Die Einkäufe aufs Band legen, Smartphone zücken, flink bezahlen – so läuft es an den Supermarktkassen vieler Länder ab. In China etwa nehmen viele Geschäfte überhaupt kein Bargeld mehr an. In Deutschland hingegen kramen Kunden an der Kasse noch immer verzweifelt in ihrem Geldbeutel, suchen passende Münzen und Scheine.

Mobile Payment – also das Bezahlen per Smartphone – verbreitet sich langsamer, als es viele Experten zum Start der Technologie vorausgesagt haben. In diesem Jahr wird das Transaktionsvolumen in Deutschland etwa bei 63 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: Mit der Girocard werden jährlich Waren im Wert von 128 Milliarden Euro bezahlt. Dass sich die Technik bislang nicht durchgesetzt hat, liegt vor allem am Angebot. Zu viele Anbieter bestehen nebeneinander, ein einheitlicher Standard fehlt.

Apple meidet bislang den deutschen Markt

Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC zeigte zuletzt: Nur 13 Prozent der Befragten nutzen schon das Smartphone an der Kasse. 42 Prozent bezahlen noch nicht mit dem Handy, gaben jedoch an, dass sie dies tun würden, wenn die Technologie intuitiver wäre. Nutzer haben es schwer, einen Überblick über die Dienste zu bekommen, denn das Angebot gleicht einem Flickenteppich.

So gibt es etwa die App der Deutschen Bank, DB Mobile. Sie funktioniert nur in Kombination mit einer Mastercard der Deutschen Bank. Der Service des Mobilfunkanbieters Vodafone, Vodafone Wallet, hingegen verlangt nach einer Visa-Kreditkarte und den Bezahlservice Paypal. Darüber hinaus gibt es Angebote von Supermarktketten wie Edeka oder Payback Pay.

Große Anbieter wie Apple, Samsung und Google haben mittlerweile gut funktionierende Systeme entwickelt, bieten diese jedoch nicht auf dem deutschen Markt an. Ein weiteres Problem: Bislang hat sich bei der Technik für das mobile Bezahlen noch kein Standard durchgesetzt. Der QR-Code konkurriert mit der sogenannten Near Field Communication (NFC).

Im Falle des QR-Codes scannt der Kunde mithilfe einer App einen QR-Code und leitet so den Zahlungsvorgang ein. Das klingt einfach, bringt aber zwei Probleme mit sich. Das Smartphone benötigt einen Internetzugang, um den QR-Code zu übertragen. Ist der nur beschränkt verfügbar, etwa weil der Supermarkt im Keller liegt, ist das problematisch. Außerdem funktioniert das Scannen der QR-Codes oft nur langsam. Dann aber ist das Bezahlen mit Smartphone weder schneller noch komfortabler als mit Bargeld oder per Karte.

Besser funktioniert die NFC-Technik. Dazu muss der Kunde sich eine Bezahl-App auf sein Smartphone laden, die wie ein digitaler Geldbeutel funktioniert. Darin hinterlegt er die Daten seiner Kreditkarte. Via Radiosignal verbindet sich die Kasse im Supermarkt direkt mit dem Handy und zieht sich die nötigen Daten. Per Fingerabdruck oder Passwort bestätigt der Verbraucher anschließend die Zahlung. Bei Beträgen bis zu 25 Euro kann der Betrag auch ohne Bestätigung abgebucht werden. Was im ersten Moment heikel klingt, ist eigentlich ein sicherer Weg des Bezahlens, sagt Christopher Schmitz, Zahlungs- und Fintechexperte bei der Unternehmensberatung EY. Da die Daten zwischen der Kasse und dem Smartphone verschlüsselt übertragen werden, habe er bei der Methode keine Bedenken.

Shell-Kunden können an der Tankstelle mobil bezahlen

„Für Hacker ist es nur mit hohem Aufwand und unter Nutzung spezifischer Sicherheitslücken möglich, sich in die Verbindung zwischen Kasse und Smartphone zu hacken“, sagt Schmitz. Kunden geben aber auch mit dieser Zahlweise eine Menge Daten von sich preis – der Anbieter erfährt Standort, Uhrzeit und Einkaufssumme. Einen Unterschied macht das aber nur im Vergleich zum Bezahlen mit Bargeld. „Es werden nicht mehr Daten übertragen als bei einer Kreditkarte oder einer Payback-Karte“, sagt Schmitz.

An Bord haben die NFC-Technologie nahezu alle modernen Smartphones. Wer ein älteres Handy nutzt, kann dies über einen sogenannten NFC-Tag selbst nachrüsten. Allerdings funktioniert das ausschließlich bei Android. Apple lässt fremde Apps nicht auf die NFC-Technologie seiner iPhones zugreifen.

Das größte Hindernis für den Durchbruch des Mobile Payment in Deutschland sieht der Leiter des Bereichs Kundenerfahrung bei PWC, Nikolas Beutin, in den deutschen Bezahlgewohnheiten. Der Bezahlvorgang der Einzelhändler laufe auch analog extrem schnell. „Wenn dann jemand mit dem Handy bezahlt, ist das nur ein oder zwei Sekunden schneller. Das lohnt sich kaum“, erklärt Beutin.

Es brauche zudem mehrere große Anbieter oder Marken, die das Thema nach vorne treiben, ist sich Beutin sicher. So wie etwa die Deutsche Bahn, die ihre Ticketverkäufe auf das Smartphone lenken will. Oder der Ölkonzern Shell, der in Kooperation mit Paypal das mobile Bezahlen an der Tankstelle vorantreiben will. Kunden können dort seit Kurzem direkt an der Zapfsäule bezahlen – mit ihrem Handy.

Den Durchbruch aber dürfte tatsächlich der Markteintritt von Apple Pay bedeuten. Branchenkenner erwarten den Start in Deutschland sogar noch in diesem Jahr. In den Ländern, wo es Apple Pay schon gibt, vermeldet der Konzern jedenfalls rapide steigende Nutzerzahlen. Im ersten Quartal 2017 meldete Apple-Chef Tim Cook, dass das Transaktionsvolumen von Apple Pay um mehr als 500 Prozent gestiegen sei und sich die Zahl der Nutzer gegenüber dem Vorjahr sogar verdreifacht habe.