Energie

Heizöl: Entwicklung der Preise, Tendenzen und Prognose

| Lesedauer: 9 Minuten
Martin Nefzger
Heizen: Alternativen zu Gas und Öl

Heizen: Alternativen zu Gas und Öl

Viele Haushalte wollen spätestens mit der Energiekrise in Folge des Ukraine-Krieges von Gas- oder Ölheizungen weg. Wir zeigen drei Alternativen.

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Viele Haushalte in Deutschland heizen mit Öl. Die Preise steigen. Wie entstehen eigentlich Heizölpreise? Was sagen Prognosen für 2022?

Berlin. 
  • Der Herbst könnte der teuerste denn je werden
  • Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steigen die Energiepreise in Deutschland enorm
  • Das betrifft auch Heizöl: Wie sieht die Entwicklung bei den Heizölpreisen aus? Und was sagen die Prognosen?

Erdöl ist einer der wichtigsten Energieträger in Deutschland. Verarbeitet zu Benzin oder Diesel sorgt es dafür, dass Millionen Menschen in der Bundesrepublik mit dem Auto mobil sind. Gleichzeitig ist Heizöl für viele Haushalte unverzichtbar und sorgt dafür, dass warmes Wasser zur Verfügung steht und die Wohnung im Winter nicht auskühlt.

Doch für diesen Luxus müssen die Menschen immer mehr Geld bezahlen. Die Preise für Energie sind in Deutschland zuletzt stark angestiegen – auch das Heizöl blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Doch wie genau entsteht der Heizölpreis eigentlich? Und welche Preisentwicklung wird für die Zukunft erwartet? Ein Überblick. Mehr zum Thema: Ölheizung – So teuer wird das Heizöl in diesem Winter

Gasknappheit: Der Holzofen als Alternative?
Gasknappheit: Der Holzofen als Alternative?

Heizölpreise: Diese Faktoren sind besonders relevant

Den einen Faktor, der den Preis für Heizöl bestimmt, gibt es nicht. Wie so oft ist es ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen Einflüssen, die bestimmen, was Verbraucherinnen und Verbraucher bezahlen müssen. Zu den wichtigsten gehören:

  • der Preis für Rohöl
  • Angebot und Nachfrage
  • politische Entwicklungen
  • Art des Heizöls
  • Steuern und Abgaben

Entscheidend für die Frage, wie teuer Heizöl aktuell ist, ist der Preis, für den Rohöl derzeit gehandelt wird. Denn dieses bildet die Grundlage für die Herstellung von Heizöl. Steigt der Ölpreis am Weltmarkt, wird auch das Heizöl in Deutschland teurer – zumindest in der Regel.

Heizölpreise: Angebot und Nachfrage – das Grundprinzip der Marktwirtschaft

Den größten Einfluss sowohl auf den Ölpreis als auch auf den Preis für Heizöl hat das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Dahinter steckt ein System, das die Marktwirtschaft in fast allen Bereichen beeinflusst.

  • Ist mehr von einem Produkt verfügbar, als aktuell nachgefragt wird, sinkt der Preis. Die Kundinnen und Kunden können sich in diesem Fall nämlich aussuchen, wo sie einkaufen. In der Regel entscheiden sie sich dabei für den billigsten Anbieter. Um die eigenen Waren loszuwerden, senken daraufhin auch andere Händler die Preise und das Produkt wird insgesamt billiger.
  • Herrscht dagegen bei einem bestimmten Produkt ein Mangel, drückt das den Preis nach oben. Denn je weniger von etwas verfügbar ist, desto freier können Verkäuferinnen und Verkäufer über den Preis entscheiden. Weil es kein billigeres Angebot gibt, sind Kunden in der Regel gezwungen, die höheren Preise zu bezahlen.

Die Gründe dafür, warum zu einem bestimmten Zeitpunkt besonders viel oder wenige Öl verfügbar ist, sind vielfältig. So hatte es in der Vergangenheit enormen Einfluss auf den Ölpreis, wenn die OPEC – die Organisation der erdölexportierenden Länder – die Ölförderung erhöht oder gedrosselt hat. Gleichzeitig können politische Entwicklungen die verfügbare Ölmenge beeinflussen. Auch interessant: Heizöl kaufen – Warum eine Sammelbestellung mit den Nachbarn billiger ist

Heizölpreise heute (4. Oktober): Aktueller Ölpreis für ein Liter Heizöl

Wie hoch der Ölpreis ist, ist von Tag zu Tag unterschiedlich. In diesem Artikel finden Sie die aktuellen Heizölpreise von heute (4. Oktober).

So hat das politische Geschehen Einfluss auf den Ölpreis

Dass die internationale Politik großen Einfluss auf die Entwicklung der Energiepreise hat, zeigt sich unter anderem durch den Ukraine-Krieg. Weil der Westen nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine unabhängig von russischen Energielieferungen werden will, muss Gas und Öl von anderen Ländern gekauft werden. Dort ist es allerdings nur eingeschränkt verfügbar oder kann nicht so unkompliziert nach Deutschland geliefert werden. Es entsteht ein Mangel – und die Preise steigen.

