Berlin

Pauschalreiseanbieter JT Touristik meldet Insolvenz an

Der Versicherer Generali zwingt das Berliner Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit. Zukunft der Beschäftigten ist unklar. Kunden verunsichert

Berlin. Noch vor einer Woche galt JT Touristik als ein großer Player unter den deutschen Pauschalreiseanbietern: 135 Destinationen weltweit bietet das Unternehmen an, Marktführer in den Vereinigten Arabischen Emiraten, 176 Millionen Euro Jahresumsatz. An der Spitze des Unternehmens: Initialengeberin Jasmin Taylor, Gründerin von JT Touristik und schillernde Berliner Persönlichkeit.

Nun hat das Berliner Unternehmen Insolvenz angemeldet. JT Touristik habe derzeit keine greifende Kundengeldversicherung, hieß es. Reiseveranstalter in Deutschland sind gesetzlich dazu verpflichtet, dem Kunden nach der Buchung einer Pauschalreise einen solchen Sicherungsschein auszustellen. Doch nachdem der Versicherungskonzern Generali den Vertrag mit dem Unternehmen gekündigt hatte, konnte keine passende Anschlussversicherung abgeschlossen werden. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, dass die Policen anderer Versicherer derart hoch seien, dass JT Touristik die geforderten Leistungen nicht erbringen könne.

Ein Generali-Sprecher bestätigte, dass der Versicherer beschlossen habe, sich aus Kosten-Nutzen-Gründen aus dem Tourismus-Sektor zurückzuziehen. In diesem Zuge sei auch der Vertrag mit JT gekündigt worden. Infolge der Insolvenz des Leipziger Online-Reisebüros Unister sind zahlreiche Versicherer von diesem Markt zurückgetreten. Andere Anbieter haben die Preise ihrer Policen derart angehoben, dass die Sicherheitszahlungen, die von den Veranstaltern geleistet werden müssen, stark angestiegen sind.

Geschäftsführerin Jasmin Taylor äußerte sich bisher nicht zu der Insolvenz. Sonst suchte die Unternehmerin gerne die Öffentlichkeit: Jedes Jahr zur Touristikmesse ITB lädt die Geschäftsfrau Prominente wie Modeschöpfer Guido Maria Kretschmer und Moderatorin Birgit Schrowange zu ihren „Pink Carpet Partys“ ein. Die Wände ihres begehbaren Kleiderschranks in ihrer Villa im Berliner Westend seien in pinkfarbene Seide gehüllt, verriet sie einst.

Man arbeite mit Hochdruck daran, dass das Unternehmen auch weiterhin fortbestehen könne, hieß es von einer beauftragten PR-Agentur. Insolvenzverwalter Stephan Thiemann soll nun den Reiseanbieter sanieren. „Mit seiner Hilfe wird das Team in den kommenden Tagen einen Plan ausarbeiten, wie die Perspektiven und Rettungschancen aussehen können“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Momentan beschäftigt JT Touristik 64 Mitarbeiter. Ob sie ihre Jobs behalten können, ist noch unklar.

Die betroffenen Kunden sind indes wütend und besorgt. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens werden die Beschwerden immer lauter. Dort heißt es, vor Ort dürften Urlauber teilweise nicht mehr in die Hotels, müssten Flüge nochmals buchen und bezahlen.

„Wir garantieren für alle Reisen, die bis zum 31. Oktober angetreten werden, vollen Versicherungsschutz“, teilte JT Touristik mit. Was mit Reisen passiert, die für einen späteren Zeitpunkt gebucht wurden, ist unklar.