Ratgeber Recht

Kein Testament: Wer beerbt meinen Cousin?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Mein Cousin (81 Jahre alt) ist am 21.11.2019 verstorben. Er war nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder. Unsere Großeltern sind verstorben. Seine Mutter und meine Mutter (Schwestern) sind verstorben. Ein Vater ist auf der Geburtsurkunde des Cousins nicht angegeben. Er hatte keine Geschwister. Nun lebe ich noch. Hatte einen Bruder, der 2002 verstorben ist, noch vor unserer Mutter, die 2005 verstorben ist. Wer beerbt meinen Cousin? Reicht ein Notar oder Anwalt aus, um das Erbe abzuwickeln? Einen Beratungstermin bei einem Notar würde ich erst im August 2020 erhalten. Ein Testament habe ich nicht gefunden.

Max Braeuer: Es ist anzunehmen, dass Sie Ihren Cousin tatsächlich beerbt haben. Weil er kein Testament hinterlassen hat, richtet sich die Erbfolge nach dem Gesetz. Erben sind immer die nächsten Angehörigen entlang den Abstammungslinien. Das hört sich in Ihrem Falle etwas kompliziert an, wird aber zu einem eindeutigen Ergebnis führen.

Die nächsten gesetzlichen Erben Ihres Cousins wären seine Eltern gewesen, weil er selbst keine Kinder hatte. Beide Eltern leben nicht mehr. Damit fallen sie aber nicht aus der Erbfolge heraus. Stattdessen erben dann die nächsten Abkömmlinge dieser Eltern. Das Erbe würde sich auf die beiden Stämme von Vater und Mutter aufteilen. Der Stamm, zu dem Sie gehören, kann also nur die Hälfte erben, wenn es den väterlichen Stamm Ihres Cousins gibt. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Der Vater ist auf der Geburtsurkunde Ihres Cousins nicht vermerkt. Ihr Cousin war also offenbar nichtehelich geboren. Er hatte trotzdem natürlich einen leiblichen Vater. Aus rechtlicher Sicht hat ein Kind, dessen Eltern nicht verheiratet sind, aber nur dann einen Vater, wenn die Vaterschaft gerichtlich festgestellt oder anerkannt worden ist. War das bei Ihrem Cousin nicht der Fall, hatte er nur einen Elternteil, seine Mutter. Diese hätte ihn allein beerbt.

Die Mutter lebt nicht mehr und die Großeltern auch nicht. Die Erbfolge geht also nun von der Abstammungslinie von den Großeltern abwärts. Die weitere Tochter dieser Großeltern, Ihre Mutter, lebt auch nicht mehr. Deshalb sind nun die Kinder Ihrer Mutter Erbe. Das sind nicht nur Sie selbst, sondern auch Ihr Bruder. Zwar ist Ihr Bruder verstorben. An seine Stelle treten aber in der Erbfolge seine Kinder oder Enkelkinder. Mit diesen müssten Sie das Erbe nach Ihrem Cousin hälftig teilen. Nur wenn Ihr Bruder keine Abkömmlinge hatte, sind Sie Alleinerbin.

Wenn Ihr Cousin ein Vermögen hinterlassen hat, das Sie in Besitz nehmen wollen, dann wird es ohne einen Notar nicht gehen. Was auch immer in dem Nachlass sein sollte, Bankkonten oder auch ein Grundbesitz, Sie müssen nachweisen, dass Sie berechtigte Erbin sind, um dieses Vermögen auch für sich in Anspruch nehmen zu können. Für diesen Nachweis brauchen Sie einen Erbschein. Um einen Erbschein zu beantragen, müssen Sie einen Notar beauftragen. Bis zum August 2020 muss das allerdings nicht dauern. Sie leben in Brandenburg, offenbar in einem kleinen Ort. Dort gibt es vermutlich nur einen einzigen Notar, und dann kann es sein, dass bei diesem Notar schwer Termine zu bekommen sind. Sie können sich aber genauso gut nach Berlin wenden. Dort gibt es sehr viel mehr Notare als in Brandenburg, und Sie werden sicherlich einen davon finden, der demnächst für Sie tätig wird.

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