Datenschutz

Gab Facebook Netflix und Spotify Zugriff auf Privatchats?

Facebook ist offenbar in einen weiteren Datenskandal verwickelt. Laut „New York Times“ konnten große US-Firmen User-Daten einsehen.

Facebook steht erneut wegen eines möglichen Datenskandals im Fokus.

Facebook steht erneut wegen eines möglichen Datenskandals im Fokus.

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Berlin.  Facebook muss sich erneut mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Daten seiner Nutzer unerlaubt weitergegeben zu haben. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge hat das soziale Netzwerk anderen großen US-Firmen über Jahre hinweg Einblick in persönliche Daten seiner Nutzer gegeben.

Laut der Zeitung, die sich unter anderem auf interne Facebook-Unterlagen beruft, wurde den Streamingdiensten Spotify und Netflix sogar erlaubt, private Nachrichten von Facebook-Nutzern mitzulesen.

Die Programmierer der Microsoft-Suchmaschine Bing sollen Zugriff auf Informationen von allen Verbindungen der Facebook-Nutzer untereinander gehabt haben. Ähnliche Privilegien sollen Amazon und Yahoo gehabt haben. Privilegien, die weit darüber hinaus gehen über das, was Facebook zur Datennutzung in seinen Geschäftsbedingungen schreibt.

Das sagt Facebook zu den Vorwürfen

Facebook wies die Vorwürfe zurück. Man habe keinem Unternehmen Einblick in seine Daten gegeben ohne Erlaubnis der Nutzer, erklärte Facebook-Manager Konstantinos Papamiltiadis am Dienstag in einem Blog.

Facebook betonte, die Integrationspartner Apple, Amazon, Blackberry und Yahoo hätten Daten nur dann einsehen können, wenn die Nutzer „sich vor ihrer Verwendung explizit bei Facebook anmelden“. Facebook erklärte zudem, fast alle diese Partnerschaften beendet zu haben bis auf Apple und Amazon.

Facebook-Chef Zuckerberg hatte „volle Kontrolle“ über Daten versprochen

Die Enthüllungen rücken Mark Zuckerberg einmal mehr in ein fahles Licht. Der Facebook-Chef hatte nach dem Datenskandal um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica versprochen, dass sein Unternehmen strengere Datenschutz-Richtlinien beachten werde. Den Nutzern sagte er „volle Kontrolle“ über ihre Daten zu.

Im März war bekannt geworden, dass Cambridge Analytica Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen abgreifen konnte. Alleine in Deutschland waren es 310.000.

Cambridge Analytica hatte die Daten über Apps auf Facebook gewonnen und für Werbung im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 genutzt. Noch Monate nach Bekanntwerden des Skandals hatte Bundesjustizministerin Katarina Barley Facebook dafür kritisiert, kaum ernsthafte Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen zu haben.

App-Entwickler konnten private Fotos von Facebook-Usern sehen

Erst am vergangenen Freitag hatte Facebook eine weitere Datenpanne eingeräumt. Wie es in einem Blog-Post des Unternehmens heißt, hatten 876 Entwickler zwischen dem 13. und 25. September 2018 Zugriff auf Nutzerfotos. Das Datenleck befand sich in Apps, denen Nutzer Zugriff auf bereits gepostete Fotos auf der Timeline ermöglichte.

Ob und wie viele Fotos auf diesem Wege letztendlich in den falschen Händen landeten, blieb unklar. Insgesamt sollen 6,8 Millionen Profile betroffen gewesen sein. Auf eine Nachfrage unserer Redaktion bei Facebook hieß es dazu, dass noch nicht viel mehr Details bekannt seien, als die erste Meldung des Unternehmens bereithielt.

Die App-Entwickler hatten jedoch nicht nur Zugriff auf Fotos, die mit Facebook-Kontakten auf der Timeline geteilt wurden – sondern auch auf Fotos, die Nutzer gar nicht gepostet haben. Auch Fotos aus Facebook-Stories, die nur eine begrenzte Zeit online sind, hätten abgegriffen werden können, heißt es in dem Blog-Beitrag. Fotos aus dem Marketplace, dem Kleinanzeigen-Portal von Facebook, waren ebenfalls betroffen.

Auch Netflix reagierte auf die Vorwürfe. Im Laufe der Jahre habe der Streaming-Dienst verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, um den Dienst sozialer zu gestalten, heißt es in einem Statement.

„Ein Beispiel dafür war eine Funktion, die wir 2014 starteten. Sie ermöglichte Mitgliedern, Facebook-Freunden Serien und Filme über den Messenger oder Netflix zu empfehlen. Da das Feature nicht gut ankam, haben wir es 2015 wieder abgeschaltet“, heißt es in der Mitteilung. Und das Unternehmen beteuert: „Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit dazu gebeten.“(ba/ac/les)