In Leipzig hat die erste Filiale des russischen Discounters Torgservis eröffnet. Allerdings blieb der große Andrang zunächst aus. Ein bisschen wirkt der Markt wie aus der Zeit gefallen. Die Einrichtung ist schlicht, Kunden kaufen direkt von der Palette.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Im Angebot gibt es Lebensmittel, Textilien, Drogerieartikel und Haushaltswaren. Der Discounter hofft, Kunden von Aldi und Lidl abzugreifen. Von Gewerkschaften kommt deshalb Kritik.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor einer weiteren Verschärfung des Preiskampfs bei Lebensmitteln. Die Eröffnung der bundesweit ersten Filiale von Torgservis sei ein Alarmsignal, sagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler.

Torgservis eröffnet – Kritik von Gewerkschaften

Wer mit dem Versprechen antrete, die ohnehin schon günstigen Discounter in Deutschland drastisch zu unterbieten, der drehe weiter an der Preis-Abwärts-Spirale. Aber Lebensmittel seien Qualitätsprodukte, die nicht unter Wert verkauft werden dürften, so Zeitler.

 Die ersten Kunden kaufen im russischen Discounter Torgservis in Leipzig ein.
Die ersten Kunden kaufen im russischen Discounter Torgservis in Leipzig ein. © dpa | Hendrik Schmidt

Die Zeitreise in einen Markt vor unserer Zeit sollte eigentlich schon passend zum Weihnachtsgeschäft am 17. Dezember starten.

Die russische Konzernmutter betreibt Geschäfte unter den Namen Torgservis, Mere oder Svetofor. Unter dem Namen Svetofor (Ampel) wird auch ein Online-Shop betrieben, der an Plattformen wie Amazon oder das Verkaufsportal der Handelskette Real erinnert.

In dem Einkaufszentrum Portitz Treff in Leipzig hat der Konzern eine Fläche von 1000 Quadratmetern angemietet. Zuvor hatte die Firma TS Markt mit Sitz in Berlin nach Immobilien in Deutschland gesucht.

In diesen Regionen soll der russische Discounter Torgservis eröffnen:

Der neue Standort von Torgservis ist ausgerechnet ein ehemaliger Aldi-Markt in der sächsischen Stadt. Bereits im Oktober hatten sich Berichte über eine Expansion von Torgservis nach Deutschland erhärtet.

Nachdem das Unternehmen zunächst nach Immobilien gesucht hatte, ist TS Markt nun auf der Suche nach Einrichtung und Personal. Dabei hat das Unternehmen eine Liste veröffentlicht, in der es nach Einkaufswagen, Wühltischen, Regalen, Paletten und gebrauchten Kühltruhen sucht.

Im Angebot gibt es unter anderem Haushaltswaren.
Im Angebot gibt es unter anderem Haushaltswaren.© dpa | Hendrik Schmidt

Die Preise, die Torgservis dafür bezahlen will, untermauern den Anspruch, besonders kostengünstig zu agieren. Für eine Palette bietet das Unternehmen maximal 8 Euro, für einen Einkaufswagen 50 Euro.


Zum Vergleich: Im Baumarkt kosten gängige Paletten etwa 16 Euro, Speditionen zahlen in der Regel sieben Euro. Nur auf dem Schwarzmarkt sind Preise unter sieben Euro für (geklaute) Paletten die Regel.

Torgservis könnte in eine Nische für Discounter vordringen

Die Frage, die sich Beobachter bei der aggressiven Preisstrategie stellen:

In Polen hatte Torgservis Anzeigen geschaltet, in denen das Unternehmen von Zulieferern quasi Dumping-Preise verlangte. Das Unternehmen suchte nach Lieferanten, die für 20 bis 30 Prozent unter dem Verkaufspreis für die Konkurrenz anbieten könnten. Auch in Polen sind Lidl und Aldi (Nord) vertreten.

Die Einrichtung ist eher spartanisch.
Die Einrichtung ist eher spartanisch. © dpa | Hendrik Schmidt

Fürchten müssen sich die großen deutschen Einzelhändler aber wohl nicht. Der Professor für Handelsbetriebslehre Thomas Roeb sagte im MDR, dass Aldi und Lidl auch in Zukunft niedrigere Preise anbieten könnten, weil die Unternehmen größere Mengen abnehmen würden.

Doch Torgservis könnte eine Nische auf dem deutschen Markt finden. So bietet das Unternehmen in den Märkten mit einfachster Ausstattung fast ausschließlich russische Produkte von Eigenmarken an. Bisher sind solche Produkte meist nur zu relativ hohen Preisen bei kleineren Einzelhändlern zu bekommen.

In diesem Segment könnte Torgservis mit niedrigen Preisen punkten. Die Marke würde dann aber in Konkurrenz zu bereits bestehenden Ketten stehen, die fast ausschließlich mit osteuropäischen Produkten handeln.

Die Monolith-Gruppe führt die Vertriebsmarken Mix-Markt und Prima-Markt in Deutschland. Nach eigenen Angaben gibt es allein 160 Mix-Märkte in Deutschland. (mit dpa-Material)