie eine Recherche unserer Redaktion ergeben hatte, waren im ersten Pandemiejahr 2020 in vielen Bundesländern die Arbeitsschutzkontrollen zurückgegangen – die zuständigen Kontrolleure verbrachten dagegen mehr Zeit im Homeoffice. Das hatte seitens der IG BAU für scharfe Kritik gesorgt. Auf vielen Baustellen wurde der Corona-Schutz zudem offenbar vernachlässigt. Zugleich herrscht in der Bauwirtschaft Hochkonjunktur. Die Branche baut seit einigen Jahren Kapazitäten auf, die Aufträge steigen.