Umstrukturierung

Was sich die Deutsche Bank vom radikalen Umbau erhofft

Die Deutsche Bank hat einen radikalen Konzernumbau angekündigt. Wir erklären, was sich in der Bank ändern – und was es bringen soll.

Vorstand der Deutschen Bank: Werden rund 18 000 Stellen streichen

Seit Wochen war klar, dass die Deutsche Bank nach der abgeblasenen Fusion mit der Commerzbank angesichts geringer Gewinne ihre Strategie noch einmal überdenken und auch tiefe Einschnitte nicht scheuen werde.

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Berlin/Frankfurt. Der Chef der Deutschen Bank macht Ernst. Nur wenige Stunden nach der Verkündung des radikalen Stellenabbaus und Konzernumbaus erhalten am Montag die ersten Mitarbeiter in Hongkong, Singapur, London und New York ihre Kündigungen. Viele werden nach einem kurzen Gespräch sofort freigestellt. Ganze Teams werden aus den Gebäuden geführt. Alle vier Städte zählen zu den wichtigen Standorten des Investmentbankings, das künftig radikal verkleinert wird.

Der Vorstandsvorsitzende bedauert diese harten Einschnitte „persönlich sehr“, wie Christian Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter schreibt, aber er habe keine andere Wahl. Der Vorstand starte einen „grundsätzlichen Umbau, mit dem wir eine neue Epoche für unsere Bank einleiten werden“. Zu den Plänen und neuen Zielen beantwortet unsere Redaktion die wichtigsten Fragen.

Was verändert sich bei der Deutschen Bank?

Privat- und Firmenkunden werden konsequenter getrennt. Das Investmentbankgeschäft, das bisher die Bilanz dominiert, soll um 40 Prozent schrumpfen. Das internationale Aktiengeschäft wird aufgegeben, die risikogewichteten Aktiva zurückgefahren. Stattdessen wird der Vorstand das Geschäft künftig wieder stärker auf Unternehmen konzentrieren.

Die Firmenkunden sowie die Transaktionsbank, die den Zahlungsverkehr sowie die Wertpapier-und Kreditgeschäfte von Unternehmen umfasst, werden in einer sogenannten Unternehmensbank gebündelt. Diese Sparte ist auf Mittelständler, Familienunternehmen und Konzerne ausgerichtet. Sie kommt auf Kundeneinlagen von mehr als 200 Milliarden Euro, schreibt Sewing.

Privatleute werden von der Privatkundenbank betreut. In der kleineren Investmentbank wird das Finanzierungs-, Beratungs-, das Zins- und Währungsgeschäft gebündelt. Die Bank will auch künftig im Emissionsgeschäft und in der Beratung bei Börsengängen eine Rolle spielen.

Die Bereiche Risiken, Compliance und Finanzkriminalität werden gebündelt. Risikoreiche Papiere im Wert von 74 Milliarden Euro sollen in eine Abbaueinheit transferiert und in den nächsten Jahren veräußert werden. Auch die Firmenkultur soll sich laut Sewing verändern. Künftig würden „die Bank und die Kunden immer vor den Interessen eines Einzelnen stehen“. Also nicht mehr der risikoreiche Investmentbanker im Vordergrund stehen.

Welches Ziel verfolgt der Deutsche-Bank-Vorstand?

„2022 wird die Deutsche Bank eine wachsende, effiziente und profitable Bank mit einem Vorsteuergewinn von mindestens sechs Milliarden Euro sein“, gibt der 49-jährige Vorstandschef als Ziel aus. Die Kosten sollen bis 2022 um rund sechs Milliarden auf 17 Milliarden Euro gesenkt werden. Denn seit vielen Jahren seien „unsere fixen Kosten viel zu hoch“.

Von jedem Euro, den die Bank einnimmt, sollen nur noch 70 Cent ausgegeben werden. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital soll auf acht Prozent steigen nach zuletzt zwei Prozent.

Warum verkleinert die Deutsche Bank das Investmentbanking?

Das Investmentbanking galt viele Jahr lang als die Geldmaschine der Deutschen Bank, die Milliardengewinne einfuhr. Gestartet wurde das Geschäft 1989 mit dem Kauf der Londoner Bank Morgan Grenfell durch den damaligen Vorstandschef Hilmar Kopper. Die Bank stieg zu einer Weltmacht im Wertpapierhandel auf.

Doch nach der Finanzmarktkrise 2008, mehreren Skandalen und Milliardenstrafen wird die Sparte zunehmend zum Risiko und zur Belastung – und rutschte in den vergangenen beiden Quartalen sogar ins Minus.

An welchen Standorten gehen die meisten Arbeitsplätze verloren?

Bis 2022 sollen 18.000 Arbeitsplätze abgebaut werden – und damit ein Fünftel aller derzeit rund 91.500 Stellen. Betroffen ist vor allem das Personal im Investmentbankgeschäft, insbesondere an ausländischen Standorten. Gestrichen werden soll aber auch in den Zentralbereichen. Im Zuge der Integration der Postbank sollen weitere 2000 Jobs wegfallen. Ersetzt werden auch drei Vorstände. Wie viele der 41.500 Mitarbeiter in Deutschland betroffen sind, ist noch nicht bekannt.

Was sagen die Gewerkschaften?

Die Gewerkschaften stellen sich hinter den Umbau. Es gehe darum, das Institut langfristig zu stabilisieren, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Ähnlich äußerte sich Stephan Szukalski, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft dbv: „Ich glaube, dass die beschlossenen Maßnahmen in die richtige Richtung gehen. Es könnte ein echter Neuanfang für die Deutsche Bank sein.“

Was kostet die Umstrukturierung der Deutschen Bank?

Die Kosten für die Umstrukturierung beziffert das Geldinstitut auf 7,4 Milliarden Euro. Die hohe Summe kommt auch durch die üppigen Abfindungen für die entlassenen Mitarbeiter und Manager zustande.

Die Bank will die neue Struktur ohne Kapitalerhöhung finanzieren. Der Vorstand erwartet deshalb, 2019 in die Verlustzone zu rutschen. Finanzchef James von Moltke hofft aber, „2020 ein ausgeglichenes oder besseres Ergebnis zu erreichen“. Die Aktionäre sollen 2019 und 2020 keine Dividende erhalten.

Wie reagiert die Börse?

Die Anleger reagierten am Vormittag zunächst positiv. Doch zum Börsenschluss rutschte der Kurs wieder ins Minus. Die Aktionäre sind leidgeprüft: Das Wertpapier verlor in den vergangenen fünf Jahren 70 Prozent ihres Börsenwerts.