Insolvenz

Thomas Cook warnt nach Pleite vor Betrug mit E-Mails

Nach der Pleite warnt Thomas Cook Deutschland Kunden vor Phishing-E-Mails. Wie Betrüger versuchen, die Not der Kunden auszunutzen.

Auch die deutsche Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook ist insolvent. Sie warnt vor einer E-Mail-Betrugsmasche, die Thomas-Cook-Kunden im Visier hat.

Auch die deutsche Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook ist insolvent. Sie warnt vor einer E-Mail-Betrugsmasche, die Thomas-Cook-Kunden im Visier hat.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin. An der Thomas-Cook-Pleite und den Nöten der betroffenen Kunden wollen jetzt offenbar Betrüger verdienen: Die deutsche Thomas-Cook-Tochter warnt vor Phishing-Mails – via Twitter und auf der Homepage.

„Derzeit gibt es eine böse E-Mail-Betrugsmasche: Diese E-Mail ist als offizielle Nachricht von Thomas Cook deklariert mit dem Betreff: „Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise.““ Darin würden sensible Daten abgefragt, beispielsweise Pass- und Kreditkartendaten, hieß es.

Thomas Cook habe aber „zu keiner Zeit E-Mails dieser Art an Kunden verschickt. Bitte ignorieren Sie diese Mails und löschen diese“, warnte das deutsche Unternehmen, das wenige Tage nach dem britischen Mutterkonzern Insolvenz angemeldet hatte.

Betroffen von der Pleite sind Reisemarken wie Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags waren mit diesen Unternehmen rund 140.000 Urlauber, Ende der Woche waren noch rund 55.000 Menschen im Ausland.

Die wichtigsten Fragen und Antworten für die Betroffenen:

Thomas-Cook-Pleite: Können bezahlte Reisen noch angetreten werden?

Nein. Reisen mit Antrittsdaten bis einschließlich 31. Oktober 2019 könnten nicht mehr angetreten werden, erklärt Thomas Cook Deutschland in einer Info-Hotline, die unter der Rufnummer 06171-6565190 zu erreichen ist.

Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, lässt das Unternehmen noch offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es.

Bekommen Thomas-Cook-Kunden ihr Geld für nicht angetretene Reisen zurück?

Das Unternehmen verweist auf den Versicherer Zurich, das sich durch das Unternehmen Kaera vertreten lässt. Kunden könnten sich auf der Kaera-Webseite über Möglichkeiten der Rückerstattung des Reisepreises informieren und über ein Webformular ihre Ansprüche geltend machen.

Anzahlungen und Restpreiszahlungen aller Kunden zusammen genommen seien bis zu einer Gesamtsumme von 110 Millionen Euro versichert, schreibt Karea. Das heißt aber auch, dass Betroffene sich auf eine nur anteilige Erstattung des Reisepreises einstellen müssen, sollte die Gesamtsumme der Forderungen die Versicherungssumme übersteigen.

Reisende, die derzeit mit Thomas Cook Deutschland unterwegs sind, können ihren Urlaub regulär zu Ende bringen und planmäßig nach Hause fliegen. Dafür müssen sie sich mit den Kontaktdaten auf dem Sicherungsschein in Verbindung setzen, den sie bei der Buchung erhalten haben.

Was ist mit Reisenden, die von Hotels zu Zahlungen aufgefordert werden?

Solche Fälle kamen in den vergangenen Tagen immer wieder vor. Berichten von Hotelgästen zufolge mussten einige Betroffene mehr als 1000 Euro auf den Tisch legen. Ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands sagte: „Das eine inakzeptable Situation. Die Urlauber haben ihren Reisepreis voll bezahlt. Es gibt keinen Grund, sie vor Ort festzuhalten.“ Da die Zurich-Versicherung nun einspringe, hätten Hotels keinen Grund, Urlauber zur Kasse zu bitten. Die Zurich-Versicherung bestätigte am Freitag, Zahlungen an Hotels vorzunehmen.

Auf Basis der Buchungsinformationen und ohne Vorlage gesonderter Rechnungen sollen die Hotels in den Ferienorten jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen erhalten, wie ein Zurich-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Allerdings seien die Zahlungen an die Hotels an die Bedingung geknüpft, „dass Thomas-Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden“.

Nach Angaben vom Donnerstag waren noch 70.000 Thomas-Cook-Pauschalurlauber aus Deutschland unterwegs. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

Was bedeutet die Insolvenz von Thomas Cook Deutschland?

Zwei Tage lang versuchte Thomas Cook Deutschland, nicht vom britischen Mutterkonzern mitgerissen zu werden. Am Mittwoch folgte dann der Insolvenzantrag. Dieser sei notwendig, um nicht Teil der Insolvenzmasse des Mutterkonzerns zu werden, begründete Thomas Cook Deutschland den Schritt. Wie Condor hat auch Thomas Cook einen Überbrückungskredit beim Bund beantragt. Dieser soll rund 375 Millionen Euro hoch sein. Das sind die Tochterunternehmen von Thomas Cook.

Fließen deutsche Steuergelder in die Konkursmasse von Thomas Cook?

Um zu verhindern, dass die 380 Millionen Euro des Überbrückungskredits, finanziert aus Steuergeldern, direkt in die Insolvenzmasse des britischen Mutterkonzerns fließen, hat Condor einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren eingereicht. Mit diesem Verfahren würden die Verflechtungen mit dem insolventen britischen Mutterkonzern gelöst werden, Condor könnte das Geld selbstbestimmt einsetzen.

