Eine weltweite Cyber-Attacke hat am Freitag zehntausende Computer von Unternehmen, Behörden und Verbrauchern lahmgelegt. In Deutschland erwischte es Rechner bei der Deutschen Bahn. Anzeigentafeln an den Bahnhöfen zeigten am Sonnabendvormittag Fehlermeldungen, auch am Berliner Hauptbahnhof, wie der RBB berichtet. Gegen 10 Uhr liefen die Tafeln wieder korrekt.
An Bahnhöfen wurden am Vormittag zusätzliche Mitarbeiter eingesetzt, um Kunden zu informieren, hieß es. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren von den Störungen nicht betroffen.
Zu Problemen kam es am Vormittag auch in den zehn Kundenzentren der S-Bahn in Berlin: Dort konnten Fahrgäste keine Tickets kaufen. Die Fahrkarten-Automaten auf den Bahnsteigen funktionierten aber ohne Probleme.
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte der Berliner Morgenpost, dass auch Videotechnik in den Bahnhöfen von der Cyber-Attacke betroffen war. Ein Muster sei nicht erkennbar. Ausfälle seien etwa an den Bahnhöfen in Leipzig und Frankfurt/Main verzeichnet worden. Berlin war nach ersten Erkenntnissen der Bundespolizei nicht betroffen.
BKA übernimmt Ermittlungen
Nun hat das Bundeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Das teilte das Bundesinnenministerium am Sonnabend mit. Federführend in dem Verfahren ist die Staatsanwaltschaft Berlin, sagte eine Sprecherin der Morgenpost. Innenminister Thomas de Maizière betonte, der Angriff sei nicht der erste seiner Art, aber besonders schwerwiegend. Regierungsnetze seien aber nicht betroffen. „Ihr hochprofessioneller Schutz durch das BSI (Bundesamt für Sicherheit der Informationstechnik) zahlt sich aus“, sagte der Minister.
„Zudem sprechen die jetzigen Erkenntnisse dafür, dass wer unserem Rat folgt, regelmäßige Software-Updates durchzuführen, eine gute Wahrscheinlichkeit hatte, dem Angriff zu entgehen“, betonte das Innenministerium.
De Maizière forderte, nun bis Ende der Legislaturperiode die offenen Fragen beim IT-Sicherheitsgesetz zu klären. „Ich hoffe, dass spätestens jetzt alle Beteiligten zügig ihrer Verantwortung nachkommen und meinen längst auf dem Tisch liegenden Vorschlägen zustimmen.“
75.000 betroffene Computer in 99 Ländern
Die IT-Sicherheitsfirma Avast entdeckte rund 75.000 betroffene Computer in 99 Ländern, mit einem Schwerpunkt auf Russland, der Ukraine und Taiwan. In der Nacht zum Samstag wurde die Angriffswelle gestoppt, weil ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art „Notausschalter“ in der Schadsoftware stieß.
Die Computer wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Dabei wurde Experten zufolge eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Die Schwachstelle wurde zwar bereits im März grundsätzlich von Microsoft geschlossen - aber geschützt waren nur Computer, auf denen das Update installiert wurde.
Die Angreifer scheinen eine Art Notbremse in ihr Programm eingebaut zu haben - und die Attacke wurde abgewürgt, nachdem ein IT-Forscher diesen Mechanismus auslöste.
Berliner Kliniken von Cyberattacke nicht betroffen
Am Freitag hatten die Folge der Attacke für Aufsehen gesorgt. In Großbritannien wurden Krankenhäuser lahmgelegt, in Spanien war der Telekom-Konzern Telefónica betroffen und in den USA den Versanddienst FedEx.
Berliner Gesundheitseinrichtungen waren von der Cyberattacke offenbar nicht betroffen. Von Angriffen auf Computer und Erpressungsversuchen war bis Freitagabend nichts bekannt. „Alle Systeme funktionieren einwandfrei“, sagte die Sprecherin der Helios-Kliniken, Natalie Erdmann.
Auch in der Charité verliefen alle Operationen wie geplant, über Störungen wurde nichts bekannt. „Derzeit gibt es dafür keine Anhaltspunkte“, sagte Charité-Sprecherin Manuela Zingl. Vivantes war ebenfalls nicht betroffen. In Berlin war die Zahl der Cyberattacken zuletzt stark angestiegen. Die Staatsanwaltschaft registrierte 2016 fast täglich einen Angriff, zumeist allerdings auf Computer von Privatpersonen.
BM/-ker/fü/ad/dpa


