Verpackungen

Wie Lebensmittel-Hersteller bei den Portionsangaben tricksen

Lebensmittelhersteller geben auf Verpackungen laut einer Studie zu geringe Mengen an. Was gesünder wirken soll, verärgert Verbraucher.

Portionsangaben auf Verpackungen – im Bild Schoko-Frühstücksflocken – sind häufig zu klein, kritisieren Verbraucherschützer.

Portionsangaben auf Verpackungen – im Bild Schoko-Frühstücksflocken – sind häufig zu klein, kritisieren Verbraucherschützer.

Foto: Marcus Führer/DPA / dpa

Berlin.  Der Appetit auf ein Paar Wiener ist groß, und der Blick auf die Verpackung beruhigt: Gerade einmal 12,5 Gramm Fett und 143 Kilokalorien stecken in einer Portion. Das ist jedoch im wahrsten Sinne des Wortes nur die halbe Wahrheit. Denn wer das Paar, also zwei Würstchen isst, verzehrt das Doppelte der angegeben Portion.

Kennzeichnung und Wirklichkeit stimmen selten überein

"Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft eine große Lücke", hat auch Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz festgestellt. Das bestätigt eine bundesweite Befragung von Konsumenten durch die Verbraucherzentralen. Im Durchschnitt verzehrten die Teilnehmer mehr als die doppelte Menge der auf der Verpackung von Chips, Müsli oder eben Würstchen angegebenen Portionsgröße. "Kleinere Portionen suggerieren geringere Zucker- und Fettgehalte", erläutert Umbach, "nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit Miniportionen gesund."

Die befragten Konsumenten der Studie nahmen beim Müsli statt der angegebenen 14 Gramm doppelt so viel Zucker pro Portion zu sich. Bei den Chips war der Unterschied beim Fett sogar noch größer. 9,9 Gramm gaben die Hersteller an, tatsächlich landeten fast 21 Gramm im Magen. Die Gegenprobe belegt die Verwirrung der Kunden. So sollten die Teilnehmer der Befragung aus vier Schalen mit einer unterschiedlich großen Menge an Müsli oder Chips diejenige finden, die mit der auf der Packung angegebenen Verzehrmenge gefüllt war. Beim Müsli fanden nur vier von zehn die richtige Schale, bei den Chips nur jeder Zweite.

Viele Verbraucher wünschen sich auf den Verpackungen eine Ampelkennzeichnung

Sachlich sinnvoll ist diese Angabe ohnehin selten. Nur wenn sich die Angabe zum Beispiel auf eine Scheibe Brot oder einen Becher Joghurt bezieht, lässt sich damit etwas anfangen. Ansonsten liegen die Essgewohnheiten der Konsumenten so weit auseinander, dass es "eine" Portionsgröße gar nicht gibt. "Die Mehrheit wünscht sich verständlichere Angaben", stellten die Verbraucherschützer fest. Begrüßt wird beispielsweise eine Angabe pro 100 Gramm, die es vielfach auch schon neben der Portionsgröße gibt. Aber auch eine Ampelkennzeichnung fand bei den Studienteilnehmern große Zustimmung.

Für die Ampelkennzeichnung sprechen sich auch Ärzte und Wissenschaftler aus. Dabei werden die Angaben für Fette, Salz und Zucker farblich dargestellt. Enthält ein Produkt eine unbedenkliche Menge davon, ist sie grün, bei hohen Gehalten rot. So kann der Kunde auf einen Blick erkennen, woran er ist, und seine Entscheidung mit dieser Kenntnis treffen. Doch das Bundeslandwirtschaftsministerium sperrt sich seit Jahren gegen die Ampel.

Verbraucherzentralen: "Krumme" Packungsgrößen stiften Verwirrung

Ebenfalls verwirrend ist die 2009 erfolgte Freigabe der Packungsgröße, wie kürzlich eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zeigte. Während Schokolade vorher in der 100-Gramm-Packung und Milch in der Ein-Liter-Tüte verkauft werden mussten, darf das Gewicht seither variieren. Doch statt, wie mit der Freigabe beabsichtigt, auch Portionen für Singles oder Großfamilien anzubieten, hätten Hersteller "krumme" Packungsgrößen eingeführt, um Preiserhöhungen zu verschleiern, so der vzbv.

Nun müssen Kunden zweimal aufs Preisschild schauen, dort muss zur Vergleichbarkeit auch der Grundpreis für eine definierte Menge, zum Beispiel pro 100 Gramm angegeben werden. Doch die vzbv-Studie zeigt: Auch hier gibt es Mängel. 90 Prozent der Händler würden eine falsche Mengenangabe verwenden, diese zu klein schreiben oder so verstecken, dass sie dem Produkt nicht zugeordnet werden kann. Um der Industrie diesen Spielraum zu nehmen, müsse die Angabe vereinheitlicht werden, fordert der Bundesverband.

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