Ratgeber Recht

Wie läuft es mit der Schenkungssteuer?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Wie läuft es mit der Schenkungsteuer bei einer großen Hochzeitsfeier, wenn es zu sehr vielen schenkungsteuerfreien Beträgen kommt, die sich zu einer großen Summe ansammeln an einem Tag?

Dr. Max Braeuer: Bei Ihrer Frage geht es offenbar um eine Hochzeitsfeier, bei der es Brauch ist, dass jeder der geladenen Gäste ein Geldgeschenk mitbringt. Vermutlich werden die Geschenke auch erfasst, so dass es hinterher eine Liste gibt, in der genau aufgezeichnet ist, wer wieviel mitgebracht hat. Sie stellen zu Recht die Frage nach der Schenkungsteuer. Denn natürlich sind auch Geldgeschenke, die als Bargeld zu einem Fest mitgebracht werden, im Prinzip steuerpflichtig. Bezahlen muss die Steuer, soweit sie anfällt, der Beschenkte. Das ist hier das Brautpaar. Wer eines oder mehrere Geschenke erhält, ist verpflichtet, davon dem Finanzamt Mitteilung zu machen, auch wenn letztlich keine Steuer zu bezahlen ist. Es kann deshalb kein Fehler sein, wenn das Brautpaar dieser Pflicht genügt und die Liste der Geschenke dem Finanzamt weiterleitet.

Sie werden aber allerdings nicht damit rechnen müssen, tatsächlich auch Steuer zahlen zu müssen. Es ist für Sie zu hoffen, dass die Summe aller Geschenke ein sehr hoher Betrag ist. Die Frage der Schenkungsteuer richtet sich jedoch nicht nach dem Gesamtbetrag. Es kommt auf jeden einzelnen Bargeldumschlag an. Jedes einzelne Geschenk ist zu würdigen. Wie viele Geschenke von anderen Personen gleichzeitig noch gemacht worden sind, spielt dafür keine Rolle. Für jeden einzelnen Schenker gibt es einen steuerlichen Freibetrag. Für Geschenke bis zur Höhe des Freibetrages ist Steuer nicht zu entrichten. Der Mindestfreibetrag bei Personen, die nicht miteinander verwandt sind, beträgt 20.000 Euro. In Ihrem Falle sind es sogar 40.000 Euro, weil die Geschenke ja an beide Brautleute gehen und jeder von Ihnen einen Freibetrag von 20.000 Euro in Anspruch nehmen kann. Deshalb müssen Sie mit einer Schenkungsteuerpflicht nur dann rechnen, wenn in einem Umschlag tatsächlich mehr als 40.000 Euro gewesen sein sollten.

Ganz endgültig ist diese Feststellung allerdings nicht. Der Freibetrag von 20.000 Euro pro Person kann nur einmal innerhalb von zehn Jahren geltend gemacht werden. Alle Geschenke, die in der Zehn-Jahres-Frist gemacht werden, müssen also zusammengerechnet werden. Wenn die Brautleute also im Verlaufe der nächsten zehn Jahre noch weitere Geschenke bekommen sollten, was innerhalb der Familie durchaus denkbar ist, dann ist es notwendig, sich an die Hochzeitsgeschenke wieder zu erinnern. Sie müssen für die Berechnung der Steuer dem späteren Geschenk hinzugerechnet werden.

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