Volkswagen

VW-Spitze angeklagt – Vorwurf der Marktmanipulation

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen VW-Chefs. Es geht um die Dieselaffäre – und verzögerte Informationen dazu.

Volkswagen in Wolfsburg: Die Führungsspitze wurde angeklagt.

Volkswagen in Wolfsburg: Die Führungsspitze wurde angeklagt.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Berlin. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die Führungsspitze von Volkswagen wegen Marktmanipulation angeklagt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Dabei geht es konkret um drei führende Mitarbeiter, die während der Dieselaffäre federführend im Konzern waren.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Vorstandschef Herbert Diess und dem Ex-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn wird vorgeworfen, Anleger im Jahr 2015 „vorsätzlich zu spät“ über die Risiken der Dieselaffäre informiert zu haben.

Anklage wegen Dieselaffäre: Das wirft die Staatsanwaltschaft den Chefs vor

Den Ermittlungen zufolge war dies der Fall. In der Mitteilung hieß es: „Den genannten – ehemaligen oder amtierenden – Vorstandsmitgliedern der Volkswagen AG wird vorgeworfen, entgegen der ihnen obliegenden gesetzlichen Pflicht den Kapitalmarkt vorsätzlich zu spät über die aus dem Aufdecken des sogenannten Diesel-Skandals resultierenden erheblichen Zahlungsverpflichtungen des Konzerns in Milliardenhöhe informiert und damit rechtswidrig Einfluss auf den Börsenkurs des Unternehmens genommen zu haben.“

Investoren verlangen Entschädigung für den damaligen Einbruch des Aktienkurses: Sie argumentieren, dass die VW-Spitze die Finanzwelt früher über die Risiken der Dieselkrise hätte ins Bild setzen müssen. Dazu läuft auch ein Kapitalmarkt-Musterverfahren in Braunschweig.

Pötsch war Finanzvorstand des Volkswagen-Konzerns, als der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn Abgas-Manipulationen an Motoren von Dieselautos in den Vereinigten Staaten einräumte. Das Ausmaß des Skandals wurde erst danach deutlich: Millionen Fahrzeuge weltweit waren betroffen, viele Besitzer von VW-Aktien mussten Kursverluste hinnehmen. Der heutige Vorstandschef Diess kam im Sommer 2015 in den Konzern und war zunächst nur Chef der Volkswagen-Kernmarke.

Jahrelange Ermittlungen, viele verärgerte Kunden

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte es Aussagen gegen Winterkorn und Diess gegeben, die diese belasten sollten. Allerdings folgte dem noch keine Anklage.

Der Skandal um die „Schummelsoftware“, mit der Abgaswerte manipuliert wurden, zog riesige Kreise. Hunderttausender Autos mussten zurückgerufen werden, mehr als 300.000 VW-Fahrer hatten sich einer Sammelklage angeschlossen. (dpa/ses)