Ratgeber Recht

Wohin mit unserem Testament?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Mein Ehemann und ich haben 1993 ein gemeinschaftliches Testament gemacht. Das Original-Testament wurde beim Amtsgericht Wedding hinterlegt. Wir wohnen inzwischen über 20 Jahre im Bezirk Neukölln. Die Wohnungsveränderung haben wir per E-Mail dem Amtsgericht mitgeteilt. Mein Ehemann ist inzwischen 80 Jahre, ich 77 Jahre. Erste Frage: Können wir das Testament zum Amtsgericht Neukölln schicken lassen? Zweite Frage: Wir haben ein handschriftliches Testament in unserer Kassette, woraus hervorgeht, wer erbt, wenn uns beiden etwas zustößt. Wir haben beide keine Eltern mehr, unsere Ehe ist kinderlos. Mein Ehemann hat noch zwei Geschwister in Thüringen, zu denen ich seit 1994 keinen Kontakt habe. Ich habe eine Schwester in Berlin, zu ihr haben wir beide keinen Kontakt mehr. Wäre es sinnvoll, dem Testament im Amtsgericht unser handschriftliches Testament zuzuführen?

Dr. Max Braeuer: Sie haben völlig richtig gehandelt, als Sie im Jahre 1993 Ihr Testament beim Amtsgericht hinterlegt haben. Hätten Sie es zu Hause behalten, so wäre nach so langer Zeit die Gefahr groß, dass das Testament nicht mehr gefunden wird. Durch die Hinterlegung beim Amtsgericht ist aber sichergestellt, dass nach Ihrem Tod – nach dem Tod des ersten von Ihnen beiden – das Testament aufgefunden und amtlich eröffnet wird.

Die Sicherheit vor Verlust ist der Hauptgrund dafür, ein Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen. Das Testament muss dafür aber nicht mit Ihnen gemeinsam umziehen. Sie haben sich frei aussuchen können, bei welchem Gericht Sie das Testament einreichen. Dort bleibt es liegen, bis der Erbfall eingetreten ist.

Das Nachlassgericht wird von Ihrem Tod jedenfalls unterrichtet. Dafür ist es nicht notwendig, dass Sie auch im Bezirk des Gerichts leben. Das Amtsgericht Wedding hat nämlich schon im Jahre 1993 eine Nachricht an das Standesamt geschickt, von dem Ihre Geburtsurkunde ausgestellt worden ist. Bei diesem Standesamt ist jetzt bekannt, dass Sie beim Amtsgericht Wedding ein Testament hinterlegt haben. Sobald Sie gestorben sind, wird dasjenige Standesamt, das Ihre Sterbeurkunde ausstellt, von dieser Nachricht erfahren und das Amtsgericht Wedding unterrichten. Wo Sie zum Zeitpunkt Ihres Todes gewohnt haben, ist dafür nicht von Bedeutung.

Es ist hingegen nicht sinnvoll, dass Sie ein weiteres Testament zu Hause in einer Kassette verwahren. Es ist schon nicht sicher, dass das Testament im Falle Ihres Todes auch gefunden wird. Vor allem aber wird sich die Frage stellen, welches Testament denn nun gültig ist, das beim Amtsgericht hinterlegte oder das Testament in der Kassette. Für die Gültigkeit eines Testamentes spielt die Art der Aufbewahrung keine Rolle.

Auch ist ein handschriftliches Testament ebenso gültig wie ein notariell beurkundetes. Es kommt nur darauf an, welches Testament zuletzt geschrieben worden ist. Welches von den beiden Testamenten älter ist, kann unklar sein. Durch ein neues Testament werden alle früheren Testamente unwirksam. Es kann also sein, dass das Testament, das Sie zu Hause aufbewahren, nach 1993 verfasst worden ist und dass Sie damit das gerichtlich hinterlegte Testament aufgehoben haben, ohne dass Sie das gemerkt haben.

Es empfiehlt sich also, dass Sie jetzt gemeinschaftlich ein Testament aufsetzten, das Ihren letzten Willen, wie er heute besteht, festhält. Dieses Testament sollten Sie dann auch beim Amtsgericht hinterlegen. Es wird das allein wirksame sein. Die Kosten, die dadurch entstehen, sind gering. Die Hinterlegung kostet beim Amtsgericht pauschal 75 Euro.

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