Berlin

Bitcoin-Kurs verliert deutlich an Wert

Nachdem zwei Börsenplätze in China den Handel beenden, stürzt die Digitalwährung ab

Berlin.  Vielleicht wird Bitcoin auch diesen herben Rückschlag überleben. Aber erst einmal ist die Internetwährung diskreditiert. Ihr Kurs stürzte am Freitag auf der Handelsplattform BitPoint zwischenzeitlich um 30 Prozent auf 2767 Dollar ab, nachdem sie Anfang September mit gut 4600 Dollar auf ihr bisheriges Rekordhoch in der zehnjährigen Geschichte gestiegen war. Allerdings kostete Bitcoin immer noch gut dreimal so viel wie zu Jahresbeginn.

Aktueller Anlass für den Kurssturz war die Pleite von zwei Internetbörsen in China, auf denen Bitcoins gehandelt werden. Binnen 24 Stunden kündigten zuerst die BTC China und dann die Via­BTC an, ihren Betrieb einzustellen. Via­BTC begründete den Schritt mit Warnungen chinesischer Behörden. Sie hatten nach massiven Käufen chinesischer Anleger auf die Risiken der Cyber-Währungen aufmerksam gemacht. Es gibt sogar Berichte, wonach die Regierung in Peking den Handel mit Krypto-Währungen ganz verbieten wolle.

Zudem hatte diese Woche Jamie Dimon, Chef der US- Großbank JP Morgan, den Bitcoin als „Betrug“ bezeichnet, der bald auffliegen werde. Er werde jeden Händler feuern, der Bitcoin kaufe oder verkaufe. Die Preisblase dort sei schlimmer als bei der Tulpenkrise Anfang des 17. Jahrhunderts, deren Geschichte gerade im Kino im Film „Tulpenfieber“ erzählt wird.

Bitcoin sei weder glaubwürdig noch unabhängig, sagte Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Bitcoin sei keine Währung, sondern ein „Anlageobjekt“. Die starke Kursentwicklung nach oben zeige, dass der Bitcoin eben nicht als Zahlungsmittel, sondern zur Spekulation genutzt worden sei. Das habe seinen Kurs getrieben und eine Blase erzeugt.

Misstrauisch hätte man schon im Sommer werden können, als ein Datenstau beim Handel mit Bitcoin entstanden war. Um diesen aufzulösen, wurde über neue Geschäftsbedingungen die Internetwährung aufgespalten. Es gab plötzlich zwei Bitcoins. Da seien „Zweifel an der Glaubwürdigkeit des dahinterliegenden Algorithmus“ aufgekommen, erläutert Vöpel.

Für Krypto-Währungen wie Bitcoin steht keine Regierung oder Zentralbank ein, daher wird ihr Kurs allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Geschaffen wird das Geld von Nutzern, deren Computer die dafür extrem komplexen Algorithmen berechnen. Da Beträge schnell und anonym weltweit transferiert werden können, sind diese Währungen auch für Nutzer interessant, die Geld aus illegalen Geschäften waschen oder Kapitalkontrollen umgehen wollen.