Immobilien

Corona-Konzept: Apartmenthaus mit Hygiene-Schleuse öffnet

Berliner Firma eröffnet in Neukölln ein Apartmenthaus mit einer Hygiene-Sicherheitsschleuse, kontaktlosen Türen und Thermo-Screening.

Hoffen mit neuem Hygienekonzept auf Gäste: Die Geschäftsführer des Berliner Immobilienentwicklers BoB Claudia Sünder (l.), Till und Nina Kalähne.

Hoffen mit neuem Hygienekonzept auf Gäste: Die Geschäftsführer des Berliner Immobilienentwicklers BoB Claudia Sünder (l.), Till und Nina Kalähne.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Eingangsbereiche von Hotels und Apartmenthäusern sind gemeinhin auch Orte, an denen sich die Bewohner dieser Gebäude treffen und austauschen. Auch in der Lobby des Projekts „Aeronaut“ an der Neuköllner Hermannstraße deutet zunächst nichts daraufhin, dass die Betreiber den lieben Gewohnheiten abgeschworen hätten. Die Couch zum geselligen Beisammensein ist längst bestellt. Und doch ist zunächst Abstandhalten angesagt, wenn das Haus am 1. Juni öffnet.

Rund 24 Millionen Euro hat der Berliner Immobilienentwickler BoB Immobilienkonzepte GmbH an dem neuen Standort investiert. Die 62 Serviced Apartments, also Zimmer mit Annehmlichkeiten wie in einem Hotel, sind nahezu fertig. Wegen der Coronakrise allerdings drohte zunächst der Leerstand. Die Betreiber haben deshalb umgedacht.

Ein neues Sicherheits- und Hygienekonzept soll potenzielle Bewohner anlocken. „Safer than home“ – also sicherer als Zuhause – sei das Gebäude mit den neuen technischen Kniffen.

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So funktioniert das Hygienekonzept

Corona-Hygienekonzept für Immobilien
Corona-Hygienekonzept für Immobilien

Neues Hygienekonzept kostet mehr als 600.000 Euro zusätzlich

BoB ist wohl der erste Immobilienentwickler, der einen Neubau an die neuen Bedürfnisse künftiger Gäste angepasst hat. In dem Haus in Neukölln soll der Eingang unter anderem mit einer Desinfektionsschleuse ausgestattet werden. Geplant ist außerdem ein Thermo-Screening, um eine etwaige erhöhte Körper-Temperatur des Gastes zu erkennen. Zudem sollen beim Betreten Schuhsohlen mithilfe einer Einweg-Überschuh-Automatik in Plastik verpackt werden. Kostenpunkt für das Gesamtpaket: etwa 650.000 Euro.

„Wir standen vor der Wahl, nicht zu eröffnen, oder umzudenken, und mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen“, sagt BoB-Geschäftsführer Till Kalähne. Das neue Hygienekonzept mache die Zimmer angesichts der Coronakrise erst vermietbar, glaubt er.

Auch Geschäftsführer-Kollegin Claudia Sünder, bis März noch Senatssprecherin bei Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD), geht davon aus, dass sich wegen der Pandemie Bedürfnisse von Reisenden ändern werden. „Die Ansprüche an Sauberkeit und Sicherheit wachsen. Die Menschen haben eine verstärktes Hygienebedürfnis und wollen sicher sein, dass sie gut aufgehoben sind“, so Sünder.

Fahrstuhl und Türen lassen sich kontaktlos bedienen

Neben den technischen Umbauten im Eingangsbereich gelten auch innerhalb des Gebäudes selbst höhere Anforderungen in Sachen Hygiene. Das Luftfiltersystem etwa soll nach Angaben des Betreibers neben Bakterien auch Viren aus der Luft herausfiltern. Bewohner sollen sich zudem über Anzeigen auf jeder Etage einen Überblick über die klimatische Umgebung innerhalb und außerhalb des Hauses verschaffen können. Teil des neuen Sauberkeitskonzepts sind auch Fußmatten vor jedem Zimmereingang, die Keime aufnehmen und sofort eliminieren sollen. Türen und auch der Fahrstuhl sollen selbstverständlich kontaktlos bedient werden können.

Bei der Reinigung setzt die Betreiberfirma Pearl1, ein Bob-Tochterunternehmen, auf UV-Technik. Das Personal sei dafür extra geschult worden, so Pearl1-Chefin Nina Kalähne. Dass die Mitarbeiter in Coronazeiten Mundschutz tragen sei ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Der Check-in könne aber auch ohne Kontakt zu einem Mitarbeiter erfolgen. Die wegen Corona ergriffenen Maßnahmen würden die Betriebskosten für das Gebäude allerdings leicht erhöhen, um etwa drei bis vier Prozent, so Till Kalähne. Der BoB-Chef hofft trotzdem, dass das Konzept Schule macht.

Immobilienverband ZIA lobt Innovationskraft

BoB stehe deswegen auch anderen Projektentwicklern zum Erfahrungsaustausch bereit, so Kalähne. Einen Teil der Lösungen will er auch selbst vertreiben. So werde etwa die Desinfektionsschleuse am Eingang mithilfe eines süddeutschen Partner und einer Metallbaufirma aus Berlin entwickelt. „Die Schleuse ist anpassbar auf alle Eingänge und könnte auch für öffentliche Gebäude wie Schulen oder Kitas interessant sein“, so der Geschäftsführer.

Zuspruch kommt vom Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA, dem Interessenverband der Immobilienwirtschaft. „Das Beispiel zeigt einerseits die Innovationskraft von Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft und anderseits, dass unsere Branche mit der aktuellen Situation verantwortungsvoll umgeht“, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Zahlreiche Immobilienunternehmen hätten in den letzten Wochen bewiesen, dass sie in der Lage dazu seien, wirkungsvolle Hygienemaßnahmen und auch Abstandsregelungen um- und durchzusetzen. „Es ist aber noch etwas zu früh, gleich schon bei allen Innovationen von Trends zu sprechen, das wird der Verlauf der nächsten Monate erst zeigen“, so Mattner weiter.

Wohnungswirtschaftsverband BBU ist skeptisch

Gegenwind bekommt das neue Berliner Konzept von der Wohnungswirtschaft. Die Chefin der Verbands Berliner und Brandenburger Wohnungsunternehmen BBU, Maren Kern, ist skeptisch. „Was in Hotels oder Wohnen auf Zeit vielleicht sinnvoll erscheinen mag, muss es für das herkömmliche Wohnen nicht sein. Für den Wohnungsbereich wären solche Maßnahmen weit überzogen und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten kaum zu vertreten“, so Kern.

Einige der Maßnahmen könnten auch hinsichtlich des Persönlichkeitsschutzes bedenklich sein, beispielsweise das Thermo-Screening, sagte sie. „Darüber hinaus wäre ich skeptisch, was die Alltagstauglichkeit angeht: Menschen öffnen gerne Fenster, was mit solchen Konzepten schwer vereinbar ist. Deshalb sehe ich da keinen Trend für den Wohnungsbereich, weder jetzt noch in Zukunft“, so die BBU-Chefin weiter.

Der Berliner Immobilienentwickler BoB selbst wird auch alle weiteren geplanten Projekte in der deutschen Hauptstadt mit den „Safer than home“-Standards ausrüsten, kündigte Geschäftsführer Till Kalähne an. Innerhalb der nächsten Jahre sollen dem Unternehmen zufolge Appartementhäuser mit insgesamt 800 Zimmern in der Stadt entstehen.