Berlin

Der Markt für Stauraum boomt

Die Self-Storage-Branche will den Keller ersetzen. In den nächsten Jahren sollen in Deutschland 300 neue Lagerstandorte entstehen

Berlin. Ob Ski, Surfbrett, altes Spielzeug oder Gartenmöbel: Die Deutschen besitzen viel, Platz in der Wohnung ist aber oft rar. Daraus haben findige Unternehmer ein Geschäftsmodell entwickelt. MyBox oder Lagerbox bieten Stauraum, oder, wie es die Branche nennt: Fläche für Self Storage. Und der Markt für solche Miet-Abstellkammern boomt. Allein im vergangenen Jahr ist die Branche um 20 Prozent gewachsen, für 2017 werden sogar 25 Prozent prognostiziert. Im Angebot sind Flächen ab einem Quadratmeter.

„Das Leben rennt, Menschen müssen flexibler sein als je zuvor. Self Storage ist ein urbanes Produkt, das versucht, Schritt zu halten“, sagt Marc Oursain, Président Directeur des europäischen Marktführers Shugard. Mit Vertretern der Branche sprach er am Dienstag über ihre Chancen auf der Self-Storage-Konferenz in Berlin.

Weil die Bevölkerung vor allem in großen Städten wächst, der Wohnungsbau aber nicht Schritt hält, wird es bei vielen eng. Schon um die Jahrtausendwende entstanden deshalb erste Lagerhallen – ausschließlich, um sie aufgeteilt zu vermieten – etwa in deutschen Metropolen wie Berlin, Hamburg und Frankfurt/Main. Ursprünglich kommt das Konzept aus den USA, wo man bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts versuchte, so das Platzproblem der städtischen Bevölkerung zu lösen. Hierzulande kämpft die Branche noch etwas: Viele könnten mit dem Begriff ,Self Storage’ zunächst nichts anfangen, sagt Oursain. „Sie wissen nicht, wie das funktioniert.“

Dabei ist das Prinzip einfach: Die blickdichten Lagerboxen können in verschiedenen Größen für ein paar Tage, Wochen oder mehrere Monate angemietet werden. Sie sind temperiert, damit alles, was abgestellt wird, beim Abholen noch so aussieht wie beim Einlagern. Mithilfe eines Zahlencodes haben Kunden beinahe rund um die Uhr Zugang zu ihrem Hab und Gut in den Lagern – ganz so, als stünden die Sachen im eigenen Keller.

„Die Urbanisierung in Deutschland schreitet gerade extrem schnell voran, Wohnraum wird immer knapper“, sagt Christian Lohmann, Geschäftsführer des Verbandes deutscher Self Storage Unternehmer. Wo früher Dachböden Lagerraum geboten haben, wird heute jeder Quadratmeter zu Wohnraum umgebaut. Neubauten werden aus Kostengründen häufig nicht mehr unterkellert. Wo Platz für den Menschen geschaffen werden soll, verschwindet Raum für das, was zu ihm gehört.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft wird die deutsche Bevölkerung wachsen. 2035 werden demnach mehr als 83 Millionen Einwohner in Deutschland leben, allein in Berlin sollen es dann mehr als vier Millionen Menschen sein, eine halbe Million mehr als heute. Die Lage in den großen Ballungszentren wird sich also wohl verschärfen. Mittlerweile sei selbst in kleineren Städten mit 20.000 bis 30.000 Einwohnern die Nachfrage nach Lagerflächen groß, sagt Verbandschef Lohmann.

220 Self-Storage-Standorte gibt es derzeit in Deutschland. In den kommenden zehn Jahren sollen weitere 300 entstehen. Und das, obwohl die Markteintrittsbarrieren hoch sind. Denn die Lagerhallen sind teuer, unter anderem wegen Videoüberwachung, Raumklimaregelung und Schutz vor Schädlingen. Und dann sind da noch die hohen behördlichen Sicherheitsstandards, die Geld kosten. „An erster Stelle steht hier der Brandschutz“, sagt Verbandschef Lohmann.