Nach dem Kauf großer Teile Air Berlins soll die Lufthansa auch etwas für Passagiere der insolventen Fluggesellschaft tun. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Deutschlands oberster Verbraucherschützer, Klaus Müller, fordern Kulanz gegenüber denen, deren Air-Berlin-Tickets jetzt voraussichtlich ohne Ersatz verfallen. Der Reisekonzern Thomas Cook sieht durch das Ende Air Berlins eine Marktlücke und Sie soll Deutsche nach Mallorca bringen – auf Air Berlins ehemaligen Paradestrecken.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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„Es sollte im eigenen Interesse der Lufthansa liegen, sich jetzt möglichst kulant gegenüber den Kunden zu zeigen, und Air-Berlin-Tickets auf den von ihr übernommenen Strecken zu akzeptieren“, sagte Maas unserer Redaktion. „Das wäre ein wichtiges Signal, um Kundenvertrauen nicht zu verlieren.“
Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, sagte: „Die Lufthansa sollte sich großzügig zeigen und Air-Berlin-Kunden die Gebühren für bereits gebuchte Tickets erstatten.“
Geld zurück gibt es nur für Tickets nach dem 15. August
Wer vor dem Termin ein Ticket für einen Flug gekauft hat, der jetzt gestrichen ist, muss sich an den Insolvenzverwalter wenden, wenn er Geld zurückhaben will. Passagiere stehen in der Reihe der Gläubiger aber ganz hinten.
Nur wer nach dem 15. August gebucht hat, wird sein Geld zurückerhalten. Es ist auf ein Sperrkonto geflossen. Air Berlin wird den Betrieb unter der eigenen Flugkennung AB Der Fernverkehr ist bereits beendet. Lufthansa hatte vergangene Woche 81 der 134 Maschinen Air Berlins nebst Start- und Landerechten gekauft,
Forderung nach Insolvenzabsicherung für Airlines
Aus Sicht der Verbraucherschützer sind die Unannehmlichkeiten der Passagiere nicht nötig. Versagt habe die Politik: Air Berlin sei nicht die erste Fluggesellschaft, die pleitegehe, sagt Verbraucherschützer Müller. „Deshalb fordern wir schon seit Jahren eine verpflichtende Insolvenzabsicherung für Fluggesellschaften.“ Bundesjustizminister Maas sieht das ähnlich.
„Wir sollten prüfen, eine europaweite Pflicht der Airlines zur Insolvenzabsicherung zum Schutz der Kunden einzuführen“, sagte er. Bei den Beratungen über die EU-Fluggastrechteverordnung „sollten wir darüber diskutieren, inwiefern eine Insolvenzabsicherungspflicht in die Richtlinie aufgenommen wird“. Eine vergleichbare Regel gibt es bereits bei Pauschalreisen.
Neue Mallorca-Airline startet im Frühjahr
Eines der Hauptziele Air Berlins will künftig der britische Reisekonzern Thomas Cook ansteuern, zu dem auch die deutsche Charterfluggesellschaft Condor gehört. Von Mallorca aus soll „Thomas Cook Airlines Balearics“ vom Frühjahr 2018 an starten. Das neue spanische Unternehmen wird in Deutschland zunächst acht Flughäfen ansteuern, darunter Düsseldorf, Hamburg und Köln/Bonn sowie Leipzig und Frankfurt/Main.
Mallorca ist mit rund einer Million Fluggästen nach Angaben Thomas Cooks das beliebteste Reiseziel, das die Konzern-Fluggesellschaften anfliegen. Das neue Unternehmen soll sie entlasten. Zum Start sollen drei Airbus A320 zum Einsatz kommen, die zurzeit für „Thomas Cook Airlines Belgium“ fliegen.
Das Unternehmen wird gerade aufgelöst. Zu Thomas Cook gehören bislang vier Gesellschaften mit 90 Flugzeugen. Thomas Cook war auch an einem Teil der Air-Berlin-Flotte interessiert, kam aber nicht zum Zug. Damit hänge die spanische Neugründung nicht zusammen, sagte Thomas-Cook-Sprecher Johannes Winter. „Die Pläne mit Mallorca verfolgt unser Konzern bereits seit einem Jahr.“




