Tagesgeld

Zinsen: Erste Bank bietet 3,1 Prozent – Das ist der Haken

| Lesedauer: 4 Minuten
Leitzins, Sollzins, Habenzins: Das sind Zinsen

Leitzins, Sollzins, Habenzins- Das sind Zinsen

Zinsen einfach erklärt.

Beschreibung anzeigen

Immer mehr Geldinstitute erhöhen die Zinsen für Tagesgeld. Wo sich nun die Kontoeröffnung lohnt – und welche Schönheitsfehler es gibt.

Berlin. Die Trendumkehr ist eingeleitet. Drei Prozent Zinsen auf Tagesgeld – so hohe Zinssätze gab es seit vielen Jahren nicht mehr. Die Direktbank ING hat mit ihrem jüngsten Angebot diese magische Hürde geknackt und ein Zeichen in der Branche gesetzt. Die ersten Geldinstitute ziehen nach und erhöhen die Zinsen. An die Spitze hat sich aktuell die Volkswagen Bank mit 3,1 Prozent gesetzt. Allerdings gelten viele der Angebote nur mit Einschränkungen. Mal bestehen sie nur für einige Monate, mal nur für Neukunden. Was jetzt zu beachten ist.

Warum steigen die Zinsen für Tagesgeld?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Juli 2022 die Leitzinsen in sechs Schritten um 3,5 Prozentpunkte erhöht. Eine weitere Erhöhung könnte schon im Mai folgen. Ziel der Notenbanker ist es, mit der Abkehr von der Niedrigzinspolitik die hohe Inflation im Euroraum zu reduzieren. Die Folge: Statt Strafzinsen für Geldeinlagen von den Geldinstituten zu verlangen, erhalten Banken und Sparkassen aktuell 3 Prozent Zinsen für Geld, das sie bei der EZB parken.

Doch nicht alle Institute geben die Erhöhungen an ihre Kunden weiter. Während die Zinsen für Kredite, Hypothekenkredite oder Dispozinsen nach der EZB-Leitzinserhöhung zu Lasten der Kunden teils deutlich geklettert sind, verhalten sich Banken bei der Erhöhung der Tagesgeldzinsen zögerlich.

Tagesgeld: Welche Banken bieten aktuell die höchsten Zinsen?

Im Durchschnitt bezahlen Geldinstitute derzeit 0,89 Prozent Zinsen für Tagesgeld – das ist fast doppelt so viel wie noch zu Jahresbeginn mit 0,46 Prozent, berichtet das Vergleichsportal Verivox. Insbesondere viele große Institute, Volksbanken und Sparkassen mit treuen langjährigen Kundinnen und Kunden bezahlen oft nur geringe Zinsen unter einem Prozent für Tagesgeld. Manche Banken nutzen dagegen höhere Zinsangebote, um neue Kunden zu gewinnen. Oft gelten diese Angebote aber nur für drei bis sechs Monate.

Auch interessant: Rente – Schon Azubis sollten für den Ruhestand vorsorgen

Spitzenreiter ist aktuell die Volkswagen Bank, die ihren Neukunden 3,1 Prozent Zinsen für bis zu 100.000 Euro bietet – begrenzt auf 6 Monate. Danach werden 0,65 Prozent bezahlt. Die ING bietet Neukunden 3 Prozent Zinsen auf Tagesgeld für insgesamt sechs Monate auf einen Betrag von maximal 50.000 Euro an. Danach wird nur noch der Satz von 0,6 Prozent Zinsen bezahlt, wie er für Bestandskunden gilt. ING-Bestandskunden erhalten wiederum nur dann 3 Prozent Zinsen, wenn sie neues Geld von einer anderen Bank auf ihr Tagesgeldkonto bis zum 25. April einzahlen. Wer 50.000 Euro für 6 Monate dort anlegt, kassiert während der Zeit 750 Euro Zinsen.

  • Als weitere Bank zahlt aktuell die Suresse Direkt Bank, die zur spanischen Großbank Santander gehört, Neukunden drei Prozent für vier Monate. Bestandskunden bekommen 1,75 Prozent Zinsen für Tagesgeld.
  • Bei der Luxemburger Advanzia Bank gibt es den Zins von 2,96 Prozent für sechs Monate, danach fällt er auf 1,1 Prozent.
  • Meine Bank (Raiffeisenbank im Hochtaunus) bietet Neukunden 2,7 Prozent Zinsen für vier Monate, danach wird der Zinssatz auf 1,5 Prozent reduziert.
  • Die spanische Openbank bietet für Neukunden sechs Monate lang den Zins von 2,55 Prozent.
  • 1822direkt zahlt Neukunden 2,5 Prozent für 6 Monate, berichten die Vergleichsportale Verivox und Biallo.

Tagesgeld: Warum sind die Super-Angebote befristet?

„Aus Sicht der Banken sind das Marketingmaßnahmen: Sie können mit hohen Zinsen neue Kunden anlocken, ohne dass die Kosten ausufern“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich. Die hohe Verzinsung gelte nur für Neukunden beziehungsweise Neuanlagen und auch nur für einen begrenzten Zeitraum.

Wie sicher ist das Geld auf Tagesgeldkonten?

In der Europäischen Union sind Spareinlagen bis zu 100.000 Euro pro Bank und Kunde durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Im Falle einer Bankenpleite würden Anleger aus dem nationalen Sicherungssystem des Staates entschädigt, in dem das Geldinstitut ansässig ist. Bei einigen deutschen Instituten geht der Einlagenschutz über eine Absicherung des Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands teilweise sogar bis 5 Millionen Euro.

Wer mehr Geld als 100.000 Euro besitzt, sollte sein Geld auf mehrere Konten verschiedener Institute bis maximal 100.000 Euro verteilen. Verbraucherschützer raten zudem Anlegern, die hohen Wert auf Sicherheit legen, möglichst Institute zu nutzen, die über die deutsche Einlagensicherung abgesichert sind.