Luftfahrt

Warum der erste A380 jetzt schon wieder zerlegt wird

Elf Jahre nach seinem Linienflug-Debüt wird der A380 zerlegt und in Einzelteilen verkauft. Die Gründe für das Ende des Riesen-Airbus.

A380 fliegt ab Hamburg - der Riesenjet von innen

Immer um 21 Uhr startet das größte in Serie gebaute Passagierflugzeug der Welt in Fuhlsbüttel. One way gibt es Tickets für etwa 500 Euro. In der First Class kostet es zehnmal mehr, aber dafür wird auch Einiges geboten.

A380 fliegt ab Hamburg - der Riesenjet von innen

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Hamburg.  Zehn Jahre nach der ersten Auslieferung soll der erste A380 von Airbus in seine Einzelteile zerlegt werden. Der Riesen-Jet sollte das Prestigeprojekt des Flugzeugherstellers werden – das klappte wegen anhaltender Verkaufsproblemen nur bedingt.

Jetzt wird ein erster Riesen-Jet in seine Einzelteile zerlegt und verkauft. So zum Beispiel die Triebwerke. Der Imageschaden für Airbus ist groß. Trotzdem ist das längst nicht das Ende des Riesenfliegers: Airbus kündigte an, die Herstellung nicht einstellen zu wollen, weil Emirates zugesagt hatte, weitere Maschinen des A380 abzunehmen. Jetzt steht fest: Airbus stellt Produktion des A380 ein.

A380 sollte „Königin der Lüfte werden“

Trotzdem sorgt der A380 zumindest für einen Imageschaden. „Heute beginnt ein neues Kapitel in der Luftfahrtgeschichte“, sagte Airbus-Chef Tom Enders am 15. Oktober 2007. Und Chew Choon Seng sprach in seiner Rede sogar von einer „neuen Königin der Lüfte“.

Gerade hatte der Vorstandsvorsitzende von Singapore Airlines den ersten ausgelieferten A380 erhalten. Zehn Tage später startete der erste kommerzielle Flug mit dem größten Passagierflugzeug der Welt. Es geht von Singapur nach Sydney. Die Tickets waren heiß begehrt. Ein Passagier zahlte 70.000 Euro für seine Bordkarte.

A380 wird verschrottet – das Wichtigste in Kürze:

  • Mehr als elf Jahre nach der Auslieferung wird der erste A380 wieder verschrottet
  • Der Riesen-Jet galt bereits als „Königin der Lüfte“
  • Jetzt soll ein A380 in Einzelteile zerlegt werden
  • Wertvolle Teile wie die Triebwerke sollen verkauft werden

Der Jet soll in Einzelteile zerlegt werden

Mehr als elf Jahre später herrscht Ernüchterung. Der A380 mit der Seriennummer „MSN003“ wird nie mehr abheben. Seit Monaten steht der Riesenjet auf dem Flughafen von Tarbes in Südfrankreich.

Am 2. Dezember rückten die Mitarbeiter von Tarmac Aerosave an, wurde jetzt bekannt. Die Firma ist spezialisiert auf Wartung, Einmotten und Recyceln von Flugzeugen.

Auftrag: das letzte Kapitel von „MSN003“ schreiben. Der Jet soll in Einzelteile zerlegt und diese anschließend verkauft werden.

Warum wird der A380 zerlegt?

Das Flugzeug gehört dem Fondshaus Dr. Peters, Anleger haben den Kaufpreis von rund 200 Millionen Dollar bezahlt. Singapore Airlines mietete den Jet für zehn Jahre. Im Herbst 2017 ließ die Fluggesellschaft den Vertrag auslaufen.

A380 wird bei Landung in Düsseldorf durchgeschüttelt

A380 wird bei Landung in Düsseldorf durchgeschüttelt
A380 wird bei Landung in Düsseldorf durchgeschüttelt

Dr. Peters verhandelte mit Airlines wie British Airways, Hi Fly und Iran Air – vergeblich. Im Sommer entschloss sich Dr. Peters, das Flugzeug, in Einzelteile zerlegt, zu Geld zu machen.

Warum ist der A380 nicht gefragt?

„Der Markt für das Flugzeug ist mausetot“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Das gelte zum einen für den Zweitmarkt, wie man an den gescheiterten Verhandlungen mit Airlines sehe – obwohl die tragenden Strukturen nicht einmal die Hälfte ihrer Lebensdauer erreicht haben, 20 bis 40 Jahre können Maschinen normalerweise fliegen. Aber das typische zweite Leben bleibe dem A380 verwehrt.

Nach ihrem Einsatz als Passagierflieger werden sie häufig zu Frachtern umgebaut. Für den A380 komme das aufgrund seiner Struktur mit Ober- und Unterdeck nicht infrage. Zum anderen ist die Lage auch für neue Flugzeuge schwierig.