Ähnliche Entwicklungen gab es in der Vergangenheit immer wieder durch Entwicklungen in der arabischen Welt. Wenn es dort zu Konflikten kam, steigt die Angst, dass die Erdölförderung vor Ort zurückgeht und weniger Öl auf dem Markt ist. Allein diese Angst reicht zum Teil aus, um den Ölpreis in die Höhe zu treiben – auch wenn es noch gar keinen Mangel gibt und dieser vielleicht nie existieren wird.

Heizölpreis variiert je nach Art des Heizöls

Einfluss auf den Preis hat auch, welche Art von Heizöl man kauft. In der Tabelle haben wir die wichtigsten Arten aufgeführt und erklären die Unterschiede.

Heizöl-Art Erklärung
Standard Als Standard-Heizöl verkaufen die meisten Händler das in Deutschland gängige schwefelarme, extraleichte Heizöl.
Premium Bei vielen Händlern gibt es neben dem Standard- auch ein Premium-Öl. Ihm werden Zusätze beigemischt, die für eine bessere Verbrennung oder einen geringeren Geruch sorgen.
Bio-Heizöl Manche Verkäufer bieten neben den beiden klassischen Varianten auch ein Bio-Heizöl. Dabei handelt es sich um Standard-Heizöl, dem ein Flüssigbrennstoff aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt wird. Der Anteil dieses Brennstoffs muss mindestens drei Prozent des Volumens betragen. Bei einem Anteil von mehr als 5,9 Prozent sollte man vor dem Kauf sicherstellen, dass die eigene Heizung für das Öl geeignet ist.

Preis für Heizöl: So viel geht pro Liter an den Staat

Auch beim Kauf von Erdöl werden Steuern fällig – und die schlagen heftig zu Buche. Rund 30 Prozent des Endpreises gehen an den Staat, unter anderem in Form der Mehrwertsteuer, des CO2-Preises und der Mineralölsteuer. Bei einem Preis von rund 1,60 Euro pro Liter Heizöl am 10. September 2022 waren darin fast 50 Cent Steuern und Abgaben enthalten.

Noch höher fallen die übrigens beim Benzin aus. Pro Liter Super gehen rund 36 Prozent des Preises an den Fiskus. Lesen Sie auch: Heizen ohne Gas und Öl – Was können Radiator, Heizlüfter und Co.?

Heizölpreis-Enwticklung: Wie hat sich der Preis in den letzten Monaten entwickelt?

Datum Heizölpreise pro Liter
15. Januar 2022 0,87 Euro
15. Februar 2022 0,94 Euro
15. März 2022 1,69 Euro
15. April 2022 1,30 Euro
15. Mai 2022 1,30 Euro
15. Juni 2022 1,47 Euro
15. Juli 2022 1,52 Euro
15. August 2022 1,53 Euro
15. September 2022 1,52 Euro

In den vergangenen Monaten ist der Preis für Heizöl deutlich angestiegen. Gründe dafür sind vor allem der russische Einmarsch in die Ukraine und die damit verbundenen geopolitischen Veränderungen. Besonders deutlich wird der Preisanstieg mit Blick auf die ersten zwei Wochen nach dem russischen Angriff.

  • Am 24. Februar 2022, dem Tag des Angriffs auf die Ukraine, lag der Preis für 100 Liter Heizöl bei 105,32 Euro.
  • Nur eine Woche später, am 3. März, war er bereits auf 141,12 Euro angestiegen.
  • Nicht ganz zwei Wochen nach Beginn der Invasion erreichte der Preis für 100 Liter Heizöl mit 151,41 Euro ein absolutes Maximum.

Seitdem sind die Preise zwar wieder gesunken, aktuell zeichnet sich aber wieder eine steigende Tendenz ab. Mit Blick auf die vergangenen 10 Jahre unterlag der Preis für Heizöl enormen Schwankungen. Im Minimum betrug er am 17. Januar 2016 37,16 Euro für 100 Liter. Das Maximum lag mit 151,41 Euro mehr als viermal so hoch.

Wie ist die Prognose für die Preise von Heizöl?

Wie sich der Preis für Heizöl in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird, kann mit absoluter Sicherheit niemand vorhersagen. Dafür gibt es schlicht zu viele Einflussfaktoren, die nicht immer richtig eingeschätzt werden können. Grundsätzlich heißt es jedoch oft, dass man im Frühjahr oder Sommer tanken sollte, weil die Preise im Herbst vor Beginn der Heizperiode häufig steigen.

Mit Blick auf die Preisentwicklung der vergangenen Jahre war das aber nicht immer der Fall. So legte der Ölpreis 2018 vor allem im Hochsommer stark zu und sank dann wieder ab. 2020 fielen die Preise von Januar bis Oktober dagegen nahezu konstant.

Wie sich die Preise in der kommenden Zeit entwickeln werden, wird von Expertinnen und Experten unterschiedlich eingeschätzt. Während in Prognosen häufig davon ausgegangen wird, dass der Preis mittelfristig konstant hoch bleiben wird, sprechen manche Fachleute auch von einem zu erwartenden Rückgang. Die Empfehlung ist dabei aber eindeutig: Wer jetzt Heizöl benötigt, sollte es kaufen. Wer noch einen ausreichenden Vorrat hat, sollte dagegen abwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.