Chemiekonzern

Wie BASF zu einem der größten deutschen Weinhändler wurde

Die BASF kann auf mehr als 100 Jahre Erfahrung im Weinhandel bauen. So behauptet sich der Chemiekonzern sogar gegen die Discounter.

Einen einstelligen Millionenbetrag erwirtschaftet die BASF jährlich mit Wein. (Symbolbild)

Einen einstelligen Millionenbetrag erwirtschaftet die BASF jährlich mit Wein. (Symbolbild)

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin.  Auf den ersten Blick passt Wein zu BASF so gut wie Currywurst zu Volkswagen. Ein Chemiekonzern, der edle Tropfen vertreibt? Was kurios klingt, ist tatsächlich für den Konzern, der sonst vor allem mit Öl hantiert und Chemikalien für fast alle Industrien der Welt liefert, ein Geschäft. BASF gehört zu den größten Weinhändlern Deutschlands. Und auch VW ist seit Jahren im Schlachtergeschäft, die Currywurst legendär unter Kennern.

Im Vergleich zum Gesamtumsatz von rund 57,6 Milliarden Euro nimmt sich der einstellige Millionenbetrag, den BASF mit Wein umsetzt, eher klein aus. Doch das Renommee des „Weinkeller“ genannten Geschäfts ist beachtlich, die Kunden sitzen in aller Welt. Und während etwa von Bier immer weniger getrunken wird, liegt der Pro-Kopf-Konsum an Wein auf robustem Niveau. 2016 trank statistisch gesehen jeder Deutsche allein 20,6 Liter.

BASF-Geschäft mit Wein floriert

Deshalb berichtet Bernhard Wolff von florierendem Geschäft, er leitet die Weinaktivitäten von BASF am Hauptsitz in Ludwigshafen. Mehr als 700.000 Flaschen verkaufen seine Mitarbeiter pro Jahr, eine Million Flaschen umfasst derzeit das Kellergewölbe, passend gelegen in der Anilinstraße, knapp 330 Meter von der Konzernzentrale und dem mehr als zehn Quadratkilometer großen Werksgelände entfernt. Anilin ist ein wichtiger Grundstoff in der chemischen Industrie, etwa zur Farbherstellung. BASF fertigt ihn im industriellen Maßstab synthetisch seit 1897.

Mit Wein handelt der Konzern fast genauso lange. 1901 stieg er ins Geschäft ein, zunächst um Gäste mit Weinen aus der Pfalz zu versorgen. Inzwischen liefert das Unternehmen nicht nur an Kunden in Deutschland, sondern auch zum Beispiel nach Amerika. Die älteste Flasche im Ludwigshafener Weinkeller stammt übrigens von 1865. „Tendenziell legt unser Export- und Internethandel zu. Der stationäre Handel bewegt sich stabil auf hohem Niveau“, sagt der Wein-Experte.

BASF hat keine eigenen Weinberge

BASF hat keine eigenen Weinberge, dafür identifizieren die Mitarbeiter aus mehreren Tausend Weinen jedes Jahr die repräsentative Auswahl des Katalogs. Wobei das Angebot nicht auf die Pfalz beschränkt ist. Auch Bordeaux, Burgund und Übersee sind vertreten. Und manche Weingüter wie Reichsrat von Buhl in der Pfalz beliefern BASF auch mit exklusiven Weinen. „Gerade einheimischen Weinen ermöglichen wir als Firma mit einem globalen Netzwerk einen weltweiten Auftritt“, sagt Weinkeller-Chef Wolff.

Regionale Produkte liegen hoch in der Gunst der Weinkenner, die im Gewölbe von BASF vorbeischauen. Eigentlich kein Wunder, schließlich wird der Konzernsitz von vier Weinanbauregionen umschlossen. Die hohe Nachfrage nach Regionalität gilt aber auch für den klassischen Einzelhandel. „Insbesondere die Supermärkte haben ihr Angebot mit heimischen Weinen ausgebaut“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. „Das spiegelt sich auch in einem gestiegenen Marktanteil am Weinvertrieb in Deutschland wieder, der in den letzten fünf Jahren von zwölf auf 18 Prozent gewachsen ist.“

Der Markt, in dem BASF seit mehr als 100 Jahren tätig ist, ist umkämpft. Vor allem das Onlinegeschäft wächst. Ob Discounter, große Lebensmittelketten: Jeder ist im Internet aktiv. Auch die US-Riesen Amazon und Ebay haben den Markt entdeckt. Vor allem das Internetauktionshaus hat Anfang des Jahres sein Weinangebot deutlich ausgeweitet, wie Weinexperte Büscher sagt.

Aldi ist Nummer eins auf dem deutschen Weinmarkt

Nummer eins im deutschen Weinmarkt ist seit Jahren Aldi. In den Filialen wird bundesweit jede vierte Flasche Wein gekauft. Auch die anderen Discounter sind im Geschäft aktiv. Lidl hat gar ein eigenes Bewertungsschema für Wein. Die Discounter kommen seit Jahren auf einen Marktanteil von rund 48 Prozent am gesamten Weinverkauf in Deutschland.

Allerdings vertreiben sie vor allem Wein zum Preis von weniger als vier Euro. Aber höherwertigere Weine seien zunehmend gefragt, sagt eine Sprecherin von Aldi Süd.

Rekord war in dieser Hinsicht im vergangenen Jahr der Amarone della Valpolicella DOCG Classico für 13,99 Euro. Der wertvollste Wein im BASF-Weinkatalog ist derzeit ein 2010er Château Mouton-Rothschild, premier grand cru classé, zum Preis von 950 Euro. Pro Flasche.

Auch VW betreibt ein kulinarisches Nebengeschäft

Das Angebot des Weinkellers ist insgesamt durchaus gehoben. Und einen Spitzenbordeaux wie Mouton-Rothschild oder ein Großes Gewächs, wie die deutsche Spitzenklasse heißt, wird sich in den Regalen der Discounter auch in den kommenden Jahren eher nicht finden. Der Durchschnittspreis für Wein im deutschen Lebensmitteleinzelhandel lag im vergangenen Jahr bei 2,92 Euro der Liter.

Die Produkte, die der BASF Weinkeller verkauft, werden vermutlich eher selten zu einem Spitzenprodukt eines anderen deutschen Konzerns getrunken: der VW-Currywurst, verpackt in einer Folie mit dem Aufdruck VW-Originalteil. Dabei stellen die Wolfsburger davon in manchen Jahren mehr her als Autos der Kernmarke VW: 2015 etwa waren es mehr als 7,2 Millionen Würste bei 5,82 Millionen Autos. Im Konzernumsatz von 213,2 Milliarden Euro (2015) schlägt sich das allerdings eher weniger nieder. Viele der Würste landen auf den Mitarbeitertellern der Betriebskantinen, ein Großteil geht allerdings auch in den Einzelhandel. Auch eigenen Ketchup liefert VW: 2015 waren es 608 Tonnen.