Seit 2015 erhielt Airbus nur einen Auftrag: Anfang 2018 bestellte Emirates 20 Stück des A380 und vereinbarte eine Option über 16 weitere Maschinen. Bei Airbus sind durch die schlechte Auftragslage Tausende Jobs in Gefahr.

Was sind die Gründe für die Verkaufsschwierigkeiten?

Für die Verkaufschwierigkeiten gebe es zwei Hauptgründe, sagt Großbongardt: „Die Zahl der Strecken, auf denen man das Flugzeug voll bekommt, ist begrenzt und wächst nicht.“ Außer Emirates schaffte es keine Airline, ein Geschäftsmodell für das Flugzeug mit hoher Stückzahl zu entwickeln.

Emirates erhielt mit 108 Maschinen fast die Hälfte aller Riesen-Flieger und schaffte es so, Dubai zum Drehkreuz auszubauen. „Zudem ist der A380 technisch mittlerweile vom A350 sowie Boeings 787 und 777-x überholt worden“, sagt Großbongardt. Die Betriebskosten lägen pro Passagier um etwa 15 Prozent niedriger.

Hinzu kommen auch Berichte über technische Probleme: So mussten 2017 die Triebwerke eines A380-Typs nach Notlandung eines Flugzeugs gecheckt werden.

Wie reagiert Airbus auf die Probleme?

Airbus drohte mit dem Aus für das Flugzeugprogramm, falls keine Aufträge kommen – bis Emirates bestellte. Nun sicherte der Hersteller zu, den A380 mindestens bis Mitte der 20er-Jahre zu bauen. Allerdings wurde die Fertigungsrate gesenkt.

A380 bringt anderen Flieger fast zum Absturz

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A380 bringt anderen Flieger fast zum Absturz

Wurden 2015 noch 27 Exemplare ausgeliefert, sollen ab 2020 nur noch sechs Stück pro Jahr gebaut werden. In Hamburg erfolgen zum Beispiel der Einbau der Kabine und die Lackierung. Mitarbeiter wechseln durch die Produktionsdrosselung in andere Programme wie den Kurzstreckenjet A320.

Wie sieht die Zukunft des A380 aus?

Der Hersteller gibt sich optimistisch. „Wir sind zuversichtlich für den Zweitmarkt beim A380. Die Maschinen können zu günstigen Konditionen geleast oder gekauft werden“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion.

Dass die erste ausgelieferte Maschine neuer Flugzeugtypen schnell zerlegt wird, sei nicht unüblich. So sei Boeings erste 787 nach acht Jahren zerlegt worden. In der Tat hätten diese Flugzeuge gewisse Nachteile, sagt Großbongardt:

„Ihr Gewicht ist in der Regel zu hoch.“ Häufig könnten bei einem Großraumflugzeug noch bis zu fünf Tonnen Gewicht eingespart werden.

Weitere A380 könnten verschrottet werden

Auch wenn die Kinderkrankheiten beseitigt seien, ist er für die Zukunft pessimistisch. „Dass ein Flugzeug nach gut elf Jahren auf dem Abwrackhof landet, ist schmerzlich – und ein Imageschaden für Airbus und den A380.“

Es mache es nicht leichter, den Typ zu verkaufen. Zudem könnten weitere A380 verschrottet werden. Großbongardt: „Es gibt A380, die werden wie Sauerbier angeboten.“

Was passiert bei der Zerlegung des A380?

Zunächst werden Vorarbeiten erledigt wie das Ablassen von Hydrauliköl und Bremsflüssigkeit sowie das Leeren der Tanks.

Dann werde ähnlich vorgegangen wie bei einer Grundüberholung. „Alles, was an Ersatzteilen gängig ist, wird fachgerecht ausgebaut und dokumentiert“, so Großbongardt. Dazu zählen Hydraulik- und Treibstoffpumpen, Leitungen und Cockpitinstrumente. Das Wertvollste sind die Triebwerke.

„Auch hier liegen schon Angebote vor“, sagt Dr.-Peters-Sprecherin Ulrike Germann. In Tarbes parken noch zwei weitere A380, die dem Fondshaus Dr. Peters gehören. Tarmac Aerosave soll diese Maschinen für eine längere Parkdauer fertig machen. Bei Bedarf sollen sie wieder in den Flugbetrieb einscheren.

Wie viel wiegt ein Airbus A380?

Der A380 ist das schwerste und größte Passagierflugzeug der Welt. Er ist 73 Meter lang, 24 Meter hoch und wiegt insgesamt 560 Tonnen. Die Anzahl der Passagiere ist bei jeder Airline unterschiedlich.