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Bericht: Amazon prämiert Mitarbeiter, die nicht krank fehlen

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Gewerkschafter, Mediziner und Krankenkassen kritisieren Amazon wegen der Gesundheitsprämie (Symbolfoto).

Gewerkschafter, Mediziner und Krankenkassen kritisieren Amazon wegen der Gesundheitsprämie (Symbolfoto).

Foto: Pascal Rossignol / REUTERS

Amazon Deutschland zahlt seinen Mitarbeitern offenbar Prämien, wenn sie möglichst selten krank sind. Die Methode erntet viel Kritik.

Berlin.  Wegen schlechter Arbeitsbedingungen in seinen deutschen Versandzentren wird der US-Onlinehändler Amazon immer wieder kritisiert. Nun ist bekannt geworden, dass Amazon seinen Mitarbeitern eine Art Gesundheitsprämie für möglichst wenige Krankheitstage zahlt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, gibt es die Regelung seit vergangenem Jahr.

Brisant ist dem Bericht zufolge vor allem, dass Amazon die Prämie von den Fehlzeiten kompletter Teams abhängig macht. Will der Einzelne die maximal mögliche Prämie von zehn Prozent des monatlichen Bruttogehalts bekommen, dürfen demnach auch die Kollegen nur möglichst selten fehlen. Das übt nach Meinung von Kritikern großen Druck auf die einzelnen Mitarbeiter aus.

Mitarbeiter würden gegeneinander ausgespielt

„Wir lehnen jede Form einer Gesundheitsprämie ab“, sagte Thomas Voss, der bei der Gewerkschaft Verdi für Amazon zuständig ist, der „SZ“. Durch einen Gruppenbonus würden die Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt. „Komplett ungerecht“ nennt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte das Prämiensystem in der „SZ“. Ältere Mitarbeiter oder chronisch Kranke würden darin überhaupt nicht berücksichtigt.

Auch die Techniker Krankenkasse kritisiert in dem Bericht das System. Die Leiterin des Gesundheitsmanagements, Sabine Voermans, sagte laut „SZ“, mit einer Prämie werde gefördert, dass Menschen krank zu Arbeit gingen und Krankheiten nicht richtig ausgeheilt würden.

Ein Logistikzentrum-Mitarbeiter verdient anfangs etwa 2000 Euro brutto im Monat. Der Gesundheitsbonus kann laut „SZ“ realistischerweise 70 bis 150 Euro im Monat erreichen – wenn die ganze Abteilung mitzieht.

Jahrelanger Streit um Tarifvertrag

Amazon stand bislang vor allem wegen seiner Tarifpolitik in der Kritik. Die Gewerkschaft Verdi verlangt seit Jahren einen Tarifvertrag nach den Regeln des Einzel- und Versandhandels. Amazon lehnt das strikt ab, weil es sich als Logistikunternehmen sieht. Die Löhne in der Logistikbranche sind niedriger als im Einzel- und Versandhandel. (küp)