Geldhaus

Scheichs sorgen sich um die Zukunft der Deutschen Bank

Der Streit der Deutschen Bank mit der US-Justiz macht die Eigentümer nervös. Das Geldhaus erwägt nun teilweise den Rückzug aus den USA.

Eine Deutsche-Bank-Filiale in der Park Avenue in Manhattan, New York City (Archivbild).

Eine Deutsche-Bank-Filiale in der Park Avenue in Manhattan, New York City (Archivbild).

Foto: imago stock&people

Washington.  Als Deutsche-Bank-Chef John Cryan neulich Topkunden in die edle Renwick Gallery gegenüber dem Weißen Haus in Washington einlud, galt seine ganze Konzentration der Besänftigung des amerikanischen Justizministeriums. Wegen dubioser Immobiliengeschäfte hatten Obamas Rechtsvertreter das Frankfurter Geldhaus zu einer Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) verdonnert.

Cryan war am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds in die US-Hauptstadt gekommen, um noch vor der Präsidentenwahl am 8. November auszuloten, wie die unverdaulich hohe Strafe am besten zu senken wäre. Ein Durchbruch blieb bisher aus. Dafür droht offenbar neues Ungemach. Großaktionär Katar, vor wenigen Wochen noch als potenziell große Stütze bei der Bewältigung des Finanzschadens gehandelt, hat nach US-Medienberichten sein zusätzliches finanzielles Engagement vorläufig auf Eis gelegt.

Auf dem Weg zum „Wirtschaftskrieg“

Laut „Wall Street Journal“ will Scheich Hamad bin Jassim al-Thani erst Ergebnisse sehen. Die Herrscherfamilie aus dem Wüstenstaat hatte 2014 knapp zwei Milliarden Euro in die Deutsche Bank investiert. Nach Analystenangaben in Washington ist das Aktienpaket derzeit aber nur noch 1,3 Milliarden wert. Tendenz: fallend. Eine kurzfristige Kapitalaufstockung, die der Deutschen Bank helfen würde, sei darum „im Moment höchst unwahrscheinlich“. Zuletzt war die Rede davon, dass Katar gemeinsam mit anderen Investoren sogar eine Sperrminorität von 25 Prozent anstrebt.

Für Bank-Chef Cryan und seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner steigt damit der Druck, so schnell wie möglich Vollzug zu melden bei der Beilegung des Streitfalls, in dem deutsche Politiker bereits Züge eines „Wirtschaftskriegs“ erkennen, den Amerika gegen europäische Unternehmen führe.

Bank fürchtet die Unberechenbarkeit

Der Terminkalender verheißt nichts Gutes. In knapp drei Wochen wird in den USA gewählt. In der Zeit bis zur Amtseinführung des neuen Präsidenten oder der neuen Präsidentin gilt in Washington im weiten Sinne Stillstand der Rechtspflege.

Die Deutsche Bank fürchtet die Unberechenbarkeit, die von einem Wahlsieg des republikanischen Kandidaten Donald Trump ausgeht, der zuletzt massiv gegen internationale Handelsabkommen und alte Traditionen im globalen Wirtschaftsleben gewettert hatte. In diesem Zusammenhang tauchte am Wochenende die Spekulation auf, dass die Deutsche Bank in den USA ihr Geschäftsmodell möglicherweise um das Investmentbanking ganz oder teilweise bereinigt.

Kursänderung um 180 Grad

Käme es zu diesem Schritt, über den bereits in den Aufsichtsgremien gesprochen worden sein soll, handelte es sich um eine Kursänderung um 180 Grad. Vor 17 Jahren begann die Deutsche Bank mit der Übernahme der US-Bank Bankers Trust damit, sich Marktanteile auf dem ebenso einträglichen wie risikoreichen Sektor zu verschaffen. Ziel der Frankfurter Banker war es, langfristig mit Branchen-Riesen wie JP Morgan und Goldman Sachs konkurrieren zu können, die das milliardenschwere Geschäft in den Vereinigten Staaten dominieren.

Eine Reduzierung dieses Geschäftsfeldes, so die Annahme, könnte Justizministerin Loretta Lynch zu einer drastischen Senkung der Strafe bewegen. Die Deutsche Bank selbst hat für die Regulierung des Schadens nicht mehr als 5,5 Milliarden Euro zurückgelegt. In Amerika beschäftigt die Deutsche Bank knapp 10.000 Mitarbeiter, etwa ein Zehntel der Gesamtbelegschaft. Weder das Justizministerium noch die Deutsche Bank wollten am Sonntag zum Stand der Verhandlungen Auskunft geben.

Die Strafe geht ans Eingemachte

Üblicherweise sinkt die Summe im Zuge der Verhandlungen – aber selbst wenn die Strafe der US-Justiz erheblich gemindert würde, könnte die Summe die Rückstellungen der Bank übertreffen. Dies würde die Bank weiter schwächen und brachte zuletzt an den Finanzmärkten Spekulationen auch über mögliche Staatshilfen auf.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ könnte sie bei einer Kapitalerhöhung aber nicht auf die Unterstützung der Bundesregierung zählen. Ein Regierungsvertreter habe vergangene Woche gegenüber Abgeordneten erklärt, dass der Staat sich daran nicht beteiligen werde, berichtete die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf einen Teilnehmer des Treffens.

Rettung durch den Staat „undenkbar“

„Die Regeln für die Bankenabwicklung haben sich seit 2009 geändert“, und daran müsse sich auch Deutschland halten, habe der Regierungsvertreter gesagt. Es sei „undenkbar“, dass der Staat sich wie 2009 bei der Commerzbank an der Deutschen Bank beteilige.

Es sei aber auch betriebswirtschaftlich „dringend nötig, dass die Deutsche Bank das Investmentbanking runterfährt und einstellt“, meint etwa Dieter Hein, Bankspezialist des unabhängigen Analysehauses fairesearch. Die Bank solle das nicht nur in Amerika tun, sondern am besten auch in London, rät der Experte: „Und dann hoffen, dass die Bank die Risiken überlebt.“ Mit der Aufgabe des Investmentbankings würden seiner Rechnung nach zwölf Milliarden Euro an Eigenkapital frei, die die Bank nutzen könnte, um Rechtsstreitigkeiten beizulegen.

Keine ermutigende Experten-Prognose

Der Experte ist überzeugt, dass das Investmentbanking der Deutschen Bank auch in Zukunft unrentabel bleiben wird. Er erinnerte daran, dass die Bank von 2012 bis 2015 rund 11,5 Milliarden Euro Boni für die Invest­mentbanker ausgezahlt habe, obwohl sie in dieser Zeit Verluste geschrieben habe.