Probefahrt

Im neuen ICE der Deutschen Bahn funktioniert sogar das Wlan

| Lesedauer: 4 Minuten
Hannes Koch
Das Südkreuz in Berlin: Hier ging es für unseren Reporter auf Probefahrt im neuen ICE der Deutschen Bahn.

Das Südkreuz in Berlin: Hier ging es für unseren Reporter auf Probefahrt im neuen ICE der Deutschen Bahn.

Foto: Jörg Krauthöfer

Der ICE 4 soll Ende 2017 in den Regelbetrieb gehen – wir durften schon mal Probe fahren. Neue Eindrücke hinterließ nicht nur das Wlan.

Berlin.  Platznehmen in einem der dunkelblauen Sitze, losfahren. Und während der neue ICE 4 leise aus dem Bahnhof Südkreuz gleitet, erst einmal das Internet checken. Das ist der Test: Kann die Bahn eines ihrer Versprechen halten – funktionierendes und kostenloses Kommunikationsnetz auch in der 2. Klasse? Es dauert einen Augenblick, das Smartphone arbeitet, dann klappt es: Wir sind tatsächlich drin!

Die Deutsche Bahn AG weiß, dass sie etwas tun muss, um der Konkurrenz der Fernbusse, Flugzeuge und Privatautos Paroli zu bieten. Deshalb stellte der Verkehrskonzern am Donnerstag nicht nur zahlreiche Verbesserungen für den Kundenservice vor. An Gleis 3 des Bahnhofs Südkreuz in Berlin stand auch der neue Hochgeschwindigkeitszug ICE 4 zur ersten öffentlichen Probefahrt bereit. Von Dezember 2017 an soll er im Regelbetrieb fahren, unter anderem zwischen Hamburg und München.

Kostenlose Spielfilme

Auf der halbstündigen Testtour nach Ludwigsfelde in Brandenburg und zurück – das neue Spitzenprodukt der Bahnflotte ruckelt übrigens wie die Vorgänger über Weichen – erklärten die Bahnmitarbeiter den neuen Zug. Das Wlan für alle, das es Ende 2016 auch in allen anderen ICE geben soll, ist ein zentraler neuer Service-Bestandteil. Hinzu kommt ein kostenloses Angebot für 50 Spielfilme des Anbieters Maxdome, die die Passagiere während der Fahrt auf ihren mobilen Geräte ansehen können.

Wer sich im neuen ICE 4 umblickt, stellt fest, dass mehr Regale für das Gepäck der Reisenden vorhanden sind als in den Vorgängermodellen. Diese Ablageflächen haben die Entwickler in den Großraumwagen so verteilt, dass man sie vom Platz aus besser im Blick hat. Bisher befanden sie sich mitunter in der Nähe der Ausgänge, was Diebstahl begünstigte.

Es gibt in der ersten Klasse neue Leseleuchten seitlich an den Sitzlehnen, und auch die Platzreservierungen werden nicht mehr oben über den Plätzen angezeigt, sondern seitlich am Sitz. Überhaupt der Sitz: Die Sitzfläche lässt sich bewegen, allerdings im Sitz selbst, die Lehne klappt dem Hintermann nicht entgegen.

Speisewagen wurde überarbeitet

Der Speisewagen wurde ebenfalls überarbeitet. Dort wartet etwa eine gläserne Theke, in der Sandwiches, Salate und andere Angebote für die Passagiere sichtbar präsentiert werden. Ob die Einrichtung pannenanfällig ist wie in den Vorgängermodellen, lässt sich auf der Testfahrt nicht wirklich feststellen.

Hinter dem Speisewagen verkehrt im neuen ICE ein Servicewagen. Dieser bietet unter anderem vier Rollstuhlfahrern und ihren Begleitpersonen ausreichend Platz. Eine Sitzgruppe mit Tisch besteht jeweils aus zwei normalen Sitzen und Raum für den Rolli. An der nächsten Außentür hat der ICE 4 eine eigene Hebebühne. Bisher müssen Bahnmitarbeiter eine von außen heranschaffen.

Auch außerhalb der Züge will die Bahn besser werden. Etwa am Bahnsteig. Ab Dezember sollen die Passagiere per Smartphone rechtzeitig erfahren, wo genau der Waggon hält, in dem sie reserviert haben. Der mobil zugängliche Wagenstandsanzeiger wird in die App Navigator integriert, mit der man online Fahrkarten buchen kann. Auf dem Bahnsteig stehend kann man im Navigator den jeweiligen Zug anklicken und sieht sofort, wo welcher Wagen hält. Keine Gerenne mehr, wenn sich die Wagenreihung mal wieder geändert hat.

ICE 4 soll neues Flagschiff der Bahn werden
ICE 4 soll neues Flagschiff der Bahn werden

Neue App: DB Barrierefrei

Ab Dezember soll es über den Navigator auch Fahrkarten verschiedener Verkehrsverbünde geben, etwa VRR (Rhein-Ruhr) und VRS (Rhein-Sieg). Bisher lassen sich Fahrkarten des Verkehrsverbunds Berlin Brandenburg kaufen. Auch wird es einfacher, Carsharing-Autos der Bahntochter Flinkster mit der Bahn-App zu buchen. In Berlin und Stuttgart sollen auch Elektro-Roller unter anderem der Firma eMio wählbar sein.

Für Menschen mit Beeinträchtigung hat die Bahn eine zusätzliche App entwickelt: DB Barrierefrei. Wer mit dem Rollstuhl in den Bahnhof kommt, erhält per Smartphone etwa die Information, welche Aufzüge zu den Gleisen funktionieren und welche defekt sind.

Eine Modernisierung plant die Bahn AG auch für ihre Bahnhöfe. Nach und nach werden auf den Bahnsteigen neue, gläserne Aufenthaltspavillons gebaut. Und es wird Kühl-Schließfächer am Bahnhof geben, in denen der Supermarkt die Lebensmittel fürs Wochenende platziert, die man aus dem Zug online bestellt hat.