Die wirtschaftliche Aufholjagd der Chinesen ist nicht zu bremsen. Erstmals sind in diesem Jahr zwei Großunternehmen aus dem Reich der Mitte in die Top 10 der weltweit größten Konzerne aufgestiegen: Die Internetgiganten Tencent und Alibaba schafften nicht nur den Sprung auf Platz sieben und acht der wirtschaftlichen Elite, sondern konnten zugleich innerhalb eines Jahres ihren Marktwert auf jeweils über 440 Milliarden Dollar (367 Milliarden Euro) mehr als verdoppeln – ein Erfolg, der keinem anderen Unternehmen gelang. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung EY. Tencent betreibt unter anderem Sofortnachrichtendienste und soziale Netzwerke, Alibaba wiederum einen florierenden Onlinehandel und gilt als größte IT-Firmengruppe Chinas.
An den Spitzenpositionen der 100 teuersten Unternehmen der Welt hat sich im Vergleich zum Vorjahr unterdessen nichts geändert. Sie bleiben fest in der Hand US-amerikanischer Unternehmen. Die großen Internetkonzerne Apple (Börsenwert: 876 Milliarden Dollar), die Google-Mutter Alphabet (733 Milliarden) sowie Microsoft (661 Milliarden) bilden das Spitzentrio. Danach folgen der Internethändler Amazon, das soziale Netzwerk Facebook und der von Star-Investor Warren Buffett geführte Investmentfonds Berkshire Hathaway.
Europa spielt in der Topliga der Welt mittlerweile eine nachrangige Rolle. Insgesamt zählen 24 europäische Firmen zu den wertvollsten hundert. Der teuerste europäische Konzern ist die Royal Dutch Shell. Der niederländische Energiekonzern rangiert mit einem Marktwert von 276 Milliarden Dollar auf Platz 17.
Aus Deutschland haben es in diesem Jahr lediglich sechs Konzerne unter die Top 100 geschafft. Das wertvollste deutsche Unternehmen ist dabei SAP. Der Softwarekonzern aus Walldorf nimmt mit einem Börsenwert von 135 Milliarden Dollar Rang 62 ein – und ist damit gerade mal ein Drittel so viel wert wie einer der chinesischen Shootingstars. Zu den 100 Größten zählen zudem noch der Industriekonzern Siemens, Bayer, die Allianz, BASF und Volkswagen.
„Obwohl die europäische Wirtschaft sich derzeit deutlich erholt, spielen Europas Top-Konzerne an den Weltbörsen nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland. US-Konzerne dominierten weiter die Börsen, während asiatische Unternehmen stark aufholten. So komme fast jeder fünfte Top-Konzern bereits aus Asien – insgesamt 22.
Die Rangliste offenbart zudem, dass die größten Wertzuwächse in diesem Jahr hauptsächlich im Bereich digitaler Zukunftstechnologien erzielt werden. „Auf diesem Feld sind die US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen führend“, führt Barth aus. In Europa dominierten dagegen noch die traditionellen Industriebranchen. „Der digitale Wandel geht in Europa noch zu langsam voran.“
Die Start-up-Szene ist nach Einschätzung von EY in Deutschland, Großbritannien und Frankreich inzwischen sehr aktiv und ist zum Treiber der Digitalisierung der Wirtschaft geworden. Auch hier sieht der EY-Geschäftsführer Aufholbedarf: „Junge Unternehmen erreichen jedoch bei Weitem nicht die Investitionskraft und die Wachstumszahlen, wie wir sie aus dem Silicon Valley und Asien kennen.“
Die meisten Unternehmen unter den Top 100 sind Konsumgüterhersteller – insgesamt 24. Stark vertreten ist auch der Finanzsektor mit 21 Konzernen, die Informationstechnologie (19) und das Gesundheitswesen (15). Klassische Industriekonzerne spielen dagegen laut EY unter den wertvollsten Firmen mit acht Vertretern nur noch eine untergeordnete Rolle.
Insgesamt konnten die 100 Weltkonzerne 2017 einen großen Wertzuwachs verzeichnen: Ihr Marktwert kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 20,2 Billionen Dollar – davon entfallen allein 60 Prozent auf US-Konzerne. Auch der Wert der sechs deutschen Top-Firmen stieg um 27 Prozent auf 662 Milliarden Dollar. Allerdings sind die großen sechs damit gerade mal so viel wert wie die US-amerikanische Softwareschmiede Microsoft.

