Weltfrauentag

PR-Panne von Engel & Völkers wird im Netz zur Vorlage

Engel & Völkers wollte in den sozialen Medien punkten. Mit Lob für Frauen zum Weltfrauentag. Wer darin nicht zu Wort kommt: eine Frau.

Shitstorm: Makler entschuldigen sich für Weltfrauentags-Posting

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Berlin.  Das ging komplett schief: Die Immobilienfirma Engel & Völkers wollte Frauen anlässlich des Weltfrauentages über Frauen sprechen - nur halt ohne Frauen. Ein Foto, das fünf männliche Führungskräfte des Unternehmens zeigt, wird nun hämisch nachgestellt. Engel & Völkers entschuldige sich.

Das Unternehmen wollte in den sozialen Medien mit einem Artikel zum Weltfrauentag am 8. März punkten. Fünf Führungskräfte von Engel & Völkers, die fürs Bild gut ausgeleuchtet auf einem Dach in der Hamburger Hafencity auf ein Stück Holz gestiegen sind, sprechen in dem Artikel über Frauen, die sie „besonders beeindruckend“ finden. Wer dabei nicht zu Wort kommt: eine Frau. Das sind alle Informationen zum Internationalen Weltfrauentag.

Engel & Völkers loben Großmütter für Familienverdienste

Und so loben die fünf Herren, also alle Vorstandsmitglieder, die Engel & Völkers zu bieten hat, neben einigen weiblichen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft auch Mütter und Großmütter für ihre Verdienste um die Familie, genauso eine Nachbarin, die mit 97 Jahren den Haushalt ohne fremde Hilfe schaffe und Gartenarbeit ihr Hobby nenne.

„Großen Respekt“ wird auch den Maklerinnen der Firma gezollt, die „auch dank ihrer emotionalen Intelligenz“ so erfolgreich seien.

Das Kommunikationsmagazin „pressesprecher“ wertete die Aktion bereits als „PR-Desaster“. Die Reaktionen bei Twitter und Facebook: teils amüsiert, teils fassungslos. „Ist das schon Satire?“, lautet eine Frage bei Twitter. Bei Facebook heißt es: „Hat irgendwer Ihren Account gehackt oder merken Sie das echt nicht?“ Und eine andere Nutzerin meint: „Jungs, Euer Socialmedia-Team hasst Euch.“

Engel & Völkers entschuldigt sich

Am Dienstagnachmittag reagierte Engel & Völkers auf die Kritik und entschuldigte sich. Bei Twitter und Facebook hieß es: „Unser gestriger Beitrag verfehlte sein Ziel, Frauen in den Vordergrund zu stellen. Dies und nichts anderes ist im Rahmen des Weltfrauentags angemessen. Das war ein Fehler unsererseits und tut uns außerordentlich leid.“

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Außerdem verschwand der heiß diskutierte Artikel von der Homepage des Unternehmens, auch bei Facebook wurde der zugehörige Post gelöscht.

Weibliche Führungskräfte nutzen PR-Vorlage

Diese Reaktion verhinderte freilich nicht, dass andere Unternehmen die Vorlage nutzten und eigene Gedanken zum Weltfrauentag im Stil der Immobilienmakler veröffentlichten. Der Berliner Verein Tincon etwa, der Jugendprojekte fördert und von zwei Frauen gegründet wurde, twitterte ebenfalls ein paar lobende Worte über Männer und ein Foto – mit fünf Frauen.

Gleich sieben Frauen bekam Kasper Communications aus Freising aufs Bild – ähnlich stilsicher inszeniert: stehend auf Europaletten. Bei Facebook führt mit der Ankündigung „Der Vorstand spricht über männliche Vorbilder“ außerdem ein Link auf die Homepage der Agentur. Hinter dem Link: eine Seite mit nur einem Satz: „ Es wurden keine männlichen Vorbilder gefunden. ;-)“

Immerhin: Der „Engel & Völkers“-Twitteraccount für die Region Schleswig-Holstein, auf dem der Artikel gepostet und seitdem hundertfach kommentiert wurde, verzeichnete bei seiner zweistelligen Followerzahl ein Publikumswachstum von mehr als 100 Prozent.

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