Privatinsolvenz

Privatinsolvenzen: Wie viele in Deutschland pleite sind

Sechs Millionen Verbraucher sind aktuell überschuldet: Wie viele von ihnen Privatinsolvenz anmelden müssen – und wo die meisten leben.

Immer weniger Bürger müssen Privatinsolvenz anmelden. Ein Grund dafür ist der stabile Arbeitsmarkt.

Immer weniger Bürger müssen Privatinsolvenz anmelden. Ein Grund dafür ist der stabile Arbeitsmarkt.

Foto: Alexander Heinl / dpa

Berlin. Die Zahl der Privatpleiten geht in Deutschland immer weiter zurück. Im ersten Halbjahr 2019 meldeten nur noch 42.235 Verbraucher Insolvenz an – das sind 1,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und so wenige wie seit 2004 nicht mehr. Für das Gesamtjahr werden 88.000 Insolvenzen erwartet, nach 88.995 im Vorjahr. Dies geht aus dem aktuellen Schuldenbarometer des Informationsdienstleisters Crifbürgel hervor, der dieser Redaktion vorliegt.

Der bisherige Höhepunkt wurde im Jahr 2010 erreicht, als rund 69.400 Privatleute Insolvenz anmeldeten – 39,1 Prozent mehr als heute. Aktuell gelten in Deutschland zudem bereits mehr als sechs Millionen Bürger als überschuldet.

Die meisten Insolvenzen gibt es in Norddeutschland

Die meisten Privatinsolvenzen je Einwohnerzahl werden in Norddeutschland angemeldet – und zwar in Bremen (83 je 100.000 Einwohner). Danach folgen Schleswig-Holstein (74), Niedersachsen (74) und Hamburg (69).

Die wenigsten Pleiten melden Bürger in Bayern (32), Baden-Württemberg (35), Thüringen (42) und Hessen (43) an. Berlin (54), Nordrhein-Westfalen (57) und Brandenburg (60) liegen im Mittelfeld. Im bundesweiten Durchschnitt schlittern 51 von 100.000 Einwohnern in die Privatpleite. Dabei sitzen die Betroffenen im Schnitt auf einem Schuldenberg von rund 30.000 Euro.

Mehr Männer als Frauen betroffen

Die meisten Pleitiers sind zwischen 31 und 50 Jahre alt (21.549). Bei Jüngeren zwischen 18- und 20 Jahren sank die Zahl der Insolvenzen deutlich um 14 Prozent auf 123 Fälle. Betroffen sind mehr Männer (24.757) als Frauen (17.478).

Der erneute Rückgang der Privatinsolvenzen liegt an der niedrigen Arbeitslosenquote, meint Crifbürgel-Geschäftsführer Christian Bock. Die Binnenkonjunktur habe sich dank steigender Löhne und einer positiven Situation auf dem Arbeitsmarkt gerade in den letzten Jahren gut entwickelt. Allerdings zeichne sich bereits eine Trendumkehr ab. „Für 2020 erwarten wir wieder mehr private Insolvenzen in Deutschland“, so Bock. Die konjunkturelle Abschwächung hinterlasse langsam auch am Arbeitsmarkt Spuren.

Scheidung, Trennung oder Krankheit zählen zu den Ursachen für Pleiten

In der Regel führen Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut, gescheiterte Selbstständigkeit, Scheidung, Trennung oder Krankheiten zur Überschuldung von Menschen, heißt es in der Untersuchung. Der finanzielle Engpass kann schließlich Menschen zur Privatinsolvenz zwingen. Viel haben Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Vermietern, Energieversorgern oder Telefongesellschaften.