Geldhaus

Ex-Manager der Deutschen Bank sollen für Fehler zahlen

Die Deutsche Bank will ehemalige Vorstandsmitglieder wie Josef Ackermann zur Kasse bitten. Die Aktionäre hoffen auf einen Neustart.

Foto: RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Frankfurt/Main.  Die Deutsche Bank will angesichts ihrer milliardenschweren Altlasten ehemalige Vorstände zur Kasse bitten. Man befinde sich in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit den Ex-Managern, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner: "Nach Erwartung des Aufsichtsrats wird es in den nächsten Monaten hierzu eine Regelung geben, die einen wesentlichen finanziellen Beitrag der Betroffenen sicherstellt." Zu den elf Managern gehören Josef Ackermann, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Das Institut will variable Vergütungsbestandteile, die noch nicht ausbezahlt wurden, einbehalten.

Damit würden diese früheren Vorstandsmitglieder zumindest einen kleinen Teil zu den Milliardenstrafen beisteuern, die die Bank in den vergangenen Jahren leisten musste. Viele, vor allem größere Rechtsstreitigkeiten hatte das Geldhaus 2016 beigelegt, darunter die "allergrößten", erinnerte Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf der Hauptversammlung am Donnerstag: "Auch wenn es weitere offene Fälle gibt: Wir gehen davon aus, dass wir das Schlimmste überstanden haben."

Aktionäre wünschen sich nach Krisenjahren Normalität

Das hoffen auch die Anteilseigner die seit Jahren unter der schlechten Entwicklung der größten deutschen Bank leiden. "Wer vor fünf Jahren 10.000 Euro in Deutsche-Bank-Aktien investiert hat, hat heute gerade noch 6800 Euro", klagte etwa Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Ein dramatischer Absturz an der Börse, hohe Rechnungen für Skandale und Kehrtwenden bei der Strategie: Die Aktionäre der Deutschen Bank wünschen sich nach vielen Krisenjahren vor allem Normalität bei Deutschlands größtem Geldhaus. Der "Zickzack-Kurs" der letzten Jahre müsse endlich vorbei sein, schimpfte Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes. Von einem verlorenen Jahrzehnt für die Anteilseigner sprach Ingo Speich vom Top-20-Aktionär Union Investment. "Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei der Deutschen Bank eine riesige Lücke."

Neue Strategie: auf die Wurzeln besinnen

Rund 3600 Aktionäre waren in die Festhalle gekommen. Einige machten ihrem Ärger mit lautstarken Zwischenrufen Luft, als Aufsichtsratschef Paul Achleitner sprach. "Nur mit einem halben Dutzend Kapitalerhöhungen im Gesamtvolumen von über 30 Milliarden Euro gelang es, die Löcher in der Bilanz zu stopfen", kritisiert Speich. "Dieses Geld ist durch den Schornstein gerauscht", meint Nieding, es sei nur in die Aufarbeitung der Finanzkrise und der Rechtsstreitigkeiten geflossen, nicht aber in das operative Geschäft.

Die Bank habe das Fehlverhalten gründlich aufgearbeitet und Konsequenzen daraus gezogen, meinte jedoch John Cryan. Er richtete den Blick nach vorn, verwies auf die neue Strategie mit dem Namen "Oaktree" ("Eichenbaum"): Man besinne sich auf die Wurzeln der Deutschen Bank, darauf, dass die Bank gegründet worden sei, um deutsche Unternehmen in alle Welt zu begleiten. Deshalb habe man sich für die Aufteilung in drei Geschäftsbereiche entschieden – die Unternehmens- und Investmentbank, die Privat- und Firmenkundenbank und die Vermögensverwaltung "Deutsche Asset Management".

Warum die Deutsche Bank die Postbank behält

Ihm als Briten sei bewusst, dass die Deutsche Bank und Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten "nicht immer eine einfache Beziehung" gehabt hätten, sagte Cryan. Als größte Bank in Europas größter Volkswirtschaft wolle man nun aber diese Position ausbauen – ein Grund, warum man die Postbank behalte. Nun wolle man aus Postbank und Deutscher Bank eine "integrierte Privat- und Firmenkundenbank" schaffen mit mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland.

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