Der gebürtige Inder Naren Shaam ist vor einigen Jahren mehrere Monate lang durch Europa gereist. Zuvor hatte er viel in New York gearbeitet, unter anderem in der Automobilindus­trie und dem Finanzwesen. Nun will er einfach mal den Kopf frei bekommen. Doch Naren Shaam ärgert sich bei seinem Rucksack-Trip durch Europa.

„Die Infrastruktur ist großartig. Es gibt Busse und Züge, die nahezu jedes Dorf miteinander verbinden“, sagt er. Nur das richtige Gefährt zu erwischen fällt ihm schwer. Weil Shaam immer wieder warten muss, um an Schaltern Tickets zu kaufen, verpasst er mitunter Fahrten. Überhaupt sind die verschiedenen Reisemöglichkeiten, um ans Ziel zu gelangen, sehr umständlich zu finden, erinnert er sich.

Daraus hat er ein Geschäft gemacht. Fünf Jahre später sitzt Naren Shaam in einem Büro in Prenzlauer Berg. Für Shaam und sein Unternehmen GoEuro arbeiten mittlerweile 300 Mitarbeiter. Erst im Oktober des vergangenen Jahres konnte er rund 150 Millionen Euro von Investoren einsammeln, insgesamt haben Geldgeber seit der Gründung rund 300 Millionen Euro in GoEuro investiert.

800 Reiseunternehmen aus 15 Ländern in einem Portal

Mehr als 27 Millionen Nutzer vergleichen derzeit jeden Monat die Verbindungen von Bahnunternehmen, Fernbusbetreibern und Fluggesellschaften über die Internetplattform. Inzwischen bündelt das Unternehmen die Angebote von 800 Reiseunternehmen aus 15 europäischen Ländern. Jetzt will Shaam mit seiner Firma über Europa hinauswachsen. Dafür wechselt das Unternehmen seinen Namen: Aus GoEuro wird Omio.

„Ein weltweit funktionierendes Buchungssystem für Transportdienstleistungen in einem einzigen Dienst existiert noch nicht, und wir wollen die Ersten sein, die ein Produkt dieser Art anbieten. Unsere Kunden sollen die Möglichkeit haben, überall einfach hinzureisen. Ich freue mich sehr über den neuen Namen und glaube daran, dass wir mit Omio noch mehr erreichen werden“, erklärt Shaam.

„Unser Fokus liegt auf Nord-, Südamerika und Asien“, sagt Shaam. Wo Omio als Nächstes startet, hängt auch davon ab, wie schnell es dem Berliner Start-up gelingt, in den Märkten neue Partner zu gewinnen. Welch langen Atem Omio brauchen könnte, hat auch der deutsche Markt gezeigt: „Es hat länger als ein Jahr gedauert, um die Deutsche Bahn von uns zu überzeugen“, erklärt der Gründer. Denn längst haben alle großen Verkehrsunternehmen eigene Plattformen. Doch vor allem im Ausland sind die Angebote kaum bekannt. Den Unternehmen geht dadurch viel Geschäft verloren, glaubt Shaam.

Investoren glauben an das Geschäftsmodell

Denn Europa als Reiseziel wird seit Jahren gefragter. Rund 1,3 Milliarden Touristen bereisen jährlich den Kontinent. Experten gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2030 um weitere 500 Millionen Urlauber steigen könnte. Bei Buchungen über die Omio-Plattform erhält das Start-up von den Partnern eine Provision im einstelligen Prozentbereich.

Der überwiegende Teil des Umsatzes geht an die jeweiligen Verkehrsunternehmen. Investoren glauben dennoch an das Geschäftsmodell. Analysten zufolge wurde Omio bei der letzten Finanzspritze mit einem Betrag zwischen 900 Millionen und einer Milliarde Dollar bewertet. Profitabel ist das Geschäft aber noch nicht. Auch deswegen will Omio schnellstmöglich weiterwachsen. Die Namensänderung könnte dafür der richtige Schritt sein, schätzen Experten.

Zwar könne die Umbenennung kurzzeitig für Verwirrung sorgen und auch einige Nutzer kosten, sagt Vanessa Cann, Expertin für künstliche Intelligenz und mobile Plattformen beim Bundesverband Deutsche Start-ups. Weil das Unternehmen aber langfristig auch auf anderen Kontinenten aktiv sein will, sei der neue Name der richtige Schritt.

Naren Shaam will seinen Kunden noch weiter entgegenkommen. Informationen zu Verspätungen sollen bald für alle Länder verfügbar sein. Bislang gibt es den Service nur in Frankreich, Großbritannien und Italien. Für Omio sind dabei vor allem die unterschiedlichen Datensätze herausfordernd: Standards gibt es nicht. Airport-Codes etwa sind dreistellig, dazu kommen Tausende Namen von Bus- und Bahnhöfen. Doch auch bei Omio hat die künstliche Intelligenz Grenzen. „Allein Freiburg gibt es zwölfmal“, sagt Shaam. In welches die Nutzer wollen, werden die Omio-Kunden auch künftig selbst herausfinden müssen.