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Jahresabschluss: Medienhaus DuMont verbucht Gewinnsprung

Der DuMont Mediengruppe geht es gut, doch beim Stammgeschäft schwächelt sie. Die „Dame“-Redaktionsleitung übernimmt eine Modebloggerin.

Das Neven DuMont Haus in Köln-Niehl ist der Stammsitz der DuMont Mediengruppe.

Das Neven DuMont Haus in Köln-Niehl ist der Stammsitz der DuMont Mediengruppe.

Foto: DuMont Mediengruppe

Hamburg.  Die nächste, im November dieses Jahres erscheinende Ausgabe von Axel Springers Edel-Frauentitel „Die Dame“ wird die Modebloggerin Julia Knolle als Redaktionsleiterin verantworten. Das bestätigt das Medienhaus auf Anfrage. Sie folgt auf die Feministin Silke Burmester, unter deren Leitung das aktuelle Frühjahr-Sommer-Heft entstand, in dem es in einem Stück auch mal um das Thema Abtreibung ging.

Das von Knolle geplante Heft dürfte andere Schwerpunkte setzen. Springer wechselt ganz bewusst für jede Ausgabe der „Dame“ die Redaktionsleiterin aus. Einzige Konstante ist der Kunstsammler Christian Boros als Herausgeber.

„Dame“-Redaktionsleiterin hat bisher kaum Print-Erfahrung

Knolle gründete 2007 das Modeblog „LesMads“, das 2010 mit dem Lead Award als bestes Weblog des Jahres ausgezeichnet wurde und 2011 eine Nominierung für den Grimme-Online-Preis erhielt. Im selben Jahr wurde die Journalistin Digital-Chefin der deutschen „Vogue“. Zuletzt verantwortete sie das Modeblog „Hey Woman!“.

Abgesehen von einer Buchproduktion über „LesMads“ im Auftrag des Berlin Verlags hat Knolle keine Print-Erfahrung. Doch das sieht sie eher als Herausforderung: „Die Aufgabe, ein substanzielles und hochwertiges Print-Magazin zu machen, hat mich vom ersten Moment gereizt“, sagt sie. Und weiter: „In Zeiten der digitalen Schnelllebigkeit scheint der Bedarf nach Entschleunigung und nachhaltiger Relevanz stetig zu steigen – genau hier beginnt der kreative Prozess, spannende und aktuelle Themen aufzubereiten.“

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Jahresüberschuss der DuMont Mediengruppe gestiegen

Wie ein Zeitungsverlag im digitalen Zeitalter so funktioniert, offenbart sein Eintrag im Bundesanzeiger. Dort hat die DuMont Mediengruppe, der Blätter wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Berliner Zeitung“, die „Mitteldeutsche Zeitung“ und die „Hamburger Morgenpost“ gehören, vor ein paar Tagen ihren Jahresabschluss für 2017 eingestellt. Dem Haus geht es recht gut: Der Umsatz legte um etwa vier Prozent auf 615 Millionen Euro zu. Der Jahresüberschuss stieg von 3,2 Millionen auf 6,5 Millionen Euro.

Allerdings schwächelt das Stammgeschäft des Verlags: Die Umsätze der Tageszeitungen gingen zurück. Das hat offenbar mit Problemen im klassischen Werbegeschäft mancher Titel zu tun: Von „Plan-Unterschreitungen“ an bestimmten, nicht näher bezeichneten Standorten ist im Jahresabschluss die Rede.

Im Rheinland hingegen sei das Werbegeschäft so gut gelaufen, dass es die Probleme anderenorts habe „weitgehend kompensieren“ können. Hauptsächlich dürfte das Plus bei Umsatz und Gewinn aber auf die Radio-Beteiligungen, die bei DuMont liegende Produktion des Bundesanzeigers sowie die Anzeigenblätter des Hauses zurückzuführen sein.

Bauer stellte DuMont wieder auf solide Basis

Hinter DuMont liegen schwere Zeiten. 2012 machte der Verlag 112 Millionen Euro Verlust. Das lag vor allem an der Insolvenz der „Frankfurter Rundschau (FR)“, die später unter dem Dach der „FAZ“ saniert wurde und heute der Münchner Ippen-Gruppe gehört.

Der 2015 gestorbene Alt-Verleger Alfred Neven DuMont hatte sein Haus mit dem Einstieg bei der „FR“, aber auch mit der Übernahme des Berliner Verlags („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“) überfordert. Der 2013 als Sanierer geholte heutige Verlagschef Christoph Bauer hat DuMont wieder auf eine solide Basis gestellt.

Für 2018 rechnet DuMont mit einem Jahresüberschuss „in mittlerer einstelliger Millionen Euro Größenordnung“.