Fachkräftemangel

Bei Mittelständlern bleibt jede dritte Stelle unbesetzt

Die meisten Firmen in Deutschland sind kleine und mittelgroße Unternehmen. Sie trifft der Fachkräftemangel laut einer Studie besonders.

Viele Handwerksbetriebe finden keine Fachkräfte mehr.

Viele Handwerksbetriebe finden keine Fachkräfte mehr.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa-tmn

Berlin.  Wie sehr der Fachkräftemangel der Wirtschaft zusetzt, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in dieser Woche bei der Vorstellung der Herbstprognose deutlich gemacht: Für 2019 erwartet die Bundesregierung nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent. Es könnte mehr sein, sagte Altmaier. Wären da nicht die Engpässe beim Personal, etwa am Bau: „Dadurch bleibt so manche Investition aus.“

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat nun herausgefunden, dass der Fachkräftemangel offenbar zunehmend kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) betrifft. Bei Jobs und Ausbildungsberufen, die vor allem von KMUs nachgefragt werden, klafft die größte Personallücke. Das geht aus der Untersuchung hervor, die unserer Redaktion vorliegt. „Der Mangel erfasst mehr und mehr Regionen und Branchen“, erklärt IW-Expertin Paula Risius. Dabei gehe es immer öfter um beruflich qualifizierte Fachkräfte, nicht um Akademiker.

2017 waren rund 72 Prozent aller offener Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben – also in solchen Berufen, in denen es mehr freie Stellen als verfügbare Fachkräfte gibt. Noch vor fünf Jahren traf dies auf 47 Prozent der Stellen zu. Lange war das ein Problem, mit dem sich vor allem Konzerne herumschlagen mussten. Weil besonders sie Fachleute wie Informatiker, Maschinenbauer, also Personal mit akademischem Profil, nachfragen. Zwar sind auch sie nach wie vor stark betroffen.

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Kleine Unternehmen können jede dritte Stelle nicht besetzen

Doch das IW beobachtet, dass sich der Fachkräftemangel zunehmend auf KMUs ausweitet – sie stellen immerhin über 99 Prozent aller Firmen in Deutschland. Im Schnitt können kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern jede dritte Stelle nicht besetzen, heißt es in der Studie. Die Firmen arbeiteten oft an der Auslastungsgrenze und könnten neue Aufträge nicht annehmen.

Zu den typischen KMU-Stellen gehören handwerkliche Berufe und Jobs, für die eine Berufsausbildung nötig ist. Ebendiese Stellen sind derzeit besonders schwer zu besetzen. Unter den zehn Berufen mit den größten Engpässen aus dem Bereich nichtakademische Fachkräfte (zweijährige Berufsausbildung) sind der Studie zufolge sechs typische KMU-Berufe. Darunter Altenpfleger, Bauelektriker sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker. Natürlich stellen KMUs auch Akademiker ein.

Und damit wird der Fachkräftemangel für sie zu einer doppelten Herausforderung: Denn bei der Suche nach Studierten treten sie in Konkurrenz zu den Konzernen. Den Wettbewerb aber verlieren sie meist, weil sie keine horrenden Gehälter bezahlen können, weil sie keinen wohlklingenden Namen haben oder weil sie in der Provinz sitzen.

Experten empfehlen Investitionen in Ausbildungsplätze

Eine Möglichkeit, dem Mangel beizukommen, ist den Autoren zufolge die Investition in den eigenen Nachwuchs. Seit 2012 ist die Zahl der Ausbildungsplätze in Engpassberufen den Studienautoren zufolge um 13 Prozent gestiegen. In vielen Regionen Deutschlands aber finden Firmen kaum noch Azubis. Zu den für KMUs typischen Ausbildungsstellen mit dem größten Nachwuchsmangel gehören etwa der Natursteinmechaniker (2017 blieben 37 Prozent aller Ausbildungsplätze unbesetzt), der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (36 Prozent) oder Klempner (34 Prozent). Weil der Kampf um Fachkräfte also längst zu einem zwischen Mittelständlern und Großunternehmen geworden ist, empfehlen die Autoren den Firmen, eine starke Marke aufzubauen.

Die Autoren fordern deshalb: „KMUs benötigen mehr Unterstützung bei der Werbung für eine Berufsausbildung und bei der Erschließung neuer Zielgruppen, wie beispielsweise Geflüchtete.“