Nach mehr als zwei Jahren Tauziehen um die Zukunft der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann steht nun die Einigung. Was ändert sich für Beschäftigte und Kunden in Berlin und Brandenburg?
Was bedeutet die Einigung für die Kunden der Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte in Berlin?
Die Kartellwächter hatten der Übernahme widersprochen, weil sie eine Verschlechterung der Wettbewerbssituation und Preiserhöhungen für die Verbraucher befürchteten. Grundsätzlich bedeutet eine weitere Konzentration am Markt auch eine Einschränkung des Wettbewerbs. Schließlich teilen sich die vier großen Einzelhandelsketten – Edeka, Rewe, Lidl und Aldi – nach Angaben des Bundeskartellamtes 85 Prozent des Marktes. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat sich bisher zur Einigung zwischen Rewe, Kaiser’s Tengelmann und Edeka nicht geäußert. „Wir wissen, dass das ein großes Thema ist. Aber wir äußern uns zu dieser Übernahme nicht.“
Werden die Kunden jetzt mehr oder weniger für ihren Lebensmitteleinkauf bezahlen?
Das lässt sich schwer vorhersagen. Einer Untersuchung zufolge sind bislang identische Produkte bei Aldi, Lidl und „dm“ im Schnitt 18 bis 21 Prozent günstiger als bei Kaiser’s. Das hat eine Studie des Berliner Unternehmens GKL Marketing-Marktforschung Anfang Oktober im Auftrag des Magazins „WirtschaftsWoche“ ergeben. Wie die Zeitschrift auf ihrer Online-Seite berichtet, kosten Markenartikel in Kaiser’s-Läden derzeit rund fünf Prozent mehr als bei Edeka und rund 4,6 Prozent mehr als bei Rewe. Verbraucher können also auf günstigere Preise hoffen.
Wie viele Beschäftigte in Berlin und Brandenburg betrifft die Einigung?
Laut der Gewerkschaft Verdi sind in Berlin und Brandenburg 5668 Beschäftigte bei Kaiser’s-Tengelmann, der Kaiser’s Berlin GmbH, der Verwaltung und der Logistik-Tochter K-Log tätig.
Wie viele Filialen in Berlin betrifft die Einigung?
Kaiser’s betreibt in der Region Berlin-Brandenburg rund 120 Filialen. Bundesweit arbeiten 15.000 Mitarbeiter für Kaiser’s Tengelmann.
Was bedeutet die Einigung für die Beschäftigten?
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte Sicherheit für die Arbeitsplätze über den Zeitraum von sieben Jahren an. Die Tarifparteien hatten im Juli einen Tarifvertrag für die Beschäftigten in Berlin und Brandenburg geschlossen, der eine Beschäftigungsgarantie für mindestens fünf Jahre vorsieht, falls der geplante Verkauf zustande kommt. Das würde auch Tarifsicherheit für die 552 Beschäftigten von Kaiser’s-Berlin und die 1500 Aushilfen, die bislang keiner Tarifbindung unterlagen, bedeuten. Für diese Zeit seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, erklärte die Gewerkschaft Verdi. Im Falle einer Übertragung des Unternehmens an selbstständige Einzelhändler gelte sogar eine Frist von sieben Jahren, teilte die Gewerkschaft im Juli mit. Später wurde ein ähnlicher Tarifvertrag auch für Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen vereinbart.
Was bedeutet die Einigung für den Einzelhandel in der Hauptstadt?
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, reagierte erleichtert auf die Einigung der beteiligten Unternehmen. „Der Handelsverband ist erleichtert, dass es weiter geht. Kaiser’s Tengelmann ist in Berlin gut aufgestellt. Es ist wichtig, dass es für die Märkte eine Perspektive gibt“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Die Einigung ist auch für die Mitarbeiter wichtig“, sagte er. Die Auseinandersetzung habe an ihren Nerven gezerrt.
Werden aus den Kaiser’s-Filialen künftig Rewe- oder Edeka-Geschäfte?
„Zu Einzelheiten können wir heute noch gar nichts sagen“, sagte eine Edeka-Sprecherin der Berliner Morgenpost. In der Hamburger Edeka-Zentrale hieß es, die beteiligten Parteien hätten über Einzelheiten der Einigung Stillschweigen vereinbart.
Es mehren sich aber die Gerüchte, dass Rewe nicht leer ausgehen soll. Das Kölner Unternehmen soll dem Vernehmen nach von Edeka eine Reihe von Filialen in Berlin erhalten und im Gegenzug bis spätestens zum 11. November seinen Widerstand gegen die zuvor von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erteilte Ministererlaubnis für die Fusion aufgeben. Eine Einigung darüber soll möglichst noch in dieser Woche erfolgen.


