Finanzen

Stresstest: Europas Banken für Krisenfall besser gerüstet

Europas Banken müssen nachweisen, ob sie für Krisen gerüstet sind. Die NordLB schneidet unter deutschen Banken am schlechtesten ab.

Die Zentrale der NordLB am frühen Morgen.

Die Zentrale der NordLB am frühen Morgen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

London/Frankfurt.  Sind die europäischen Banken gut für eine Krise gerüstet? Das wollte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) in ihrem nunmehr dritten Stresstest herausfinden. Auf den Prüfstand stehen 48 Großbanken aus 15 Ländern der Europäischen Union (EU) und Norwegen. Davon kommen 37 aus dem Euroraum. Das Kernergebnis: Europas Aufseher haben den Großbanken am Freitagabend ein insgesamt solides Zeugnis in Sachen Krisenfestigkeit ausgestellt.

1. Was wurde konkret getestet?

Das Szenario gilt als streng. Angenommen wird ein starker Konjunkturabschwung über drei Jahre. Wie stark dieser definiert wird, das unterscheidet sich nach der Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. So sollten die italienischen Banken einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,7 Prozent simulieren, die deutschen Institute einen Abschwung um 10,1 Prozent.

Die Deutschen werden deutlich stärker auf den Prüfstand gestellt, weil hierzulande die Wirtschaft so boomt und sie deshalb erst einen ungleich stärkeren Abschwung deutlich zu spüren bekämen. Bei einem solchen Wirtschaftseinbruch würde die Arbeitslosigkeit steigen, viele Menschen könnten ihre Immobilienkredite nicht mehr bezahlen, die Aktienkurse würden einbrechen.

Die EBA hat etwa vorgegeben, dass die Arbeitslosenquote auf 9,7 Prozent im Jahr 2020 steigt und die Immobilienpreise stark zurückgehen. Diesen Stress können nur Banken aushalten, die ein genügend dickes Kapitalpolster haben. Basis für die Berechnung waren Ende 2017.

2. Was ist herausgekommen?

Im Schnitt haben die geprüften Banken eine harte Kernkapitalquote im Jahr 2020 von 10,1 Prozent erreicht. Wenig überraschend: Die italienischen lagen darunter. Wie aussagekräftig diese Zahlen sind, ist jedoch fraglich.

Denn die italienischen Banken halten gut 300 Milliarden an Staatsanleihen. Die aber wurden nicht berücksichtigt, obwohl sie wegen der aktuellen Haushaltsstreitigkeiten mit der EU im Wert sinken und damit auch die Tragfähigkeit der italienischen Institute.

3. Wie schneiden die deutschen Banken in dem Stresstest ab?

Das ist die größere Überraschung: acht Institute wurden getestet, davon liegen sechs Banken unter dem Durchschnitt. So zeigt die Commerzbank unter dem angegeben Stress für 2020 eine harte Kernkapitalquote von 9,9 Prozent, die Deutsche nur eine von gut 8,1 Prozent, das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ-Bank weist 8,97 Prozent auf, die Bayerische Landesbank 9,44 Prozent, die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) 9,96 Prozent.

Das Schlusslicht ist die Nord/LB mit 7,07 Prozent. Nur die Landesbank Baden-Württemberg und die NRW.Bank schneiden besser ab. Dass die Nord LB an letzter Stelle landet, ist wenig verwunderlich: Sie hat ihre Kapitalnöte schon öffentlich gemacht und sucht derzeit nach einem Investor.

Bei einer Kapitalquote von gut sieben Prozent 2020 könnte man allenfalls in Frage stellen, ob die Helaba gut beraten wäre, einen Teil der Nord LB zu übernehmen als Kern einer avisierten Super-Landesbank. Dieser Plan wird ja derzeit im Sparkassenlager erörtert.

4. Ist eine Bank durchgefallen?

Die EBA hat wie schon vor zwei Jahren darauf verzichtet, eine einheitliche Kapitalquote für alle geprüften Geldhäuser vorzugeben. Deshalb gibt es auch keine Durchfaller oder Besteher. Aber man kann anhand der Ergebnisse ablesen, wer im Falle einer Krise zu wenig Kapital vorweisen könnte.

In dem Test werden zahlreiche Daten erhoben, die die EZB-Bankenaufsicht in ihre Arbeit einfließen lassen wird. Sie wird also Instituten, deren Kapitaldecke als dünn gilt, dann Auflagen geben, sich mehr frisches Geld zu besorgen.

5. Wie kommt es, dass die deutschen Banken nicht so gut dastehen?

Das liegt an den gegenüber den anderen Ländern deutlich härteren Bedingungen, die die EBA angelegt hat wie eben den kräftigeren Wirtschaftseinbruch. Außerdem sind die deutschen Banken wegen des starken Wettbewerbs nicht sehr profitabel.

6. Welche Institute schnitten noch schlechter ab?

Der Stresstest hat die britische Großbank Barclays so schwer erwischt wie kein anderes Geldhaus. Die harte Kernkapitalquote des Instituts halbierte sich im angenommenen Krisenszenario bis zum Jahr 2020 von 13,28 Prozent auf 6,37 Prozent. Kaum besser lief es für die Großbank Lloyds, deren Kernkapitalquote im Krisenszenario von 14,06 Prozent auf 6,80 Prozent sackte.


7. Welchen Sinn hat ein Stresstest, wenn es keine Durchfaller gibt?

Er gibt den Aufsehern und der Öffentlichkeit Einblick in Daten, die sie ansonsten nicht einsehen könnten. Das hilft bei deren Beurteilung, das hilft aber auch den Banken, Schwachpunkte in ihrer Bilanz zu erkennen und diese zu beheben