Wie deutsch ist die Deutsche Bank noch? Diese Frage stellen sich derzeit viele Wirtschaftsakteure in der Bundesrepublik. Das Institut galt früher als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft, ihre Chefs gehörten lange Jahre zu den wichtigsten Ansprechpartnern und Beratern der jeweiligen Bundesregierungen in Wirtschaftsfragen.
Eine Figur wie Hermann Josef Abs, von 1957 an zehn Jahre lang Vorstandssprecher der Bank, habe sich sogar als heimlicher „Vizebundeskanzler“ verstanden, beschreibt Reinhard Schmidt, Professor am House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität dessen Selbstverständnis.
Nur 45 Prozent der Mitarbeiter arbeiten in Deutschland
Mit dem Amtsantritt des Schweizers Josef Ackermann, der 2002 bis 2012 das Haus führte, kamen Ängste auf, der Sitz der Deutschen Bank könne aus Frankfurt nach London verlagert werden. Inzwischen sind Ausländer an der Spitze der einstigen deutschen Vorzeigebank normal geworden.
Die „Deutsche“, wie das Geldhaus in seinem Heimatland oft genannt wird, hat sich grundlegend gewandelt. Was die Mitarbeiter angeht, sind diese längst international: In Deutschland arbeiten nur noch 45 Prozent der etwa 100.000 Mitarbeiter. So werden auch beim geplanten Abbau von 9000 Stellen entsprechend „nur“ 4000 Jobs in Deutschland entfallen.
Mehrheit der Aktien könnte bald ausländischen Investoren gehören
Und was die Besitzverhältnisse angeht, liegen zwar noch 56 Prozent der Anteile in Deutschland, der Rest aber im Ausland: 22 Prozent in der Europäischen Union (ohne Deutschland), 15 Prozent in den USA, vier Prozent in der Schweiz, drei Prozent im Rest der Welt. Doch womöglich könnte auch hier bald eine Mehrheit der Aktien ausländischen Investoren gehören.
Die Deutsche Bank hat offiziell drei, eigentlich aber nur zwei Großaktionäre. Der Rest ist Streubesitz. Mit 5,15 Prozent hält der weltgrößte Vermögensverwalter Black Rock aus New York offiziell die meisten Anteile. Danach folgen die Paramount Services Holdings von den britischen Jungferninseln und die Supreme Universal Holdings von den Cayman Inseln mit je 3,05 Prozent. Über diese beiden Vehikel hält aber das Emirat Katar seine Anteile: die Scheichs waren 2014 bei Deutschlands größtem Geldhaus eingestiegen – für damals etwa zwei Milliarden Euro.
Aktie lag zwischenzeitlich bei nur 9,90 Euro
Bisher ein schlechtes Investment: Im Mai 2014 notierte die Deutsche-Bank-Aktie noch bei über 30 Euro, inzwischen schwankt sie um 12 Euro, lag sogar kurzfristig vor einigen Tagen schon bei 9,90 Euro.
Bereits im Juli hatte die Herrscherfamilie al-Thani aus dem Golfstaat ihre Anteile auf je knapp fünf Prozent aufgestockt . Auf wie viel genau, ist nicht bekannt, denn die exakte Anzahl muss erst wieder gemeldet werden, wenn die Fünf-Prozent-Schwelle überschritten wird. In den letzten Tagen hielten sich jedoch die Gerüchte, Katar könne seinen Anteil womöglich weiter erhöhen: Laut „Spiegel“ ist der Golfstaat bereit, gemeinsam mit anderen Investoren eine Sperrminorität von 25 Prozent zu erwerben.
Deutsche Bank gilt als „systemrelevant“
Diese anderen Investoren könnten auch ein Staatsfonds sein. Das zeugt von einem Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Bank an sich: Denn die Deutsche Bank gilt als „systemrelevant“, und bei einer möglichen Sanierung oder gar Abwicklung wären erst einmal die Gläubiger gefragt: Da geht es dann um die private Verlustbeteiligung von mindestens acht Prozent der Bilanzsumme, und dazu würden vorrangig Anteilseigner und Gläubiger zur Kasse gebeten. Erst danach wären staatliche Hilfen überhaupt möglich.
Die Bedingung für eine Aufstockung der Anteile durch die Herrscherfamilie al-Thani wäre an die Forderung geknüpft, bei der Deutschen Bank durchgreifen zu können. Das hieße wohl auch, dass sie auch auf Veränderungen im Vorstand drängen würden.
Die Bundesregierung hat keine Einwände gegen die Katarer
Die Bundesregierung ließ verlauten, sie habe gegen ein stärkeres Engagement der Katarer nichts einzuwenden. Seit der Strafandrohung von 14 Milliarden Dollar durch das Justizministerium in den USA sind manche Experten skeptisch, ob das aktuelle Management den Aufgaben gewachsen ist. Dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan nicht Abschied vom Investmentbanking nehme, sei ein Fehler, kritisiert etwa Dieter Hein vom Analysehaus fairesearch. Das verantwortungslose Agieren einiger Investmentbanker ist der Grund für die Probleme des Geldhauses. Die Bank ist gelähmt, solange sie mit den Rechtsstreitigkeiten leben muss. Auch der Geldwäscheskandal in Russland ist noch völlig ungelöst.
Katar könnte also zum Retter der Deutschen Bank werden – und spätestens dann stünde das „deutsch“ im Namen nicht mehr für die Mehrheit am Kapital. Schon jetzt spricht die Bank für kleinere Hilfen auch Investoren aus dem Ausland an. Um sich aktuell zu refinanzieren, wählt sie sogenannte Privatplatzierungen. 4,5 Milliarden Dollar soll sie so über Anleihen erhalten haben. Anleihen, die etwa die Fondsgesellschaft Pimco gezeichnet habe. Die gehört zum Versicherungskonzern Allianz. Und der ist noch so deutsch, wie die Bank es nie mehr werden wird.