Ist Condor jetzt gerettet?

Nein, aber die Chancen auf eine Rettung der Fluglinie, ein Tochter-Unternehmen von Thomas Cook, sind deutlich gestiegen. Mit dem Überbrückungskredit, den die Bundesregierung und das Land Hessen gewähren, soll der Flugbetrieb für die nächsten sechs Monate gesichert werden. „Der Winter ist ganz schwierig für Fluggesellschaften. In den Sommermonaten ist dagegen kein Kredit möglich“, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Dienstagabend in einem Mediengespräch.

Ob Condor aber die bereitgestellten 380 Millionen Euro tatsächlich erhält, hängt von der EU-Kommission ab, die entscheiden muss, ob sich eine Hilfszahlung um eine unzulässige Marktbeeinflussung handeln würde. Als vor zwei Jahren Air Berlin einen staatlichen Kredit erhielt, stimmten die EU-Kommissare der Beihilfe zu.

Allerdings ging es damals „nur“ um 150 Millionen Euro. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass der Kredit gewährt wird. Denn Condor gilt als profitabel, zudem stehen rund 4900 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Condor erhält staatlichen Überbrückungskredit
Condor erhält staatlichen Überbrückungskredit

Sind Condor-Flüge garantiert?

Condor fliegt von Deutschland aus 13 Städte an, die sonst keine andere Fluggesellschaft hierzulande ansteuert. Weitere 16 Städte werden saisonal exklusiv angeflogen. Wenn Urlauber im nächsten halben Jahr also per Direktflug beispielsweise ins kenianische Mombasa oder an die jamaikanische Montego Bay fliegen möchten, sind sie auf Condor angewiesen.

Ob sich die Urlauber aber ein Ticket bedenkenlos kaufen können, hängt davon ab, ob die EU-Kommission den Überbrückungskredit bewilligt. Wenn das der Fall ist, würden die 380 Millionen Euro reichen, um den Flugbetrieb bis zum 31. März 2020 aufrecht erhalten zu können, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Für die Kalkulation muss Condor allerdings auch seine Maschinen besetzt bekommen. Die Auslastung der 59 Condor-Flugzeuge liegt derzeit nach Unternehmensangaben bei rund 90 Prozent. Um diese Auslastung auch für das kommende halbe Jahr gewährleisten zu können, hätten Großkunden wie TUI, Schauinsland-Reisen und Alltours ihre Unterstützung zugesagt. „Und in unserer Branche gilt das gesprochene Wort mehr als Verträge“, sagte Teckentrup.

Kann Condor eigenständig bleiben?

Das schließt Condor-Chef Ralf Teckentrup aus: „Die Unabhängigkeit wäre keine sinnvolle Lösung. Wir brauchen einen neuen Eigentümer“. Condor verhandelt derzeit mit Finanzinvestoren. Dabei ist eine Teil- als auch Komplettübernahme denkbar.

Öffentlich hat der Nürnberger Unternehmer und Investor Hans-Rudolf Wöhrl am Mittwoch Interesse an einem Einstieg bekundet. „Condor braucht schnell einen neuen Eigentümer, der die Firma selbstständig weiterführt.“ Das Vertrauen der Kunden müsse wiedergewonnen werden. Condor sei ein grundsätzlich gesundes Unternehmen und schon deshalb wohl nicht in einem Ein-Euro-Deal zu haben. „Daher würden wir den Kaufpreis mit anderen Investoren (gemeinsam) aufbringen.“

Lufthansa dürfte aus kartellrechtlichen Gründen Condor nicht als Ganzes übernehmen, könnte aber durchaus an den Langstreckenflügen von Condor interessiert sein, meint Wolfgang Donie, Aktienanalyst der Nord/LB. Die Billigfluggesellschaften Easyjet und Ryanair könnten ebenfalls an Condor Interesse zeigen. Deutschlands größter Reisekonzern TUI hat dagegen kein Interesse an Condor, sagt TUI-Chef Friedrich Joussen dem „Handelsblatt“.

Wird Fliegen jetzt teurer?

Sollte die EU-Kommission dem Überbrückungskredit nicht zustimmen und Condor pleite gehen, müssten neun Millionen Passagiere jährlich auf andere Flugunternehmen umsteigen. „Condor wäre so schnell nicht zu ersetzen“, sagte Teckentrup. Derzeit herrscht in Europa ein Überangebot an Flügen. Ginge Condor pleite, dürfte sich der Markt entspannen und Flüge teurer werden.

Wie wird die Staatshilfe bewertet?

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, hat sich überraschenderweise hinter die Staatshilfen gestellt. Dies sei zu begrüßen, „obwohl ich normalerweise sehr skeptisch bin bei der Frage, inwieweit der Staat versuchen soll, insolvenzbedrohte Unternehmen zu retten.“

Condor sei ein an sich gesundes Unternehmen sei, das nur durch die Insolvenz der britischen Muttergesellschaft in Schieflage geraten sei. Die Gewerkschaft Verdi forderte, dass alles getan werden müsse, um auch den Geschäftsbetrieb von Thomas Cook in Deutschland mit seinen 2000 Beschäftigten fortzuführen.