Gründerzentrum

Millionen-Investitionen im Biotech-Park Buch

Der größte Berliner Standort für Biotechnologie erhält durch ein Gründerzentrum und mehrere Forschungsgroßgeräte einen neuen Schub.

Mitte 2022 soll der „Berlin Bio Cube“ mit 8000 Quadratmetern Mietfläche eröffnen.

Mitte 2022 soll der „Berlin Bio Cube“ mit 8000 Quadratmetern Mietfläche eröffnen.

Berlin. Als einziger Berliner Stadtteil liegt Buch ganz im Norden Pankows außerhalb des Autobahnrings. Seine Lage ganz am Rande der Stadt prädestinierte Buch Ende des 19. Jahrhunderts als Standort für Krankenhäuser und Genesungsheime. In der Parklandschaft hat sich mit dem Biotech-Park Berlins größter Forschungs- und Produktionsstandort für Lebenswissenschaftler und Biotechnologie-Unternehmen herausgebildet. Und seit die Campus-Betreibergesellschaft vor gut einem Jahr in die Trägerschaft des Landes überging, steht Buch vor einem neuen Entwicklungsschub. Investitionen von deutlich über 100 Millionen Euro sind fest eingeplant, auch an einer Erweiterung des Campus um Flächen für Firmenzentralen und Produktionsstätten wird konkret gearbeitet.

„Die Gesundheitsbranche wird weiter wachsen“, sagt Christina Quensel. Die promovierte Biotechnologin leitet gemeinsam mit Ulrich Scheller die Campus GmbH, kümmert sich um die Verkehrsanbindung, um Erweiterungen und natürlich das Wohlergehen der 63 Firmen mit ihren 800 Mitarbeitern. Als frühere Vorstandsreferentin in der größten Forschungseinrichtung auf dem Campus, dem Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin (MDC) kennt sie alle wichtigen Akteure in Buch und darüber hinaus seit Jahren. Denn die Forschung ist der Wachstumstreiber, wie es so sein soll an einem offiziellen Berliner Zukunftsort. Das MDC, das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und die Charité beschäftigen in Buch mehr als 2100 Forscher und andere Mitarbeiter.

55 Millionen Euro soll der „Berlin Bio Cube“ kosten

Die Flächen im Technologiepark sind nahezu komplett vermietet. Quensel musste schon interessierte Unternehmen oder an Ausgründungen interessierte Forschergruppen abweisen. Abhilfe schaffen soll nun ein neues Gründerzentrum direkt auf der Wiese neben dem Hauptgebäude des Campus, komplett ausgestattet mit Labors und flexibel nutzbar. 55 Millionen Euro soll der „Berlin Bio Cube“ kosten, 40 Prozent davon fließt in Technik. Das Geld kommt im Wesentlichen aus Fördermitteln des Bundes und des Landes. Den Bauantrag will Quensel im Oktober einreichen. Mitte 2022 soll der Fünfgeschosser mit 8000 Quadratmetern Mietfläche eröffnen.

Christina Quensel erwartet eine hohe Nachfrage nach den Flächen. Denn in der Biotech-Branche und der Wirkstoffentwicklung sind Sprünge jederzeit möglich, wenn ein Unternehmen etwa eine wichtige klinische Studie erfolgreich abschließt oder eine Behörde eine Zulassung erteilt.

Als besonders aussichtsreich gelten derzeit die Omeicos Therapeutics GmbH, eine Ausgründung aus dem MDC. Die Wissenschaftler sind dabei, einen Wirkstoff gegen das Vorhofflimmern des Herzens zu entwickeln. Oder die Emp Biotech, die für andere Life-Science-Labors Feinchemikalien herstellt. Neu als Unternehmen auf dem Campus ist die T-knife GmbH, die Immuntherapien gegen Krebs entwickelt und die dazugehörigen Wirkstoffe herstellt.

Neben dem Bau des Gründerzentrums stecken die großen Forschungsinstitute viel Geld in den Campus. Die Tierhäuser von MDC und Charité für 70 Millionen Euro werden gerade schrittweise eröffnet. Das Berlin Institute of Health (BIH), das ebenfalls Charité und MDC gemeinsam betreiben, baut bis 2020 für 24 Millionen Euro ein neues Gebäude als neuen zentralen Standort für das BIH.

Mindestens sechs Millionen Euro wird ein neues Gebäude für ein Hochleistungs-Elektronenmikroskop kosten, das gemeinsam von Humboldt Universität, Freier Universität, Charité und MDC gebaut wird. Das Gerät wird dazu dienen, molekulare Strukturen noch genauer aufzuklären. In unmittelbarer Nähe ist für etwa 14 Millionen Euro das Optical Imaging Center geplant, ein neues Gebäude für Lichtmikroskopie und Laserscanning-Mikroskopie.

In der Nähe des Campus’ gibt es Flächen für weitere Firmen

Mittel- und langfristig will der Bio-Tech-Campus aber auch ein noch stärkerer Wirtschaftsstandort werden. Ähnlich wie im Technologiepark in Adlershof sollen die in den eigenen Räumen herangezogenen Firmen irgendwann flügge werden und eigene Gebäude errichten, ohne auf die Nähe zur Wissenschaft verzichten zu müssen.

Seit Jahren haben die Campus-Manager darum ihr Auge auf die Flächen der so genannten Brunnengalerie auf der westlchen Seite der Karower Chaussee geworfen. Zwischen Straße und Plattenbauten sollen sich Biotech-Firmen ansiedeln. Bis zu 125.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche könnten hier entstehen. „Der Bezirk stellt die Flächen für wirtschaftliche Entwicklung zur Verfügung“, lobt die Campus-Managerin. Ehe die ersten Unternehmen dort bauen können, muss die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM aber erst eine Druckwasserleitung verlegen, das könnte einige Millionen Euro kosten. Aus Sicht von Christina Quensel eine sinnvolle Investition. „Es ist absolut realistisch, hier weitere Firmen herzubekommen.“