Verspätungen

Deutsche Bahn: Pünktlichkeit so schlecht wie seit 2010 nicht

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Zwei Neuerungen: So will sich die Deutsche Bahn verbessern

Zwei Neuerungen: So will sich die Deutsche Bahn verbessern

Die Deutsche Bahn will kurzfristig zwei Verbesserungen umsetzen, damit Bahnfahren angenehmer wird.

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2022 war wieder kein gutes Jahr für die Deutsche Bahn. Im Fernverkehr waren so viele Züge unpünktlich wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Berlin. Die Pünktlichkeitsquote der Deutschen Bahn hat im abgelaufenen Jahr einen neuen historischen Tiefstwert erreicht. Sie lag in den zurückliegenden zwölf Monaten bei 65,2 Prozent, wie der Konzern am Montag mitteilte. Schlechter waren die Werte zuletzt im Jahr 2010, als Deutschland im Winter ein Schneechaos erlebte und viele Züge ausfielen oder deutlich verspätet ankamen.

2021 waren noch 75,2 Prozent aller Fernzüge rechtzeitig am Ziel, im ersten Corona-Jahr 2020 sogar fast 82 Prozent. Auch im abgelaufenen Jahr gab es im Hinblick auf die Pünktlichkeit markante saisonale Schwankungen. Sie sank im Jahresverlauf von 80,9 Prozent im Januar auf Werte unter 60 Prozent im Sommer. Im Juni, Juli und August war mehr als jeder fünfte Fernzug mehr als 15 Minuten zu spät. Im September und Oktober waren dann zwar mehr Züge pünktlich unterwegs, der Trend kehrte sich im November jedoch wieder um.

Deutsche Bahn nicht immer schuld an Verspätungen

Als verspätet geht ein Zug in die Statistik ein, wenn er mit mehr als sechs Minuten Verzögerung an einem Halt ankommt. Zugausfälle werden dabei nicht berücksichtigt.

Allerdings war die Bahn nicht immer schuld an der schlechten Quote. Im Oktober durchtrennten etwa noch unbekannte Täter im nordrhein-westfälischen Herne und in Berlin Glasfaserkabel. Dadurch brach das Funknetz zusammen. Der Zugverkehr in weiten Teilen Norddeutschlands war durch den Sabotageakt stundenlang lahmgelegt.

Auch im November gab es Beeinträchtigungen, als bei Gifhorn (Niedersachsen) zwei Güterzüge kollidierten. Die Strecke zwischen Berlin und Hannover war daraufhin wochenlang gesperrt.

Bahnchef verspricht Pünktlichkeitsquote von über 70 Prozent

"Die überalterte und knappe Infrastruktur, intensive Bautätigkeit und ab dem zweiten Quartal ein rasant wachsendes Verkehrsaufkommen im Fern- und Nahverkehr haben in Summe den Bahnbetrieb unter Druck gebracht", teilte die Deutsche Bahn mit. Bahnchef Richard Lutz gelobt derweil Besserung. Für das laufende Jahr hat sich der Konzern ein Ziel von mindestens 70 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr gesetzt - in früheren Jahren strebte die Bahn einen Wert über 80 Prozent an.

Im Regionalverkehr lag die Pünktlichkeit im vergangenen Jahr deutlicher höher bei 91,8 Prozent. Der Jahresverlauf ist im Vergleich zum Fernverkehr ähnlich: Im Sommer - also während des 9-Euro-Tickets mit weitaus mehr Fahrgästen - wurden die niedrigsten Werte verzeichnet, anschließend fuhren die Züge wieder pünktlicher. Im Herbst lag die Quote stets über 90 Prozent. (tok/dpa)