Bausparkassen

Bausparen: Berater bringen Kunden oft um Tausende Euro

„Finanztest“ hat 16 Bausparkassen untersucht. Nur eine bekam die Note „gut“. Die Zeitschrift sieht „ein Armutszeugnis für die Branche“.

Angehende Bauherren und Bausparer werden oft nicht gut beraten.

Angehende Bauherren und Bausparer werden oft nicht gut beraten.

Foto: Hans Blossey / ddpi/imageBROKER/Hans Blossey

Berlin. Die Berater von Bausparkassen schneiden ihre Angebote häufig schlecht auf die Bedürfnisse der Kunden zu. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Zeitschrift „Finanztest“, für die bundesweit 16 Bausparkassen getestet wurden. Dabei schnitt nur die LBS Schleswig-Holstein-Hamburg „gut“ ab. Fünf Kassen wurden „befriedigend“ bewertet. Die Bausparkasse Mainz, die Debeka sowie die LBS Südwest erhielten die Note „mangelhaft“. Die Leistungen der anderen Bausparkassen wurden als „ausreichend“ eingestuft.

„Die Verträge, die Bausparkassen unseren Testkunden verkaufen wollten, waren alles andere als gut“, ärgert sich „Finanztest“-Experte Heinz Landwehr. Er nennt die Beratungsgespräche ein Armutszeugnis für die Branche. Lediglich sechs der insgesamt 119 geführten Vertragsgespräche endeten nach Angaben der Zeitschrift mit dem bestmöglichen Ergebnis.

Bausparkassen-Berater lassen kaum einen Fehler aus

Die Folge der Fehler seien oft viele Tausend Euro Verlust für die angehenden Bauherren. Dadurch bestehe die Gefahr, dass ihnen die gesamte Immobilienfinanzierung später um die Ohren fliege. „Die Berater ließen kaum einen Fehler aus“, kritisiert Landwehr.

Die Bausparkassen-Berater waren aufgefordert, Angebote für drei unterschiedliche Testfälle zu erarbeiten. Kunden der ersten Gruppe wollten monatlich 400 bis 450 Euro sparen und in zehn Jahren eine Immobilie erwerben. Im zweiten Fall wurde nach einer Sparrate zwischen 250 und 300 Euro im Monat gefragt, was nach acht Jahren zu einem Baudarlehen führen sollte. Eine dritte Gruppe trat als Eigentümer auf, die ihr Haus nach sechs Jahren für etwa 50.000 Euro modernisieren wollten.

Bausparsumme war oft viel zu hoch

„Viele Berater empfahlen viel zu hohe Bausparsummen“, erläutert Landwehr. Die Folgen können für Kunden bitter sein, denn bis zur Zuteilung eines Bauspardarlehens müssen die Sparer rund 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme angesammelt haben. Ist das nicht der Fall, müssen sie entweder einen Zwischenkredit aufnehmen oder ihr Vorhaben verschieben.

Ein Berater der Landesbausparkasse West empfahl laut Landwehr eine Bausparsumme, bei der die Testkundin erst im Jahr 2045 Geld bekommen hätte, 15 Jahre nach dem geplanten Immobilienkauf. Bei der LBS Saar wäre die Finanzierung zwölf Jahre zu spät gekommen. Insgesamt hätte die Verspätung in jedem vierten empfohlenen Vertrag wenigstens ein Jahr ausgemacht.

Angebot der Bausparkasse bis zu 4780 Euro teurer

Auch würden Bausparkassen Sparpläne erstellen, an die sie sich später nicht halten müssten. Von einer monatlich festen Sparrate seien drei von vier Instituten abgewichen. Eine Folge könnte die spätere Ablehnung von Zahlungen über den Regelsparbetrag hinaus sein, eine andere Nachzahlungsforderungen, wenn dieser nicht erreicht wird.

Auch auf die Kosten achtete „Finanztest“. Es zeigte sich, dass jede dritte Immobilienfinanzierung teurer war als eine Finanzierung durch die Hausbank. Ein Vergleich mit dem Bausparrechner der Stiftung Warentest ergab, dass es von wenigen Ausnahmen abgesehen stets bessere Angebote am Markt gab. „Im besten Fall ergab sich ein Nachteil von 2670 Euro, im schlechtesten von 4780 Euro“, sagt Landwehr.

Die Beratungsqualität scheint unabhängig von der Unternehmensform zu sein. Die öffentlichen Landesbausparkassen stellen zum Beispiel sowohl den Testsieger als auch das schlechteste In­stitut.

Bausparkassen-Verband gelobt Besserung

Der Verband der privaten Bausparkassen zweifelt die Ergebnisse der Untersuchung nicht an. „Die Bausparkassen werden sich die Testergebnisse genau anschauen und dann überlegen, was im Kundengespräch besser gemacht werden kann“, verspricht Verbandschef Christian König. Die Beratung müsse höchsten fachlichen Ansprüchen genügen.

Trotz aller Schwächen beim Vertrieb hält die Stiftung Warentest Bausparen für ein gutes Produkt. Mit einem Bausparvertrag könnten sich künftige Bauherren das aktuell niedrige Zinsniveau für spätere Zeiten sichern. Allerdings raten die Experten dazu, sich nicht auf einzelne Berater zu verlassen. Für wen sich Bausparen als Weg zur eigenen Immobilie lohnt.

Verbraucherzentralen als neutrale Kontrollinstanz nutzen

Die Kunden sollten sich vor Vertragsabschluss über die Sparrate, den gewünschten Auszahlungstermin sowie die maximale Tilgungsrate für das Darlehen klar werden und diese Punkte verbindlich klären. Auch sollten Bausparer auf verständliche Unterlagen mit nachvollziehbaren Spar- und Tilgungsplänen bestehen.

Als neu­trale Kontrollinstanz kommen gegen eine Gebühr die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen oder zum Preis von 7,50 Euro der Bausparrechner der Stiftung Warentest in Betracht.

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