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Axel-Springer: So funktioniert das Bonussystem der Vorstände

Springer hat ein neues Bonusprogramm für seine Vorstände aufgelegt. Welche Zahlungen ihnen zustehen und welche Bedingung dafür gilt.

Der Vorstand der Axel Springer SE (v.l.): Andreas Wiele, Jan Bayer, Stephanie Caspar, Julian Deutz und Mathias Döpfner. Caspar nimmt an dem neuen Bonusprogramm nicht teil.

Der Vorstand der Axel Springer SE (v.l.): Andreas Wiele, Jan Bayer, Stephanie Caspar, Julian Deutz und Mathias Döpfner. Caspar nimmt an dem neuen Bonusprogramm nicht teil.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Theoretisch könnten die Vorstände von Axel Springer („Bild“, „Welt“) Mathias Döpfner, Jan Bayer, Andreas Wiele und Julian Deutz ab dem 1. Mai sukzessive Bonuszahlungen im Wert von mindestens gut 74 Millionen Euro erhalten. Doch dazu wird es nicht kommen.

Schon jetzt ist absehbar, dass die Voraussetzungen für die Zahlung verfehlt werden. Es handelt sich bei ihr um „eine langfristige variable Vergütungskomponente in Form eines Long-term Incentive Plan“, wie es etwas gedrechselt im Geschäftsbericht von Axel Springer heißt.

Springers Ziel: Börsenwert deutlich steigern

Konkret geht es darum, den Börsenwert des Unternehmens innerhalb von drei bis fünf Jahren um mindestens 40 Prozent zu steigern. Gelingt dem Vorstand dies, darf er 3,63 Prozent des Wertzuwachses für sich behalten. Er muss das Geld in Springer-Aktien investieren, die dann noch ein bis zwei Jahre gehalten werden müssen – je nachdem, wann die Wertsteigerung von mindestens 40 Prozent erzielt wurde.

Bezugspunkt der dem Bonusprogramm zugrundeliegenden Berechnungen ist der durchschnittliche Wert der Springer-Aktie in den 90 Tagen vor dem 1. Mai 2016. Damals notierte das Wertpapier bei etwas mehr als 47 Euro.

Springer-Aktie notiert aktuell zu niedrig für Boni

Die Bonuszahlung für die Vorstände würde fällig werden, wenn der durchschnittliche Wert der Aktie zwischen dem 1. Fe­bruar und dem 1. Mai 2019 bei gut 66 Euro liegt. Doch davon konnte während dieser Frist bisher zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Aktuell notiert das Wertpapier nur bei knapp 51 Euro.

Den vier Vorständen bleibt als Trost, dass es vielleicht 2020 oder 2021 klappt, wenn abermals der 1. Mai der Stichtag sein wird. Vorstand fünf, die für die nationalen Medienmarken verantwortliche Stephanie Caspar, nimmt an dem neuen Bonusprogramm nicht teil. Das dürfen nur Vorstände, die seit 2016 amtieren. Sie rückte erst 2018 in das Gremium auf.

Springer zahlte seinen Vorständen 2018 21,4 Millionen Euro

Darben muss Caspar dennoch nicht: 2018 erhielten die fünf Springer-Vorstände zusammen ein Festgehalt von 10,1 Millionen Euro. Einschließlich variabler Gehaltsbestandteile und Nebenleistungen ließ das Medienhaus ihnen 2018 21,4 Millionen Euro zukommen. Diese variablen Bestandteile werden aber wegen des neuen Programms zurückgefahren.

Das ist nachvollziehbar: Sollte sich der Börsenwert gar um 60 Prozent erhöhen, stünde dem gesamten Vorstand laut des Bonusprogramms eine Zahlung von gut 111 Millionen Euro zu. 60 Prozent Wertzuwachs ist laut Geschäftsbericht die Kappungsgrenze, über die hinaus die Bonuszahlungen an die Vorstände nicht weiter steigen. Eine Springer-Sprecherin will sich zu dem neuen Programm nicht äußern.

(Kai-Hinrich Renner)